Mi, 25. April 2018

Forscher als Ziel

05.05.2009 18:54

Obersteirer "beschützte" Höhle mit Fels-Falle

Ein 69-jähriger Obersteirer ist am Dienstagnachmittag am Landesgericht Leoben verurteilt worden, weil er am Dachstein mit Felsen eine Falle installiert hat, die tödlich hätte sein können. Laut Anklage galt die Vorrichtung Höhlenforschern. Das Urteil lautete auf ein Jahr Haft, davon drei Monate unbedingt - wegen versuchter absichtlicher schwerer Körperverletzung, gefährlicher Drohung und Sachbeschädigung. Der Angeklagte erbat sich Bedenkzeit.

Ein 38-jähriger Polizeibeamter und Höhlenforscher war am 26. August 2008 vom Gletscher in die Dachstein-Südwand eingestiegen und hatte sich rund 150 Meter abgeseilt, um zu einer Höhle zu gelangen. Dabei entdeckte er im Abseil- und Aufstiegsbereich zur Höhle die hinterlistige Falle: Ein faustgroßer Stein war mit einem Sicherungs- und Aufstiegsseil verbunden, darüber waren rund zehn weitere Felsbrocken aufgeschichtet. Hätte man das Seil benützt, wären die Brocken in die Tiefe gestürzt.

Maßnahme zur Höhlenverteidigung
Der Verdacht fiel laut Exekutive schnell auf den 69-jährigen Obersteirer aus dem Bezirk Liezen. Der Mann war früher selbst Höhlenforscher, er hatte die betreffende Öffnung im Fels entdeckt und vermutlich nicht gewollt, dass sie nun auch von anderen aufgesucht wird.

Zerkratzte Autos
Da auf dem Parkplatz der Dachsteinseilbahn-Talstation am selben Tag zwei Autos von Höhlenforschern von einem unbekannten Täter zerkratzt worden waren, konzentrierten sich die Ermittlungen auf den 69-Jährigen. Kriminalisten fanden Zeugen, die bestätigten, dass der Verdächtige jeweils zur Tatzeit am Tatort gewesen sei. Daher wurde von der Staatsanwaltschaft Leoben eine Hausdurchsuchung und eine molekulargenetische Untersuchung angeordnet.

Rechtfertigung: "Wollte nur überprüfen..."
Im September wurde der Verdächtige verhaftet. Der Mann rechtfertigte sich damit, dass er mit den Steinen nur habe überprüfen wollen, ob jemand die Höhle betreten habe oder nicht. Verletzen habe er niemanden wollen. Zwei Gutachten durch einen gerichtsmedizinischen und einen alpinistischen Sachverständigen bewirkten jedoch, dass Richter Peter Wilhelm das Urteil im Sinne des Strafantrags sprach. Weil sich der Angeklagte Bedenkzeit erbeten hat, ist der Schuldspruch nicht rechtskräftig.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden