Mi, 25. April 2018

'Gekränkte Eitelkeit'

12.05.2009 10:45

Ex-Freundin im Parlament "vernadert"

"Beharrliche Verfolgung", also Stalking, lautet die Anklage gegen einen fast 70-jährigen Wiener, der die Trennung von einer Parlaments-Angestellten nicht verkraftete. Mehr als zehn Jahre war der Mann mit einer um 20 Jahre jüngeren Frau liiert. "Ich hab vier Millionen Schilling in sie investiert und dann wollte sie nimmer", jammerte er vor Gericht. "Sie sind doch nicht ihr Eigentümer", stellte Richterin Sonja Weis klar. "Nur ihr Pächter", konterte der Angeklagte.

Er wurde nach dem Stalking-Paragrafen schuldig erkannt und zu einer dreimonatige bedingten Freiheitsstrafe verurteilt, weil er - so die Urteilsbegründung - aus gekränkter männlicher Eitelkeit sich an der um etliches jüngeren Frau rächen wollte. "Sie haben Sie ganz hinterhältig verfolgt", konstatierte die Richterin, die dem Angeklagten auch noch die Weisung erteilte, zukünftig jeden Kontakt zu der Frau zu meiden, die als parlamentarische Mitarbeiterin im Hohen Haus tätig ist. Das Urteil ist rechtskräftig.

Anrufe im 30-Sekunden-Takt
Schon länger hatte die Frau versucht, die Beziehung zu beenden, was ihr allerdings erst im Vorjahr gelang. Ab diesem Zeitpunkt läutete mitunter im 30-Sekunden-Intervall ihr Mobiltelefon. Ihr ehemaliger Lebensgefährte wollte die Versöhnung erzwingen. Vollends den Bogen überspannte er, als er seine Ex eines Tages in Begleitung eines anderen Mannes in ihrem geparkten Auto sah, das er ihr geschenkt hatte. Er habe sie in flagranti mit dem Unbekannten "erwischt", betonte der 69-jährige in der Verhandlung: "Ich bin weggegangen, damit ich keinen Herzinfarkt bekomme."

Briefe an Parlamentsdirektion geschickt
Zu Hause setzte er sich allerdings an den PC und verfasste ein Schreiben an die Parlamentsdirektion, wo er sich unter fingiertem Namen über seine frühere Lebensgefährtin ausließ. Diese verletze "in gröblichster Weise Anstand und Sitte", indem sie "von einem Bett zum anderen flattert", hieß es etwa. Und weiter: Die Frau nütze den Fuhrpark des Parlaments für private Zwecke und mache "Regierungsautos zu fahrenden Bordellen".

"Nebenbei als Prostituierte tätig"
Damit nicht genug: Der 70-Jährige hinterlegte am Auto der Frau Zettel, in der es sie als "kleine Dirne" bezeichnete. Selbst nachdem diese Anzeige erstattet hatte und bereits ein Prozesstermin feststand, trudelten weitere Briefe im Hohen Haus ein, in einem Fall sogar an Parlamentspräsidentin Barbara Prammer. Die Mitarbeiterin sei nebenbei als Prostituierte tätig, behauptete der Verfasser.

"Ich hab' das nicht verkraftet, dass sie mein ganzes Geld verbraucht hat", sagte der Angeklagte. Das Opfer befindet sich in psychotherapeutischer Behandlung und nimmt Antidepressiva, "weil ich nicht mehr normal funktionieren kann. Egal, wo ich mich befinde, er ist immer da", wie sie im Zeugenstand darlegte.

Symbolbild

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