Do, 18. Jänner 2018

Sikh-Attentat

28.05.2009 18:50

Bekennerschreiben aufgetaucht

Laut einem Bericht in der Online-Ausgabe der größten englischsprachigen Zeitung Indiens, "The Hindu", gibt es zum Anschlag auf zwei Gurus und dem folgenden Massaker im Wiener Gebetshaus ein Bekennerschreiben. Der Betreiber des in London stationierten indischen Radiosenders Akash soll eine entsprechende E-Mail - nach anderen Informationen einen Anruf - erhalten haben. Der Absender soll die militante Khalistan Zindabad Force (KFZ) sein, einer Terror-Organisation, die seit Jahren für die Schaffung eines eigenen Sikh-Staates kämpft.

"Derzeit wird geprüft, ob der Bekenneranruf echt ist oder ob es sich um Trittbrettfahrer handelt", sagte Polizeisprecher Michael Takacs am Donnerstag in Wien. In der Bekennerbotschaft wird laut Radio Akash das nicht dem Sikh-Glauben entsprechende Verhalten der Ravi Dass-Gemeinschaft genannt. Da die Ravi Dassi trotz Warnungen weiter "Sünden begangen" hätte, sei das Attentat unvermeidlich gewesen.

"Wir waren gezwungen zu handeln, weil die beiden Gurus sich nicht an Sikh-Glaubensregeln gehalten und frühere Warnungen ignoriert haben", soll in der Bekenner-E-Mail der KZF unter Terror-Pate Ranjiit Singh Neeta stehen. Der hält sich in einer Höhle in den Bergen Pakistans versteckt, verbreitet Hassbotschaften über das Internet und schickt seine Tempelkrieger regelmäßig zu Anschlägen aus – und seine Fänge reichen offenbar bis nach Österreich!

Alles rund um das Attentat sowie Bilder vom Tatort und der beim Massaker verwendeten Waffen findest du in der Infobox!

KZF als Terror-Organisation eingestuft
2005 wurde die KZF von der EU als Terror-Organisation eingestuft. Neeta selbst wird per Fahndungsfoto auf dem ganzen Subkontinent gesucht. Er steht auf der Liste der 20 meistgesuchten Verbrecher, hat aber dennoch Hunderte Anhänger.

Und einer davon lebte offenbar seit Jahren in einer Mietwohnung mitten in der Leopoldstadt: Satwinder S., 27 Jahre, verheiratet, ein unauffälliger Asylwerber, wie es in Wien eben viele gibt. Einzig die Schriftzeichen an der Türe könnten auf einen radikalen Hintergrund hinweisen. Denn über Jahre hinweg dürfte sich der junge Mann – für ihn gilt die Unschuldsvermutung – mit sechs anderen KFZ-Anhängern in Ottakring getroffen haben.

Sitzen die Attentäter Haft in Österreich ab?
Bis auf den schwer verletzten Jaspal S. (38) sitzen mittlerweile alle in der Justizanstalt. Und auch ihre Haftstrafe dürften die Männer – aufgrund des fehlenden Rechtsabkommens – in Österreich antreten. Unter den sechs Verdächtigen - über alle wurde U-Haft verhängt - gilt Jaspal S., der selbst einen Kopfschuss erlitt und vorläufig nicht einvernommen werden kann, da er sich im künstlichen Tiefschlaf befindet, als mutmaßlicher Haupttäter.

Zwei Verdächtige illegal in Österreich
Die mutmaßlichen Attentäter stammen laut Angaben der Polizei direkt aus dem Punjab in Indien oder benachbarten Bundesstaaten im Norden des Landes. Die 24- bis 45-Jährigen seien nicht miteinander verwandt, polizeilich lag gegen sie bisher nichts vor, so Polizeisprecher Michael Takacs am Donnerstag. Zwei der Männer halten sich seit 2001 bzw. 2008 illegal in Österreich auf, die restlichen vier stellten Asylanträge.

Die Männer hätten mehrere Identitäten angegeben, endgültig identifiziert worden konnten sie daher erst vier Tage nach dem Schuss-Attentat.

"Alarmstufe Rot" bei Guru-Demo in Meidling
Kein Ende nehmen indes auch die Ausschreitungen im Punjab. Deshalb gilt auch für eine Guru-Demo am 7. Juni in Meidling für die Polizei "Alarmstufe Rot".

Verletzter Guru auf Weg der Besserung
Der durch Schüsse schwer verletzte Prediger Sant Niranjan Dass befindet sich laut Polizeisprecher Takacs weiterhin auf dem Weg der Besserung. Er liegt streng bewacht in einem Wiener Krankenhaus.

von Gregor Brandl, Michael Pommer, Christoph Budin und Klemens Groh (Kronen Zeitung) und krone.at
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