Mi, 25. April 2018

Israel-Reise

15.05.2009 10:12

Papst feierte Messe vor 40.000 Gläubigen

Papst Benedikt XVI. hat vor den Toren des biblischen Ortes Nazareth in Galiläa mit mehr als 40.000 Christen die größte Messe seiner achttägigen Nahostreise gefeiert. Die Pilger aus aller Welt hatten sich am Donnerstag früh für die Messe mit dem Oberhaupt der Katholiken auf einem Berg versammelt, von dem nach biblischer Überlieferung der aus einer Synagoge vertriebene Jesus hinabgestoßen werden sollte. Die Besucher der Messe feierten Benedikt mit Slogans wie "Viva il Papa" und "So wie wir Johannes Paul II. liebten, so lieben wird auch dich".

In seiner Predigt ging der Papst auf Spannungen in der arabisch geprägten Stadt Nazareth ein, die in den vergangenen Jahren schädlich für die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen gewesen seien. "Ich dränge alle Menschen guten Willens in beiden Religionsgemeinschaften, den angerichteten Schaden auszubessern", sagte er. Alle sollten die zerstörerische Kraft von Hass und Vorurteil abwehren, "die die Seele des Menschen tötet, bevor sie seinen Körper tötet". Stattdessen müssten Brücken für ein friedliches Zusammenleben gebaut werden. Die Bevölkerung um Nazareth besteht zu 35 Prozent aus Christen, der höchste Anteil in Israel.

Bilder von der Papstmesse findest du in der Infobox!

Familie im Mittelpunkt
Das Kirchenoberhaupt würdigte ausführlich den Wert und die Rolle der Familie, die "erster Baustein einer wohlgeordneten und offenen Gesellschaft" sei. Die einst in Nazareth beheimatete Heilige Familie sei ein Vorbild für jedes christliche Familienleben, sagte Benedikt. Das gelte vor allem für die heutige Zeit, in der viele doch erst wieder neu lernen müssten, "dass die Familie nach Gottes Plan auf der lebenslangen Treue von Mann und Frau in einer geweihten Ehe beruht".

Der Staat hat Benedikt zufolge die Pflicht, die Familien zu unterstützen, wenn es um die Bildung der Kinder geht, die Institution Familie und ihre Rechte zu schützen sowie sicherzustellen, dass alle Familien unter würdevollen Bedingungen "leben und gedeihen" können. Mit der Rede in der Heimatstadt von Jesus, Maria und Josef beendete der Papst das von den Katholiken im Heiligen Land gefeierte Jahr der Familie.

Gläubige aus aller Herren Länder
Die Menschenmenge hatte sich am Donnerstag bereits in den frühen Morgenstunden auf den Weg zu dem Berg gemacht, von dem aus man über Galiläa blicken kann. Die Gläubigen kamen von mehreren Kontinenten, sie sangen Lieder und schwenkten die Flaggen ihrer Länder.

Etwa 8000 Sicherheitskräfte waren aufgeboten, um einen ungestörten Ablauf der Messe sicherzustellen und mögliche Demonstrationen gegen den Papst zu unterbinden. Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. hatte 2000 in der nordisraelischen Stadt ebenfalls eine Messe gefeiert.

Treffen mit Netanyahu
Am Nachmittag soll Benedikt im Franziskaner-Kloster von Nazareth mit Regierungschef Benjamin Netanyahu zusammentreffen. Zudem stand an diesem vorletzten Tag der einwöchigen Reise des Papstes ins Heilige Land ein Besuch der Verkündigungsgrotte und eine Vesper in der Oberkirche der Verkündigungsbasilika auf seinem Programm.

Papst für Palästinenserstaat
Am Mittwoch hatte sich der Papst in Bethlehem im Westjordanland nachdrücklich für einen palästinensischen Staat ausgesprochen, den die Regierung Netanyahu ablehnt. Der Vatikan unterstütze das Recht der Palästinenser auf einen souveränen Heimatstaat im Land ihrer Vorfahren und ein Leben in Frieden mit den Nachbarn, erklärte Benedikt bei einem Treffen mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas in Bethlehem. Am Freitag kehrt der Papst nach Rom zurück.

"Ich weiß, wie viel ihr gelitten habt"
Der Papst äußerte in allen seinen Reden in Bethlehem Solidarität mit den Palästinensern und deren Leid. "Ich weiß, wie viel ihr gelitten habt", sagte er bei der Begrüßungszeremonie vor dem Präsidentenpalast. "Mein Herz ist mit all den Familien, die ihr Zuhause verloren haben", sagte er über die palästinensischen Flüchtlinge. Das Leiden sei "eine Folge des Aufruhrs, der dieses Land seit Jahrzehnten heimsucht", wandte sich der Papst an die Palästinenser und erwähnte ausdrücklich den jüngsten Krieg in Gaza.

Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas dankte Benedikt für dessen Haltung und das Mitgefühl "für das Leiden unseres Volkes". Er rief zu einer Friedensvereinbarung mit Israel auf der Grundlage einer Zwei- Staaten-Lösung auf. An einer feierlichen Messe in Bethlehem nahmen Tausende Gläubige teil, darunter auch einige wenige aus dem Gazastreifen. Israel hatte nach eigenen Angaben für weniger als 100 Gläubige Passierscheine ausgestellt.

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