Mi, 17. Jänner 2018

Halali!

19.05.2009 14:03

Cabela's Dangerous Adventures

"Halali" und "Waidmanns Heil" heißt es, wenn Activision den Spieler mit "Cabela's Dangerous Adventures" auf die virtuelle Großwildjagd schickt – sehr zum Leidwesen von Löwe, Grizzly und Co., die dem Jäger nach und nach vor den Lauf springen. Es sei denn, die Verhältnisse ändern sich urplötzlich. Dann nämlich wird der Jäger zum Gejagten…

Dies wiederum geschieht in "Cabela's Dangeous Adventures" weit öfter als man glauben mag. Denn während es im 2006er-Ableger "Alaskan Adventure" noch recht beschaulich zur Sache ging und die Tiere auch eine gewisse Scheu an den Tag legten, scheint nun der tierische Ausnahmezustand zu herrschen. Vom kleinen Piranha über Hyänen und Löwen bis hin zu großen Bären, Wölfen und Elchen scheint fast alles nach dem Leben des Waidmannes zu trachten. Ja sogar die Bienen haben es im Dschungel Ecuadors auf den Spieler abgesehen. Wenn man nicht gerade selbst den Kopf zwischen zwei Pranken stecken hat, gilt es andere Menschen aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Ganze Camps werden da von Horden wilder Löwen heimgesucht, Grizzlys stürzen sich auf von Lawinen verschüttete Ranger und Boas sind drauf und dran, ein paar im Baum hängende Überlebende eines Flugzeugabsturzes ein bisschen zu würgen.

Der geneigte Leser wird bereits gemerkt haben, dass Tiere und Länder wild durcheinander gewürfelt sind. "Cabela's Dangerous Adventures" konzentriert sich nicht mehr wie einige seiner Vorgängertitel auf ein bestimmtes Land bzw. Jagdgebiet, sondern wechselt munter zwischen den Kontinenten. Eben noch schwitzen in Tansania, dann frieren in Alaska. Eine zusammenhängende Geschichte gibt es nicht, vielmehr werden in sich abgeschlossene Episoden geboten – Adventures, also Abenteuer eben, in denen sich Protagonist Flint Abrahams auf die Suche nach seinem goldenen Schuss begibt.

Stets mit im Gepäck: ein Groß- und ein Kleinkalibergewehr, eine Handfeuerwaffe sowie nützliches Zubehör, beispielsweise Lockrufe, Köder oder ein Duftspray, um der Nase des Löwen nicht unangenehm aufzufallen. Flints wichtigste Waffe ist jedoch sein Jagdinstinkt, der ihn auf Knopfdruck die Umgebung intensiver wahrnehmen lässt und alles was kreucht und fleucht farblich hervorhebt. Da die Tiere aber offenbar ebenfalls über einen sehr guten Jagdinstinkt verfügen, kommt es immer wieder zu Nahkämpfen. Diese kurbeln im Jägersmann die Adrenalin-Produktion an, was eine gesteigerte Reaktionsfähigkeit zur Folge hat: Ein Knopfdruck genügt, und schon bewegt sich alles in Zeitlupe. Oftmals müssen Nahkämpfe jedoch auch in Form von Quick-Time-Events gemeistert werden, bei denen Flint den tierischen Klauen, Hufen, Hörnern und Geweihen ausweichen muss. Die Herausforderung hält sich dabei jedoch in Grenzen.

Wenn zum Schluss eines jeden Abenteuers auch das letzte Boss-Tier sein Schrot abgekommen hat, darf zwischen den Levels mit den erspielten Punkten die eigene Ausrüstung verbessert werden. Rückstoß, Munitionskapazität oder auch die Ladezeit lassen sich so beispielsweise verändern, zudem darf in Zielfernrohre oder Stative investiert werden. Mit jeder erfolgreichen Jagd werden außerdem Bonus-Missionen freigeschaltet, in denen es meist darum geht, innerhalb einer vorgegebenen Zeit so viele Tiere wie möglich oder ein ganz bestimmtes Exemplar zu erlegen. Im ebenfalls verfügbaren Action-Modus wird das Konzept der angriffslustigen Tiere schließlich auf die Spitze getrieben – hier geht es ausschließlich darum, heranstürmende Tiere zur Strecke zu bringen.

Für einen reinrassigen Shooter bietet "Cabela's Dangerous Adventures" jedoch zu wenig Action, und auch die Optik kann nicht mit der Konkurrenz mithalten. Tier und Mensch wirken etwas kantig und bewegen sich auch so, während das Drumherum – Wälder, Wiesen und Co – vergleichsweise detailarm wirkt. Besonders störend fiel jedoch auf, dass sich die freie Wildbahn als streng eingezäuntes Biotop entpuppte. Konnte man in der Wüste Tansanias noch frei herumspazieren, stößt man bald darauf in den Wäldern Alaskas und dem Dschungel Ecuadors auf unsichtbare Grenzen noch und nöcher: Die vermeintlich offene Spielwelt führt streng linear zum nächsten Abschuss. Eigentlich schade, denn durch den Wechsel von Ländern und Klimazonen wäre zumindest optisch für Abwechslung gesorgt. Am atmosphärischen Sound gibt es hingegen kaum etwas zu mäkeln – viel zu hören gibt es in der Wildnis allerdings naturgemäß eher selten.

Fazit: "Cabela's Dangerous Adventures" möchte am liebsten beides sein: Jagdsimulation und actionlastiger Shooter. So ganz geht dieses Konzept allerdings nicht auf: Für die realistische Jagdsimulation verhalten sich die Tiere viel zu aggressiv und angriffslustig, während es für den Shooter an Dynamik und echten Herausforderungen mangelt. In Kombination mit der nur durchschnittlichen Präsentation bleibt unterm Strich ein ebenso durchschnittliches Spiel mit guten, aber nicht fertig gedachten Ansätzen.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, PS2, Wii
Publisher: Activision
krone.at-Wertung: 6/10

von Sebastian Räuchle

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