Mo, 22. Jänner 2018

Weißer Tod

03.05.2009 18:51

Lawinenunglück in Tirol fordert sechs Todesopfer

Bei einem Lawinenabgang im Gemeindegebiet des Tiroler Skiortes Obergurgel (Bezirk Imst) sind am Samstagnachmittag sechs Menschen ums Leben gekommen. Der Abgang der Lawine auf einer Höhe von 3.000 Metern im Bereich Schalfkogel in der Gurgler Gruppe war gegen 16.15 Uhr gemeldet worden, auf Grund der Wetterbedingungen konnten die Einsatzkräfte aber erst Sonntag früh mit der Suche nach Verschütteten beginnen. Die Opfer, fünf Männer aus Tschechien und einer aus der Slowakei, konnten innerhalb von 56 Minuten geborgen werden, berichtete die Polizei.

Augenzeugen hatten am Samstagnachmittag von möglichen Verschütteten berichtet, die Rettungskräfte konnten wegen Schlechtwetters - es hatte zu schneien begonnen - aber vorerst nicht zum Unfallort vordringen, ein bereits gestarteter Hubschrauber musste umdrehen. Auch zu Fuß gab es keine Möglichkeit zur Unglücksstelle auf 3.000 Metern Höhe zu gelangen, so ein Retter. Dafür hätten die Rettungskräfte durch eine Schlucht zusteigen müssen und das sei zu gefährlich gewesen, hieß es. Um 19.00 Uhr wurde der Einsatz schließlich auf Sonntag vertagt.

Bereits um 5.40 Uhr startete Sonntag früh dann ein Hubschrauber Richtung Schalfkogel. Mit dabei fünf Hundestaffelführer. Schon nach kurzer Zeit konnten die Einsatzkräfte die sechs Männer in den Schneemassen des Lawinenkegels orten und bergen. Für die Opfer, fünfTschechen und ein Slowake, kam jede Hilfe zu spät.

Alle sechs Opfer in 56 Minuten geborgen
Die Opfer des tragischen Lawinenunglücks konnten am Sonntag innerhalb von 56 Minuten geborgen werden. Die meisten lagen 90 Zentimeter unter den Schneemassen. "Der am tiefsten Verschüttete lag zweieinhalb Meter unter Schnee", erklärte der Einsatzleiter der Bergrettung, Ronald Ribis.

Bereits nach zwei Minuten konnte die erste Leiche geborgen werden. "Alle Personen waren mit Lawinensuchgeräten ausgestattet. Zur Punktortung haben wir noch mit Sonden gesucht", schilderte Ribis. Da der Lawinenkegel in der Nacht ausgekühlt war, war der Einsatz nicht mehr sonderlich gefährlich. "Trotzdem war natürlich Vorsicht angesagt", so der Einsatzleiter. Der Einsatz konnte schnell beendet werden. "Um 8.30 Uhr war alles vorbei und die Opfer wurden nach Obergurgel geflogen", fasste der Bergretter zusammen.

Reisegruppe aus Tschechien
Die Reisegruppe aus Tschechien war am Samstag vom Hochwilderhaus in den Ötztaler Alpen zu ihrem Aufstieg auf den 3.540 Meter hohen Schalfkogel aufgebrochen. Eine Mitglied der Gruppe, ein etwa 45 Jahre alter Mann, ist im Winterraum der Hütte geblieben. Er ist der einzige Überlebende der Gruppe und musste um 10.00 Uhr die Toten identifizieren.

Die Unglücksstelle liegt nach Angaben der Polizei "ganz hinten in den Ötztaler Alpen", in Richtung des Skiortes Obergurgel. "Das ist ein vergletschertes Gebiet, da liegt viel Schnee", beschrieb ein Beamter die Gegend. Die Lawinengefahr in Tirol war am Samstag durch die Niederschläge leicht angestiegen, verbreitet aber als mäßig einzustufen, erklärte Rudi Mair vom Lawinenwarndienst Tirol.

Lawinenabgang auch auf der Rax in NÖ
Auch auf der Rax in Niederösterreich (Bezirk Neunkirchen) ist am Sonntagmittag im Bereich des Metternich-Steigs eine Lawine abgegangen. Die Beobachtung eines Augenzeugen, wonach möglicherweise zwei Personen verschüttet worden seien, zog einen Großeinsatz von Rettungskräften nach sich, bestätigte sich aber nicht. Die Suche wurde nach rund zwei Stunden eingestellt, teilte "144 - Notruf NÖ" mit.

Eingesetzt waren Kräfte der Bergrettung Reichenau an der Rax und der Alpinpolizei, Suchhunde sowie insgesamt vier Hubschrauber des ÖAMTC und des Innenministeriums. Nach Angaben der Bergrettung Reichenau an der Rax wurde die Lawine vermutlich von einem Wanderer losgetreten. An manchen Stellen im Bereich des Metternich-Steigs sei der Schnee noch etwa zwei bis drei Meter hoch, auf Grund des warmen Wetters seien in den vergangen Tagen bereits mehrere kleine Lawinen abgegangen.

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