Mi, 22. November 2017

„Sie ist im Himmel“

23.03.2009 12:36

So erfuhren die Söhne vom Tod ihrer Mama Jade

Nach einem großteils in der Öffentlichkeit geführten Kampf gegen den Krebs ist die britische ehemalige "Big Brother"-Kandidatin Jade Goody am frühen Sonntagmorgen gestorben. Nur wenige Stunden später hätten ihre beiden Söhne Bobby und Freddie, 5 und 4 Jahre alt, ihre Mama besuchen dürfen. Denn am Sonntag wurde in Großbritannien der Muttertag gefeiert. Doch in der Früh mussten die Buben die schreckliche Nachricht erfahren: Ihre Mama ist tot. "Sie ist jetzt im Himmel", brachte ihnen ihr Vater Jeff Brazier schonend bei. Jades Mutter Jackiey Budden und Jack Tweed, erst seit vier Wochen Jades Ehemann, waren an ihrer Seite, als sie ihre letzten Atemzüge tat.

"Meine wunderschöne Tochter hat nun Frieden", sagte Budden an Goodys Zuhause in Upshire in der südostenglischen Grafschaft Essex. Goodys Agent Max Clifford, der nach der Krebsdiagnose im vergangenen Sommer für eine größtmögliche Medienpräsenz seines Schützlings sorgte, erklärte: "Sie trat ihrem Tod entgegen wie dem Leben - mit voller Kraft und mit viel Mut." Gegen drei Uhr früh war Jade am Sonntag in aller Stille gestorben. Ganz friedlich im Schlaf.

Neben Premierminister Gordon Brown drückte auch Bollywood-Star Shilpa Shetty, der Goody teilweise ihre Berühmtheit verdankte, ihr Beileid aus.

Berühmt durch "Big Brother"
Goody war 2007 durch ihre Sprüche und beleidigende Äußerungen in der Fernsehshow "Big Brother" zu zweifelhafter Bekanntheit gelangt. Unter anderem hatte sie die indische Schauspielerin Shetty angegriffen und musste sich Rassismus-Vorwürfe gefallen lassen. Die beiden Frauen versöhnten sich aber wieder und Shetty lud die Britin zur indischen Variante der Container-Show ein. Dort erfuhr Goody vor laufender Kamera von ihrem Gebärmutterhalskrebs. Sie brach die Show ab; zurück in der Heimat ließ sie aber keine Gelegenheit für Öffentlichkeit aus. Dabei wusste sie, dass sie an der Krankheit sterben wird.

Kaum ein Tag verging seitdem ohne Goody auf dem Titel eines Boulevardblatts - mal lächelnd, mal in Tränen, kahlrasiert in Folge der Krebstherapie. Für die Berichterstattung über die Hochzeit mit ihrem sechs Jahre jüngeren Partner Tweed am 22. Februar erhielt sie Medienberichtenzufolge mehr als eine Million Pfund (1,1 Millionen Euro). Der wegen eines Angriffs mit einem Golfschläger auf einen Teenager zu 18 Monaten Haft verurteile Bräutigam wurde für die Hochzeit unter Auflagen aus dem Gefängnis entlassen.

Auch ihre Taufe zusammen mit ihren fünf- und vierjährigen Söhnen Bobby und Freddy zwei Wochen später inszenierte Goody öffentlich. Ihre Söhne sollten von Jesus erfahren, und vielleicht könne sie später über Jesus mit ihnen Kontakt aufnehmen.

Öffentliche Inszenierung zum Wohle der Kinder
Immer wieder betonte Goody, sie mache alles nur zum Wohl ihrer Söhne, die sie finanziell versorgt wissen wollte. Ohnehin habe sie ihr Leben vor den Fernsehkameras geführt, "und nun werde ich eben vor ihnen sterben", sagte die 27-Jährige unlängst in einem Interview. Die frühere Zahnarzthelferin wuchs in einfachen Verhältnissen auf und blieb nach der britischen "Big Brother"-Show eine öffentliche Figur, mit Fitness-DVDs, zwei Autobiografien und sogar einem nach ihr benannten Parfüm.

Goody musste für ihren offensiven Umgang mit ihrer Krankheit viel Kritik einstecken, gewann aber auch viele Fürsprecher. Als einer der ersten Kondolenten äußerte sich am Sonntag Premierminister Brown, der immer wieder Goodys Verdienst für die Krebsvorsorge betont hatte. "Sie war eine tapfere Frau, und das ganze Land hat sie für ihre Entschlossenheit bewundert, mit der sie sich um die Zukunft ihrer Kinder sorgte."

"Jade Goody wird Leben retten"
Mediziner erklärten, seit dem Fall Goody würden 20 Prozent mehr junge Frauen zu Vorsorgeuntersuchungen gehen. "Jade Goody wird schlicht und einfach Leben retten", sagte Robert Music von einer Vorsorgevereinigung für Gemärmutterhalskrebs. Bischof Jonathan Blake, der Goodys Trauung leitete, pries die Verstorbene als "eine Heilige von Upshire", die mit ihrem fast biblischen Vorbild weltweit die Menschen bewegt habe.

Die Beerdigung, die in etwa zehn Tagen in ihrer Heimat-Kirche stattfinden soll, dürfte Goodys letzter großer Auftritt werden. Medienagent Clifford kündigte eine wahre "Jade Goody Produktion" an, die noch einmal ein großes Ereignis werden solle: "Dies wird ihr letzter Gruß an die Welt."

Fotos: Viennareport

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