Mo, 23. April 2018

Thema in Graz

10.05.2009 12:28

Der Zehn-Meter-Joint

Tja, da habe ich mich ja ganz ordentlich verschätzt: Der provokante Riesen-Joint (Bild) vor dem altehrwürdigen Joanneum ragt nicht fünf, sondern gleich zehn Meter phallusartig in den Himmel. Das vermelden eilfertig die Organisatoren der 68er-Ausstellung "absolutely free" mit gewissem Stolz, nachdem ich vor ein paar Tagen die Sinnhaftigkeit einer derartigen Inszenierung bezweifelt hatte.

Und auch Kultur-Landesrat Kurt Flecker, der mit seiner 500.000-Euro-Förderung für dieses seltsame Festival den Kosenamen "Haschisch-Kurtl" redlich verdient hat, meldete sich zu Wort: Zensur gibt's keine - der Riesen-Joint bleibt! Anders war's auch nicht zu erwarten.

Dass Graz ein mittlerweile dramatisches Drogenproblem hat und dieser Joint mitten in der Stadt wahrlich ein fatales Signal darstellt - das ist Flecker aber sowas von wurscht!

Aber zurück zu den jungen Organisatoren, die mir eine ausführliche Stellungnahme zukommen ließen. Sie nennen sich übrigens "monochrom.at" und sehen sich als "Kollektiv für eine kritische Landschaftsarchitektur des kollektiven Weiterwurstelns", was immer das auch heißen soll. Zitat aus dieser Stellungnahme:

"Die Karriereverheerung der Woodstockgeneration zum besinnlichen Moment bürgerlicher Geschichtskonstitution bedarf jedenfalls dringend der phallischen Monumentalität in Form einer hoffentlich halbwegs umstrittenen Installation im öffentlichen Raum. Dieser hat sich einen 10-Meter-Joint ebenso gründlich verdient wie diejenige darum herum zu drapierende Mischpoche, auf die die Symbole missratener KifferInnen-Symbolpolitik eine magische Anziehungskraft ausüben."

Und jetzt bitte gleich noch einmal lesen; beim ersten Mal ist das nicht zu verstehen. Beim zweiten oder dritten Mal freilich auch nicht. Aber vielleicht bin ich ein Kultur-Banause.

Deswegen verstehe ich auch das Ende der ganzen Aussendung nicht, wo es dann heißt:

"Öffentlicher Raum für alle, die noch nicht mitgekriegt haben, dass es ihn gar nicht mehr gibt. Innenstädte zu semiotischen Abstellkammern! Schande für alle! Reclaim the shame! Obamaisiert, was euch obamaisiert!"

Ja, wenn das so ist, lieber Herr Flecker - das ist dann natürlich eine 500.000-Euro-Förderung wert!

Kommentar von "Steirerkrone"-Chefredakteur Christoph Biró

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