Mi, 25. April 2018

Zweite Amtszeit?

04.05.2009 10:29

Afghanischer Präsident Karzai tritt erneut an

Der afghanische Präsident Hamid Karzai bewirbt sich im August um eine Wiederwahl. Es habe in seiner ersten Amtszeit einige Fehler gegeben, er wolle dem afghanischen Volk aber weiter dienen, sagte Karzai am Montag bei der offiziellen Registrierung als Kandidat. Unmittelbar danach reiste Karsai nach Washington ab, wo am Mittwoch ein Anti-Terror-Gipfel mit US-Präsident Barack Obama und dem pakistanischen Staatschef Asif Ali Zardari geplant ist. Bei Anschlägen starben am Montag in Afghanistan mindestens 27 Menschen.

Bei der offiziellen Bekanntgabe der Kandidatur des Amtsinhabers Karzai sorgte für Überraschung, dass dieser den umstrittenen ehemaligen tadschikischen Milizführer Mohammad Kasim Fahim zu seinem ersten Stellvertreter machen will. Zweiter Vizepräsident soll neuerlich Karim Khalili werden, ein Führer der Volksgruppe der Hazara. Vertreter der Vereinten Nationen äußerten sich "bestürzt", die prominente Abgeordnete Shukria Baraksai sprach von einer Rückkehr in die Ära der "Warlords".

Wie Khalili kämpfte Fahim während des Bürgerkriegs in den 90er Jahren unter der Ägide des Helden des anti-sowjetischen Widerstands, Ahmad Shah Massud, gegen die Taliban. Er steht jedoch im Verdacht, nach der Auflösung seiner Miliz Waffenverstecke angelegt zu haben. Fahim war schon in der Übergangsregierung nach dem Sturz der Taliban Vizepräsident unter Karzai, nach der Wahl 2004 wurde er jedoch gegen Ahmad Zia Massud ausgewechselt, einem Bruder von Ahmad Shah Massud, der 2001 vom Terrornetzwerk Al-Kaida ermordet worden war. Zuletzt führte Fahim eine Oppositionsgruppe an.

USA distanzieren sich von Karsai
Der einstige Hoffnungsträger Karzai hat seit seiner Wahl 2004 in Afghanistan und im Ausland massiv an Ansehen verloren. Die USA werfen ihm vor, nichts zur Eindämmung der grassierenden Korruption zu unternehmen, die Politik, Wirtschaft und Staat auszuhöhlen drohe. Zudem stehe er der wachsenden Gewalt im Land hilflos gegenüber. Trotzdem werden dem Paschtunen bei der Wahl am 20. August mangels starker Gegenkandidaten gute Chancen eingeräumt. Mit Fahim von der zweitgrößten Volksgruppe der Tadschiken und Khalili von der drittgrößten Volksgruppe der Hazara als Stellvertreter ist Karzais Kandidatur zudem ethnisch ausgewogen.

Die Einsetzung des Paschtunen Karzai in Kabul war seinerzeit allgemein als Ergebnis eines Kompromisses zwischen dem US-Geheimdienst CIA und der pakistanischen Armeeführung interpretiert worden. Karzai galt lange Zeit als Vertrauensmann des mächtigen pakistanischen Geheimdienstes ISI.

Bedeutender Konkurrent verzichtet auf Kandidatur
Ein bedeutender Konkurrent Karzais, der Gouverneur von Nangarhar, Gul Agha Sherzai, hatte nach einem mehrstündigen Gespräch mit dem Präsidenten am vergangenen Freitag auf seine Kandidatur verzichtet. Ein weiterer Herausforderer Karzais, der ehemalige Außenminister Abdullah, hat die Papiere für seine Kandidatur noch nicht bei der Wahlkommission eingereicht.

Bei Anschlägen wurden am Montag mindestens 27 Menschen, die meisten Zivilisten, getötet. Beim blutigsten Anschlag in der südafghanischen Provinz Zabul starben nach Angaben der Behörden zwölf Mitglieder einer Nomaden-Familie - darunter zwei Kinder und vier Frauen -, als eine Bombe am Straßenrand detonierte. Aufständische griffen in Zabul zudem einen Konvoi mit Nachschub für die NATO an. Die Polizei teilte mit, sechs private Wachleute und zwei Zivilisten seien getötet worden.

Mindestens 27 Tote bei Anschlägen
In der ostafghanischen Provinz Laghman riss ein jugendlicher Selbstmordattentäter den Bürgermeister der Provinzhauptstadt Metarlam sowie drei seiner Leibwächter und drei Zivilisten mit in den Tod. Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Zwei mutmaßliche Talibankämpfer starben unterdessen bei der vorzeitigen Explosion der von ihnen gelegten Minen. Die Ende 2001 gestürzten Taliban hatten in der vergangenen Woche angekündigt, ihre Angriffe auf die Regierung im Vorfeld der Wahl zu verstärken.

Die Internationale Schutztruppe ISAF teilte am Montag mit, bereits in der vergangenen Woche sei in der südafghanischen Provinz Helmand ein prominenter Anführer der Aufständischen getötet worden. Mullah Salam Nurzai sei nach dem Sturz des Taliban-Regimes daran beteiligt gewesen, die Taliban zu reorganisieren. Er habe enge Verbindungen zu hochrangigen Anführern der Extremisten gehabt, "die den Aufstand aus der Sicherheit Pakistans heraus dirigieren".

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