Mi, 17. Jänner 2018

Kindesmisshandlung

27.05.2009 12:43

Prozess in Graz endet mit Freispruch

Mit einem Freispruch endete in Graz ein Verfahren wegen Kindesmisshandlung. Eine Steirerin und ihr türkischer Ehemann mussten sich am Mittwoch vor Gericht verantworten, weil sie ihren 16-jährigen Sohn und ihre 13-jährige Tochter geschlagen, schlecht ernährt und hygienisch vernachlässigt haben sollen. Doch eindeutige Beweise dafür gab es nicht.

Die 42-jährige Steirerin ist in zweiter Ehe mit dem 44-jährigen Türken verheiratet. Das 13-jährige Mädchen und der 16-jährige Bub stammen aus der ersten Ehe. Die Anzeige, so vermutet das Pärchen, gehe auf eine Intrige des Ex-Mannes zurück.

Laut Anklage soll das Paar die Kinder unter anderem mit einem Kochlöffel geschlagen und in ein kleines Zimmer gesperrt haben. Außerdem gingen die beiden nachweislich oft monatelang nicht zur Schule. Weiters fielen sie durch ihr ungepflegtes Äußeres auf.

"Das ist eine Verschwörung gegen mich"
"Ich habe meine Kinder nicht vernachlässigt, das stimmt alles nicht", so die Beschuldigte mit Nachdruck. Sie sei auch mit ihrem Sohn, der unter einer Herzkrankheit leidet, regelmäßig beim Arzt gewesen. Seitens der Jugendwohlfahrt hatte man aber bei beiden Kindern "Entwicklungsdefizite" festgestellt, die auf eine mangelnde Betreuung zurückzuführen sein könnten.

"Warum war eigentlich eine Sozialarbeiterin bei ihnen zu Hause?", wollte die Staatsanwältin vom Stiefvater wissen. "Das kann ich nicht sagen", meinte der Angeklagte. Tatsächlich hatte die Mutter der Beschuldigten das Jugendamt eingeschaltet. "Das war eine abgekartete Sache mit dem Vater der Kinder", so die Mutter. Dieser wollte, so die Frau, nur das Sorgerecht, das er mittlerweile auch - zumindest vorläufig - bekommen hat.

Arzt stellte Spuren von Schlägen mitfest
Die Sozialarbeiterin will von Misshandlungen, hygienischen Mängeln oder schlechter Ernährung nichts bemerkt haben. "Die Zusammenarbeit mit der Mutter war nicht immer leicht", meinte sie nur. Von Misshandlungen "höre ich heute zum ersten Mal", so die Zeugin. Im LKH Wagna wurden aber im vergangenen Sommer sehr wohl Spuren von Schlägen festgestellt. Dadurch war es auch zu einer Anzeige und in weiterer Folge zu einer Übertragung des Sorgerechts an den Vater gekommen. Dem Richter, der zunächst wegen Einholung eines medizinischen Gutachtens eine Vertagung angekündigt hatte, war die gesamte Beweislage zu dünn. Er sprach das Ehepaar frei. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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