Sa, 20. Jänner 2018

"Hölle brach los"

09.05.2009 15:31

Flammenhölle zwingt Promis zur Flucht

"Vergangene Nacht brach die Hölle los!", beschreibt Andy Dimizio, Feuerwehrchef von Santa Barbara, die Situation im kalifornischen Flammeninferno. Seit Tagen wütet nun bereits das Großfeuer im Küstengebiet um die Stadt Santa Barbara. Zahlreiche Prominente, darunter auch Talkmasterin Oprah Winfrey, mussten aus ihren Häusern vor den Flammen fliehen. Und die Feuerwehr bekommt die Brände auch weiterhin nicht in den Griff: Bis Freitagabend (Ortszeit) verdoppelte sich das Ausmaß der Brände. Neben den 30.500 Menschen, die bereits ihre Häuser verlassen mussten, sollen sich weitere 23.000 Anwohner auf ihre Evakuierung vorbereiten. Insgesamt wurden bisher 3.500 Hektar Land zerstört.

Nach Angaben Dimizios ist inzwischen der ganze Ort von den Bränden betroffen. Wer sein Haus nicht verlassen musste, habe weniger Glückliche bei sich aufgenommen, sagte er. Laut den Medien musste auch TV-Talkmasterin Oprah Winfrey am Freitag ihre Koffer packen und ihre 50 Millionen Dollar teure Villa in Montecito verlassen. Unter den Flüchtlingen befindet sich auch das Model Kathy Ireland. Sie teilte via Twitter mit, dass sie ihr Haus verlassen musste und nun eine Unterkunft suche.

"Hölle brach los"
Trotz des Einsatzes von 3.500 Feuerwehrkräften waren bis Freitagabend erst zehn Prozent der Brände eingedämmt. 80 Häuser wurden bisher Raub der Flammen, 3.500 Hektar Land verwüstet. Vielen Brandbekämpfern steckte noch die vorherige Nacht in den Knochen, als die Flammen zeitweise völlig außer Kontrolle gerieten und auf das Zentrum von Santa Barbara zurasten. "Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals dieses Klischee benutzen würde, aber vergangene Nacht brach die Hölle los", sagte Feuerwehrchef Dimizio.

Keine Entwarnung
Trotz der günstigeren Wetterbedingungen wollte Bezirks-Feuerwehrchef Tom Franklin keine Entwarnung geben: "So unvorhersehbar das Wetter ist, so unvorhersehbar ist auch das Feuer," sagte er. Er drängte die Bewohner von gefährdeten Häusern, den Evakuierungsaufforderungen zügig zu folgen.

Die Kalifornier sind an Waldbrände gewöhnt. Ungewöhnlich trockene Winter und der Immobilienboom der vergangenen Jahre verschärften jedoch das Problem: Wohngebiete breiteten sich immer tiefer ins Buschland aus, Neubauten wurden gefährlich nahe an den Trockenwäldern errichtet und sind nun regelmäßig von den Bränden bedroht.

Anwohner haben Angst
Selbst hartgesottene Einwohner scheinen inzwischen ihren Gleichmut zu verlieren. "Ich bin Kalifornierin und seit meiner Kindheit an Erdbeben und Brände gewöhnt. Das ist halt der Preis dafür, dass wir hier leben", sagte Bettina Johnson, die in der Sporthalle der Universität von Kalifornien Aufnahme gefunden hat. "Doch wenn die Flammen auf dein Haus zurasen, bekommst du es trotzdem mit der Angst zu tun. In einem Moment schaute ich aus dem Fenster in den blauen Himmel. Und im nächsten Moment blickte ich in eine dicke braune Rauchwolke." Johnsons 72-jährige Bettnachbarin Mary Campbell überlegt umzuziehen: "Ich musste schon im vergangenen Jahr mein Haus verlassen. Zuviel ist zuviel. Das ist es einfach nicht wert", sagte sie.

"Berg sieht aus wie Inferno"
"Es ist verrückt. Der ganze Berg sieht aus wie ein Inferno", erklärte Maria Martinez, die schnell ihr Haus in San Marcos Pass am Rande von Santa Barbara verlassen musste. Zusammen mit ihrem Verlobten fand auch die 50-Jährige ein Notquartier im Evakuierungszentrum auf dem Gelände der Universität von Kalifornien in Santa Barbara.

Die meisten Menschen folgten dem Aufruf der Behörden zur Evakuierung, nur einige Anrainer weigerten sich, ihre Häuser zu verlassen. Jim McMullin zum Beispiel harrte in seinem Holzhaus aus und schützte es mit Wasserschläuchen vor den Flammen. "Es war wirklich unheimlich, das würde ich nicht noch einmal tun", sagte der Kalifornier der "Los Angeles Times". Sein Haus überstand das Feuer, aber mehrere Gebäude in der Nachbarschaft brannten ab.

Schwarzenegger ruft Notstand aus
Bereits am Donnerstag hatte Gouverneur Arnold Schwarzenegger  den Notstand ausgerufen. Die Ursache des Brandes, der am Dienstag ausbrach, ist unbekannt. Das Ausmaß des Schadens sei aber erst abzusehen, wenn die geräumten Wohngebiete wieder zugänglich seien, hieß es.

Elf Feuerwehrmänner verletzt
Bisher wurden den Angaben zufolge elf Feuerwehrleute verletzt. Mehr als 3.500 Häuser im Waldbrandgebiet galten als gefährdet. Zunächst abflauende Winde hatten vorübergehend Hoffnungen auf eine Verbesserung der Lage genährt. Doch die besonders kräftigen sogenannten Sundowner-Winde, die nach Sonnenuntergang aufkommen, fachten die Flammen in der Nacht zum Freitag erneut an. Laut Wettervorhersage ist zunächst nicht mit einer Besserung der Lage zu rechnen.

Vor sechs Monaten hat ein Brand über 200 Häuser in Santa Barbara und dem benachbarten Montecito zerstört. Santa Barbara zählt über 400.000 Einwohner und liegt an der Pazifikküste. Es ist ein beliebtes Urlaubsziel. Außerdem besitzen hier viele Prominente Villen.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden