Di, 24. April 2018

Konsolen-Sport

22.05.2009 17:55

EA Sports Active

Die Zeiten, in denen man als Gamer noch genüsslich ganze Abende faul auf der Couch verbringen konnte, scheinen gezählt. Nach Nintendos "Wii Fit" schickt sich nun auch Publisher Electronic Arts an, die träge Spielerschaft zu mehr Bewegung zu motivieren und ins Schwitzen zu bringen. Mit Thera-Band und Beingurt sollen unter Anleitung des virtuellen Personal Trainers in "EA Sports Active" die Kilos purzeln. Ob es funktioniert – krone.at verrät es dir.

Um Waschbrettbauch und/oder Bikini-Figur samt Knack-Popo ein Stückchen näher zu kommen, muss zuallererst jedoch ein eigenes Profil angelegt werden. Hat man die Nintendo-Konsole mit Angaben zu Alter, Größe und Gewicht gefüttert,  darf schließlich noch ein Alter Ego gewählt und optisch den eigenen Idealvorstellungen angepasst werden, ehe der wahlweise männliche oder weibliche Trainer zur bevorzugten Musik – von Rock über Urban bis Electro - zum ersten Workout bittet.

Jedes Workout kann in drei unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden absolviert werden und zielt während seiner 20- bis 30-minütigen Dauer auf bestimmte Körperbereiche oder den Herzkreislauf ab. Die einzelnen Übungen können entweder den persönlichen Vorlieben entsprechend zu einzelnen Trainingseinheiten zusammengestellt oder als Gesamtpaket im "30-Tage-Herausforderung"-Modus absolviert werden. In diesem Karriere-Modus ist jedes Workout anders als das vorherige und nimmt an Intensität zu, weshalb Spieleinsteiger und Untrainierte hier zuerst vorbeischauen sollten.

Angst, etwas falsch zu machen oder motorisch überfordert zu werden, braucht man glücklicherweise nicht zu haben. Vor jeder Übung erklärt der persönliche Drill Instructor per Video die einzelnen Bewegungsabläufe – ein großer Vorteil gegenüber den eher schematischen Anleitungen in Nintendos "Wii Fit". Der wohl wesentlichste Unterschied zur Nintendo-Konkurrenz ist jedoch das beiliegende Zubehör: Ein Beingurt bietet während vieler Übungen Platz für das Nunchuk und misst so, etwa beim Joggen, wie brav der Spieler seine Fersen hebt, während ein Thera-Trainingsband die Intensität von Übungen wie Bizeps-Curls und Schulterdrücken erhöht.

Die Handhabung ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig – Wii-Mote, Nunchuck und Gummiband wollen schließlich erst einmal allesamt in der Hand gehalten werden und auch der Beingurt kommt, nicht ausreichend festgezurrt, gerne ins Rutschen -, geht aber bereits nach wenigen Übungen ins Blut über. Wer "Wii Fit" bereits sein Eigen nennt, kann das Equipment noch zusätzlich um das nintendo'sche Balance Board erweitern, um dann beispielsweise beim virtuellen Prügeln auf einen Sandsack auch die Knie zum Einsatz zu bringen.

Ins Schwitzen kommt man allerdings auch ohne Balance Board binnen kürzester Zeit. Beklagen will man sich darüber aber nicht, denn ob beim Inline-Skaten, Tennisspielen, Cardio-Boxen oder etwa Volleyball: Der virtuelle Personal Trainer spornt konsequent zu weiteren Höchstleistungen an. Originell sind die Bravos, Supers und Nur-weiter-Sos zwar nicht, ihre Wirkung scheinen sie aber nicht zu verfehlen. Das ist umso wichtiger als man vielleicht glauben mag, da "EA Sports Active" im Vergleich zu "Wii Fit" recht bierernst daherkommt: Mini-Spiele gibt es zwar da wie dort, doch beim EA-Spiel geht Schwitzen eindeutig vor spielerischem Spaß.

Die Technik scheint dabei relativ exakt anzusprechen, wenngleich es zwischendurch immer wieder Momente gibt, in denen man meint, alles richtig zu machen, das Spiel aufgrund vermeintlich mangelhafter Durchführung jedoch pausiert. Wer gerade schwitzt, hat gegen eine Zwangspause meist aber nichts einzuwenden und findet dann ausreichend Gelegenheit, sämtliche Bewegungsabläufe noch einmal zu überprüfen. Vielleicht hat man ja doch eine Kleinigkeit übersehen.

Egal wie: Am Ende eines jeden Workouts fließen alle Patzer in eine Bewertung mit ein. Da man den Spieler positiv zu unterstützen versucht, hält sich die negative Kritik jedoch stark in Grenzen. Es soll ja schließlich vorangehen. Eine virtuelle Auszeichnung und die Anzeige der während des Workouts verbrannten Kalorien unterstreichen diese Intention und motivieren zusätzlich. Noch leichter motivieren kann man sich natürlich zu zweit, weshalb "EA Sports Active" praktischerweise auch einen Zwei-Spieler-Modus via Splitscreen bietet.

In Sachen Präsentation kann der Titel durchaus überzeugen. Klare Strukturen und insbesondere die einführenden Videos vor jeder Übung erleichtern einen schnellen Einstieg. Die einzelnen Mini-Spiele und Übungen sind nett inszeniert, aber letzten Endes wie bei "Wii Fit" eher optisches Beiwerk. Der Unterschied jedoch ist, dass man bei EA auf eine erwachsene Präsentation setzt, während Nintendo sich bei den Mini-Spielen eher kindlich gibt. Welchem Stil man nun den Vorzug gibt, bleibt eine Frage des Geschmacks. Sehr gut gefallen hat jedoch, dass beim Titel aus dem Hause EA die Bewegungen in Echtzeit auf das virtuelle Alter Ego übertragen werden.

Fazit: "EA Sports Active" hat wie "Wii Fit" auch mit einem Grundproblem zu kämpfen: Wer sich nicht aufraffen kann zu sporteln, dreht die Konsole auch erst gar nicht an. Wer einen festen Willen hat, ist hingegen auf "EA Sports Active" nicht angewiesen – sämtliche Übungen lassen sich auch wunderbar ohne Spiel ausüben. An wen richtet sich der Titel also? Vornehmlich an jene Personen, die gerne mehr Sport betreiben wollen, dabei jedoch auch gerne zu Durchhängern neigen und deshalb einen Tritt in den Allerwertesten – hier durch Unterstützung in Form des virtuellen Trainers – benötigen. Seinen Zweck, ordentlich ins Schwitzen zu geraten und dabei noch durchaus Spaß zu haben, verfehlt "EA Sports Active" jedenfalls nicht, auch wenn es gerade im Sommer ein wenig affig wirkt, vor dem Fernseher im Wohnzimmer zu joggen.

Plattform: Wii
Publisher: Electronic Arts
krone.at-Wertung: 8/10


von Sebastian Räuchle

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