Fr, 24. November 2017

Mon-Chéri-Anschlag

19.03.2009 11:52

Strafe angehoben: Lebenslange Haft für Helmut O.

Im Fall des vergifteten Spitzer Bürgermeisters Hannes Hirtzberger ist am Donnerstag vom Obersten Gerichtshof die Nichtigkeitsbeschwerde des 56-jährigen Helmut O. (Bild) gegen das Urteil in erster Instanz abgewiesen worden. Der OGH gab der Berufung der Staatsanwaltschaft gegen die Strafhöhe statt und hob das Strafausmaß von 20 Jahren auf lebenslang an. Der Oberste Gerichtshof maß vor allem dem Punkt, dass es sich um ein "heimtückisches Attentat" gehandelt habe, großes Gewicht zu. Der Umstand, dass Helmut O. bisher einen ordentlichen Lebenswandel geführt habe, relativiere sich. "Wir sind der Meinung, da gibt es nur eine Antwort: lebenslang", so der Vorsitzende. Hirtzberger befindet sich seit dem Anschlag im Februar 2008 im Wachkoma.

Helmut O. soll am Abend des 8. Februar 2008 eine mit einer mehrfach tödlichen Dosis Strychnin präparierte "Mon Chéri"-Praline unter Beilage einer Glückwunschkarte hinter den Scheibenwischer am Pkw des beliebten Spitzer Bürgermeisters gesteckt haben. Hirtzberger verzehrte das Naschwerk am nächsten Morgen, auf der Fahrt in seine Kremser Kanzlei wurde ihm plötzlich schlecht. Er konnte noch anhalten und Passantinnen zurufen, diese sollten einen Arzt verständigen, er habe ein "Mon Chéri" gegessen und sei vergiftet worden. Danach verlor er das Bewusstsein, erlitt einen Herzstillstand, konnte aber reanimiert werden. Helmut O. hatte stets bestritten, mit dem heimtückischen Giftanschlag etwas zu tun zu haben.

DNA-Gutachten gab den Ausschlag
Ausschlaggebend für den Schuldspruch im Mai des Vorjahres waren vor allem die Zeugenaussagen der Söhne des 56-Jährigen und ein DNA-Gutachten, das den Angeklagten massiv belastete: Sein genetischer Fingerabdruck war auf der Innenseite des dem "Mon Chéri" beigelegten Billetts gefunden worden, wofür der Wirt keine plausible Erklärung bieten konnte. Darüber hinaus förderten seine Söhne zu Tage, dass ihr Vater sie gebeten hatte, in ein Marmeladeglas zu spucken, um mit ihrem Speichel die DNA-Probe zu verfälschen, um die ihn die Polizei Mitte Februar ersucht hatte: Als feststand, dass am Billett eine männliche DNA haften geblieben war, ging die Polizei mit dieser Information an die Öffentlichkeit und teilte mit, dass sie aus dem Kreis der Verdächtigen, zu denen Helmut O. von Anfang an zählte, nun mehr als ein Dutzend Personen um einen biologischen Fingerabdruck bitten werde.

Umwidmungsstreit als Tatmotiv
Als Motiv für den Mordversuch hatte Staatsanwalt Friedrich Kutschera die sich hinschleppenden Umwidmung für den "Klosterhof" samt angeschlossenen Grundbesitz des Angeklagten ins Treffen geführt. Helmut O. wollte seinen Besitz als Bauland gewidmet bekommen, um ihn verkaufen bzw. einem Hotel-Projekt zuführen zu können. Bürgermeister Hirtzberger soll dem zwar grundsätzlich nicht im Wege gestanden sein, aber unabdingbare Voraussetzungen - etwa die Vorlage eines Businessplanes oder die Zusage von Fördermitteln des Landes Niederösterreich - eingefordert haben, die O. nicht beibringen konnte oder wollte. Für diese Verzögerung habe O. den Bürgermeister verantwortlich gemacht, so der Anklagevertreter.

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