Do, 18. Jänner 2018

Baller-Baller

22.05.2009 08:41

Wanted: Weapons of Fate

Über ein halbes Jahr, nachdem sich James McAvoy und Angelina Jolie in Timur Bekmambetovs Actionstreifen "Wanted" über die Leinwand ballerten, können Gamer in "Wanted: Weapons of Fate" die Geschichte um die geheimnisvolle Auftragskiller-Bruderschaft fortspinnen. Auf Angelina muss dabei zwar verzichtet werden, aufregend – sowohl im positiven wie im negativen Sinne - geht es dennoch zur Sache.

Der Third-Person-Shooter aus dem Hause Warner Bros. Interactive Entertainment steigt dort ein, wo der Film endet. Nachdem Wesley Gibson – einst Verwaltungssachbearbeiter, jetzt Profi-Killer – alles in Grund und Boden geschossen hat, macht er sich auf, den Tod seiner Mutter zu rächen. Wer die Gute auf dem Gewissen hat, ist allerdings nicht klar, und so springt die Geschichte zwischen Gegenwart und Vergangenheit, wobei der Spieler in dieser die Rolle von Wesleys Vater Cross übernimmt.

Unterschiede im Handling der beiden gibt es allerdings nicht: Mit Hilfe der Schultertasten wird gezielt und geschossen, während mittels Button nachgeladen und ähnlich dem Deckungssystem von "Gears of War" von einer Deckung zur nächsten gehechtet wird. Für Letztere ist dank Kisten, Fässern und anderen Hindernissen reichlich gesorgt, da Wesley und seinem Vater ohne den nötigen Schutz schnell das letzte Stündlein schlagen würde - sichtbar am sich rot färbenden Bildschirm.

Da sich auch die Widersacher zu verstecken wissen, dürfen die aus dem Film bekannten Kurvenkugeln freilich nicht fehlen: Dafür wird unter Zuhilfenahme des Analogsticks eine Flugbahn gesucht, auf der das Projektil ungehindert zum Feind durchdringen kann. Färbt sich die beschriebene Flugbahn von rot auf weiß, darf abgedrückt werden. Nach ein wenig Eingewöhnungszeit lassen sich so bald vermeintlich geschützt hinter Mauern, Balkonsimsen und anderen Hindernissen lauernde Feinde ausschalten.

Um eine Kurvenkugel abfeuern zu können, bedarf es allerdings eines gewissen Vorrats an Adrenalin, dessen Produktion durch einen konventionellen Treffer angeregt wird. Schießt man dann eine Kurvenkugel ab und verfehlt sein Ziel, ist das Adrenalin wieder futsch. Trifft man hingegen, bleibt der Hormonlevel konstant, so dass geübte Schützen nahezu ohne Unterlass Kurvenkugeln verschießen können. Das Adrenalin lässt sich jedoch auch sammeln und dazu nutzen, die Zeit zu verlangsamen, was insbesondere bei den Boss-Kämpfen am Ende eines jeden Levels von Vorteil ist.

Von diesen anfangs durchaus unterhaltsamen Features einmal abgesehen, hat "Wanted: Weapons of Fate" leider jedoch nicht viel zu bieten. Bis auf kurze Rail-Sequenzen, in denen es der Kamerafahrt zu folgen und nach und nach auftauchende Gegner auszuschalten gilt, sowie eher frustrierende Abschnitte, in denen Scharfschützen- oder Maschinengewehr zu bedienen sind, ballert man sich durch die zunehmend vernachlässigbare Story. Gilt es zwischendurch noch dramaturgisch durchaus eindrucksvoll inszenierte Szenen wie die Schießerei an Bord eines Flugzeugs zu meistern, wird gerade gegen Ende deutlich, dass den Entwicklern die Ideen ausgegangen sind. Die "Krönung" ist der Weg zum Showdown auf der Spitze eines Glockenturms, der über etliche, gleich aufgebaute Stockwerke führt.

Geradezu lachhaft ist in diesem Zusammenhang, dass der Schwierigkeitsgrad auf den letzten Metern exorbitant ansteigt. Gleichen die ersten Stunden des Spiels dank dümmlicher Gegner-KI noch einem Spaziergang, brauchen einige Gegner zum Schluss 20 Kugeln und mehr, ehe sie das Zeitliche segnen. Intelligenter agieren tun sie aber trotzdem nicht.

Auch die optische Präsentation des Spiels schwankt zwischen großartigen und eher durchschnittlichen Momenten. Vor allem bei den gerenderten Zwischensequenzen gibt es große Qualitätsunterschiede, aber auch die Levels unterscheiden sich in punkto Detailvielfalt stark voneinander. Insgesamt sind die verschiedenen Schauplätze aber recht abwechslungsreich gestaltet worden: Neben diversen Abstechern in das Chicagoer Clubhaus der Bruderschaft und dem bereits erwähnten Flugzeug-Abenteuer geht es durch französische Altstädte und Großraumbüros oder etwa mit der Seilbahn in die Pyrenäen, ehe eine französische Kathedrale den Rahmen für das große Finale bildet. Untermalt wird das Ganze von netten Soundeffekten, einer guten Synchronisation und zumeist rockigen, sich jedoch sehr bald wiederholenden Klängen.

Hat man nach gerade einmal vier bis sechs Stunden alles gesehen, dürfen während des Spiels eingesammelte Extras wie Konzeptzeichnungen begutachtet werden. Auch einige freigespielte Charaktere stehen nach dem ersten Durchlauf zur Auswahl, da sie sich jedoch genauso steuern lassen wie Wesley und Cross, tragen sie nicht zur Erhöhung des Wiederspielwerts bei. Gleiches gilt auch für den "Headshot"-Modus, dessen einziger Unterschied zum normalen Story-Modus darin besteht, dass sämtliche Gegner mittels Kopfschuss zu erledigen sind. Nicht zuletzt auch deshalb dürfte das Spiel keine Jugendfreigabe erhalten haben.

Fazit: "Wanted: Weapons of Fate" bietet gute Ansätze, verspielt sein Potenzial trotz kurzer Spielzeit jedoch schnell und bietet dann nahezu überhaupt keine Abwechslung mehr. Einiger guter Momente zum Trotz gelingt es dem Spiel daher nicht, auch längerfristig zu begeistern.

Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360, PC
Publisher: Warner Bros.
krone.at-Wertung: 7/10


von Sebastian Räuchle

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