So, 19. November 2017

Linz09 subversiv

12.05.2009 13:54

Die Kulturhauptstadt geht in den Untergrund

Wie reagieren Menschen, wenn ihnen plötzlich eine Bauanleitung für eine Bombe in die Hände fällt? Kann man als Guerilla-Gärtner Samen des zivilen Ungehorsams säen? - Antworten auf Fragen wie diese bekommt man auf der "Subversiv-Messe" von 14. bis 17. Mai in der Hafenhalle in Linz. 50 Aktivistengruppen aus 22 Nationen stellen auf der "Fachmesse für Gegenkultur und Widerstandstechnologien" aus - "Linz Europäische Kulturhauptstadt 2009" geht in den Untergrund.

"Vor Subversion braucht niemand Angst zu haben", beruhigte Projektleiterin Barbara Pitschmann von der Künstlergruppe "Social Impact", die bereits für die fremdsprachigen Ortstafeln an den Stadträndern von Linz verantwortlich zeichnete, in einer Pressekonferenz mit Linz09-Intendant Martin Heller am Dienstag. Das Wort bedeute lediglich, das bestehende Machtgefüge anzugreifen und eine kritische Haltung gegenüber herrschenden Normen einzunehmen. Man wolle jungen Leuten einfach einen Anstoß geben, politisch aktiv zu sein.

Falsche Bomben-Baupläne
Der polnische Künstler Gregor Rozanski konfrontiert die Besucher mit - gefakten - Bauplänen für Handgranaten oder Rezepten für die Sprengstoff-Herstellung und wartet ab, ob sie bei der heutigen Informationsüberflutung überhaupt erkennen, was sie da in Händen halten und wie sie darauf reagieren. Ursprünglich aus England stammt eine recht subtile Methode des zivilen Ungehorsams: das "Guerilla-Gardening". Dabei sät man "illegal" Wildblumen im öffentlichen Raum. Wer einen stärkeren Nervenkitzel sucht, kann als Crash-Test-Dummy seine Risikobereitschaft trainieren.

Klassische Subversiv-Techniken
Auch ganz klassische Subversiv-Techniken sind vertreten: Die Kommunikationsguerilla gibt Tipps, wie man am besten die Rede eines Politikers stört. Über die Free SpeakerIn, eine lebensgroße weibliche Demonstranten-Puppe, darf man seine Meinung laut hinausposaunen: Mittels Handy kann man das Megafon in ihrer Hand anwählen. Eine geplante Brückenblockade musste von den Veranstaltern wieder abgesagt werden, weil sie terminlich mit dem Linz-Marathon kollidierte.

Reklame auf Euro-Banknoten
Die European Advertising Agency präsentiert ihr Konzept zur Sanierung von Staatshaushalten: Reklame auf Euro-Banknoten soll Werbeeinnahmen in die Kassen der Finanzminister spülen. Ebenfalls präsent auf der Messe ist "Österreichs größte Firma - 600.000 Arbeitslose", die Kundenbindung durch "Sinnloskurse und dequalifizierende Zwangsmaßnahmen" zu erzielen versucht. Hat man absichtlich seinen Brötchengeber geschädigt, darf man sich im anonymisierten "Lexikon der Sabotage" eintragen und verlässt die Messe als waschechtes subversives Element.

Unruhe im Vorfeld der Veranstaltung
Im Vorfeld der "Subversiv-Messe" hat bereits ein Piratensender, der Werbung für die Veranstaltung machte, Unruhe in Linz gestiftet: Da er auch das Programm von "Life Radio" überlagerte, erstattete dieses Anzeige. Laut Fernmeldebehörde wurde ein Sender auf dem Dach der Kunstuniversität gefunden, ermittelt werde gegen unbekannt. "Wir haben damit nichts zu tun", versicherte Pitschmann. Wer dahinter stecke, wisse sie nicht.

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