Do, 26. April 2018

Fall Luca

18.05.2009 17:47

Ex-Freund der Mutter weist jede Schuld von sich

Im Innsbrucker Prozess gegen die leibliche Mutter des zu Tode misshandelten Kleinkindes Luca und eine Sozialarbeiterin hat am dritten Verhandlungstag die mit Spannung erwartete Einvernahme des Ex-Lebensgefährten der Tirolerin stattgefunden. Der Mann war im vergangenen Jahr wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen mit Todesfolge nicht rechtskräftig zu lebenslanger Haft und zur Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Straftäter verurteilt worden. Am Montag wies er vor Gericht einmal mehr jede Schuld von sich.

Der Mann wurde am Montag gleich von sechs Justizwachebeamten in den Gerichtssaal begleitet. Die 24-jährige Angeklagte hatte zuvor den Gerichtssaal verlassen. Der Niederösterreicher sagte ruhig und emotionslos aus und bestritt neuerlich die Tat. Weder den linken Unterarmbruch von Luca noch die blauen Flecken und die Serienrippenbrüche könne er sich erklären. Er habe damit nichts zu tun. "Zwei- bis dreimal habe ich sie (die Kindesmutter, Anm.) aufgefordert, mit Luca zum Arzt zu gehen", sagte der 25-Jährige. Diese habe gemeint, dass das Kind eine Blutgerinnungsstörung habe und sich das "bald klären werde".

Zudem habe seine ehemalige Lebensgefährtin, die sich bereits am ersten Verhandlungstag "nicht schuldig" bekannt hatte (siehe Story in der Infobox) gesagt, "wenn der Luca einmal weg ist, wolle sie sofort ein neues Baby". Deuten habe er die Aussage nicht können. Auf die Frage des Richters, ob er den Buben sexuell missbraucht habe, sagte der Verurteilte "nein". Er sei mit den zwei Kindern kaum allein gewesen.

Wollte Ex-Freundin "in Schutz nehmen"
"Ich wollte sie (Angeklagte, Anm.) entlasten", führte der Niederösterreicher aus. Deshalb habe er angegeben, dass Luca ihm runtergefallen sei. Er habe seine ehemalige Lebensgefährtin "in Schutz nehmen wollen", ihm "habe sowieso von Anfang an niemand geglaubt". Er sei auch in der Vergangenheit mit zwei Frauen mit Kindern zusammen gewesen und es habe keine Vorfälle gegeben, erklärte der 25-Jährige.

Erst während seiner Untersuchungshaft habe er erstmals über den Verdacht des sexuellen Missbrauchs erfahren. Menschen, die so was tun, "seien krank und gehörten bis zum Tag ihres Todes weggesperrt", meinte er auf die Frage des Richters. Mit gesenktem Kopf verfolgte der Vater von Luca die Einvernahme des Verurteilten.

Im vergangenen September war der damals 24-jährige ehemalige Lebensgefährte der Kindesmutter - nicht rechtskräftig - zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verurteilt worden (siehe Story in der Infobox). Nach einem zweitägigen Prozess hatten die Geschworenen am Landesgericht Korneuburg den Mann einstimmig des schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen mit Todesfolge für schuldig befunden. Der Niederösterreicher legte Nichtigkeit und Berufung ein.

Jugendwohlfahrt-Chefin verteidigt Ex-Kollegin
Im Prozess gegen Lucas Mutter und eine Sozialarbeiterin gab es auch am dritten Tag großes Medieninteresse. Den Auftakt bildete am Montag die Einvernahme der Leiterin der Jugendwohlfahrt. Sie wies die Vorwürfe gegen die angeklagte ehemalige Mitarbeiterin zurück. Sie verwies auf die Rolle der Mediziner und Kinderschutzgruppen. Hätte der Befund bei Lucas Verletzungen auf einen Verdacht der schweren Kindesmisshandlung hingewiesen, hätte man das Kind aus der Familie genommen, meinte sie. Die Jugendwohlfahrtsträger seien nicht anzeigepflichtig. Sie seien dazu da, Familien zu erhalten und zu unterstützen.

Urteil für 25. Mai erwartet
Für den 25. Mai sind die Schlussplädoyers sowie die Urteile geplant, sagte Richter Andreas Mair.

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