Fr, 20. April 2018

Kämpfe mit Taliban

06.05.2009 13:36

Dutzende Tote bei US-Luftangriff in Afghanistan

Das Rote Kreuz hat den Tod von mehreren Dutzend Zivilpersonen bei einem US-Luftangriff im Westen Afghanistans bestätigt. Mitarbeiter der Hilfsorganisation sahen in zwei Dörfern in der Provinz Farah "jeweils Dutzende Leichen", darunter auch Frauen und Kinder, sagte eine Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Afghanistan, Jessica Barry. Präsident Hamid Karzai verurteilte den Vorfall und ordnete eine Untersuchung an. Er werde das Thema noch am Mittwoch bei seinem ersten Treffen mit US-Präsident Barack Obama in Washington ansprechen.

Insgesamt seien "hundert Menschen in den beiden Dörfern getötet worden", sagte der Provinzpolizeichef Abdul Ghafar Watandar der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch. "Wir sind nun dabei herauszufinden, wieviele von ihnen Kämpfer waren und wieviele Zivilisten." Die Opferzahlen waren zunächst schwer zu überprüfen, da der Bezirk Bala Buluk so gefährlich ist, dass Behördenvertreter oder Journalisten nur selten in das Gebiet vordringen können.

Untersuchungsteam soll Vorfall klären
Inzwischen brach ein gemeinsames Untersuchungsteam afghanischer und amerikanischer Vertreter in die Region auf. Die US-Armee teilte bereits am Dienstagabend mit, man untersuche Berichte über zivile Opfer bei einer andauernden Operation in Farah. "Wir nehmen die Sicherheit afghanischer Zivilisten sehr ernst."

Dorfbewohner aus Gerani berichteten am Dienstag von schweren Luftangriffen, bei denen offenbar Dutzende Zivilpersonen getötet wurden. Sie brachten aus Protest rund 30 Leichen zum Sitz des Gouverneurs der Provinz Farah, wo sich bereits am Montag schwere Kämpfe zwischen den radikal-islamischen Taliban und US-geführten internationalen Truppen zugetragen hatten. Die Dorfbewohner erklärten, Frauen, Kinder und ältere Männer hätten sich in nahen Gehöften vor den Kämpfen versteckt. Kampfflugzeuge sollen diese jedoch bombardiert haben.

2.100 Zivilisten im Jahr 2008 in Afghanistan getötet
Nach Angaben der Vereinten Nationen kamen im vergangenen Jahr mehr als 2.100 Zivilisten in Afghanistan gewaltsam ums Leben, 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Für 55 Prozent der zivilen Opfer machten die Vereinten Nationen Aufständische verantwortlich, für 39 Prozent die ausländischen und afghanischen Truppen, sechs Prozent konnten nicht zugeordnet werden. Den UNO-Angaben zufolge starben die meisten der von den Aufständischen getöteten Zivilisten bei Selbstmord- oder Bombenanschlägen oder bei gezielten Attentaten. Die meisten der von den Truppen getöteten Unbeteiligten kamen demnach bei Luftangriffen ums Leben.

Für Karzai stehen am Mittwoch intensive Gespräche auf der Tagesordnung: Nach einem Gespräch mit US-Außenministerin Hillary Clinton sollte es ein Dreier-Treffen geben, an dem auch der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari teilnimmt. Am Abend sollten sich Karzai und Zardari einzeln und gemeinsam mit US-Präsident Barack Obama beraten, der auf ein entschlosseneres Vorgehen gegen die Taliban dringen wollte.

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