So, 19. November 2017

Printer-Spionage

27.05.2009 15:46

Nadeldrucker können abgehört werden

Die eigentlich fast ausschließlich nur noch in Arztpraxen und Banken eingesetzten Nadeldrucker stellen laut einer Untersuchung der Universität des Saarlandes ein Sicherheitsrisiko dar. Es reiche ein Mikrofon am Drucker, um aus den aufgenommen Geräuschen die gedruckten Texte weitgehend rekonstruieren zu können. Der Inhalt von Arztrezepten oder Bankunterlagen könne so entschlüsselt werden, behaupten die Wissenschafter. Derzeit sei die Technik mit ziemlicher Sicherheit noch nirgends in Verwendung, beruhigen sie.

Um die Nadeldrucker im Laufe der Untersuchung zur Preisgabe ihrer Geheimnisse zu bewegen, mussten die Experten des Lehrstuhls für Kryptographie und Informationssicherheit allerdings einige Vorarbeiten leisten. Sie ließen die Geräte zuerst ein Wörterbuch drucken und trainierten eine Software dann darauf, den einzelnen Wörtern charakteristische Tonmuster zuzuweisen. Außerdem mussten sie simulierte Störgeräusche - wie sie zum Beispiel Gesprächen in einer Arztpraxis entsprechen - herausfiltern.

Nach dieser Prozedur gelang es ihnen immerhin, über 70 Prozent der gedruckten Wörter zu erkennen und damit die meisten Inhalte zu verstehen. Auch einzelne Zahlen wie etwa Geheimnummern von Konten könnten auf diese Weise mit erstaunlich hoher Trefferquote erkundet worden, betonen die Forscher.

In einem - natürlich abgesprochenen - Praxistest stellten die Experten ihr Programm in einer Arztpraxis auf die Probe und nahmen bei laufendem Betrieb verschiedene Rezeptausdrucke auf. Nach sechs Trainingsrunden sei es beim siebenten Rezept gelungen, das verschriebene Medikament rein über die Druckergeräusche zu identifizieren.

Der Leiter der Forschergruppe, Michael Backes, geht allerdings nicht davon aus, dass die ungewöhnliche Spionagemethode in der Praxis bereits angewendet wird. Den Informatikern geht es nach eigenen Angaben darum, neue Sicherheitslücken frühzeitig aufzudecken und auf mögliche Gefahren hinzuweisen.

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