So, 21. Jänner 2018

Nach Amoklauf

08.05.2009 17:51

Deutsche Regierung will Kampfspiele verbieten

Als Konsequenz aus dem Amoklauf von Winnenden will die Große Koalition in Deutschland Kampfspiele verbieten und Kontrollen von Waffenbesitzern verschärfen. Die Innenexperten von Union und SPD haben sich mit Innenminister Wolfgang Schäuble auf eine umfassende Verschärfung des Waffenrechts verständigt, die noch im Mai in den Bundestag eingebracht werden soll. "Wir haben vernünftige Änderungen beschlossen, die einen Gewinn an Sicherheit bringen, ohne Sportschützen und Jäger über Gebühr zu reglementieren", sagte der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionschef Wolfgang Bosbach.

Der Amoklauf von Winnenden am 11. März hatte die Debatte über ein schärferes Waffenrecht neu entfacht. Der 17-jährige Täter hatte eine Pistole aus dem Schlafzimmer seines Vaters entwendet und damit 15 Menschen und anschließend sich selbst erschossen. Zu den jetzt beschlossenen Maßnahmen zählt ein Verbot von Kampfspielen wie Paintball, Gotcha und Laserdom. Dabei machen die Spieler mit Farbmunition, Luftdruckwaffen oder Farbmunition aufeinander Jagd. Verstöße gegen das Verbot sollen mit einem Bußgeld bis zu 5.000 Euro geahndet werden.

Strengeres Waffenrecht
Besitzer von Pistolen oder Revolvern sollen zudem verpflichtet werden, ihre Waffen so zu sichern, dass nur sie selbst damit schießen können. Geplant ist eine flächendeckende Einführung von Sperren, die nur per Fingerabdruck gelöst werden können. Das kann aber noch mehrere Jahre dauern, weil die Technik noch nicht ausgereift ist, wie Körper der Zeitung sagte.

Ein System zur Sicherung von Schusswaffen per Fingerabdruck ist bereits auf dem Markt. Dabei wird ein Kolben in den Lauf eingesetzt, der die Waffe unbrauchbar macht. Entsichert werden kann sie nur über die Abgabe des Fingerabdrucks auf einem kleinen elektronischen Gerät, das mit dem Kolben verbunden ist. Alternativ ist eine Entsperrung per PIN-Nummer möglich. Das System kostet etwa 200 Euro und soll bereits für fast alle Kaliber verfügbar sein.

Paintball in Österreich: Straches Lieblingsbeschäftigung
In Österreich ist Paintball auf eigens dafür eingerichteten und genehmigten Paintball-Sportanlagen nach wie vor erlaubt. Paintball - in Deutschland auch "Gotcha" genannt - ist Mitte der 80er-Jahre erstmals in Österreich gespielt worden. In die öffentliche Diskussion kam das Spiel in Österreich nicht zuletzt durch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Wiederholt waren umstrittene Fotos aufgetaucht, die ihn nach eigenen Angaben beim Paintball-Spielen zeigten.

Laut Philipp Fischer vom Hersteller "Maxs Paintball" konnte man die für das Spiel notwendigen "Markierer" im Jahr 1987 erstmals bei vereinzelten Waffenhändlern erstehen. Während die Ausrüstung heute in Fachgeschäften erhältlich ist, musste sie laut Fischer in den Anfängen noch aus dem "Mutterland" dieser Sportart, den USA, importiert oder im Waffengeschäft gekauft werden. Damals wurde das Spiel noch "Gotcha" (vom englischen "I 've got you") genannt und in Tarnkleidung im Wald gespielt. Gegenüber dieser ursprünglichen Variante findet das daraus entstandene Paintball meist in Hallen oder auf abgegrenzten Spielfeldern statt. Die Bekleidung wird nicht mehr in Tarn-, sondern in bunten Farben gehalten.

In Österreich soll es nach Schätzungen Tausende regelmäßige Paintball-Spieler geben. Es gibt mehrere Bundes- und Landesverbände, seit der Saison 1997/98 wird auch in einer eigenen Liga gespielt. Beim Paintball spielen zwei Mannschaften gegeneinander und versuchen, die Fahne der Gegner zu erobern. "Fahnenräuber" werden mittels waffenartigen "Markierern" mit Farbkugeln beschossen. Wer getroffen wird, scheidet aus.

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