So, 17. Dezember 2017

Lärmendes Ungetüm

09.03.2009 11:54

Reizüberflutung bei The Prodigy im Gasometer

Geschätzte 15 Sekunden haben The Prodigy gebraucht, um das Publikum am Sonntag im berstend vollen Gasometer zum unisonen Hüpfen zu bringen. Und es hörte damit für knapp eineinhalb schweißtreibende Stunden nicht mehr auf: Mit Sub-Bass-Attacken auf die Magenwände und dem druckvollen neuen Album "Invaders Must Die" im Gepäck lieferten die britischen Rave-Altmeister ein hochenergetisches Konzert ab, das beim Publikum jedoch gemischte Gefühle hinterließ.

Mit "Firestarter" und "Breathe" besetzten die Musiker in den 90er-Jahren das Niemandsland zwischen Punk, Techno und Heavy Metal, und ihre Shows waren nicht zuletzt für die schräge Optik von Sänger Keith Flint bekannt. Auch jenseits der 40 haben Flint, Rapperkollege Maxim Reality und Soundtüftler Liam Howlett noch genug Strom, um dem Gasometer einzuheizen: Knatternde Bässe versetzten den Boden in Schwingung, hämmernde Beats die Herzkammern, und das beliebte und freihändig eingesetzte englische Schimpfwort mit "F" am Anfang ließ die Ohren schlackern. Dazu gab es noch eine Batterie an Scheinwerfer-Artillerie, die sich konstant in Richtung Publikum entlud.

Doch fast so schnell wie die anfängliche Euphorie gekommen war, verflog sie auch wieder. Trotz Live-Unterstützung an Drums und Gitarre hatte man sich alsbald an dem Gehopse der beiden Frontsäue satt gesehen, das Stroboskop begann in den Augen zu schmerzen und das Ohr sehnte sich nach so viel Bass, rollenden Drums und immer wieder Bass nach Entspannung. Der allmählich aufkeimenden Langeweile hatten The Prodigy stets nur mehr vom Gleichen entgegenzusetzen. Schön und gut, aber eben auch etwas eintönig. Selbst große Hits wie "Firestarter", "Poison" oder "Smack my bitch up" schmeckten inmitten der Reizüberflutung plötzlich fal und wirkten ein wenig uninspiriert vorgetragen.

Neu erfunden haben sich die Briten demnach nicht. Dass beim Konzert nicht das Gefühl eines Selbst-Zitates vergangener Zeiten aufkam, zeigt jedoch, dass Prodigy längst ein eigenes Genre sind. Wer die Band versäumt hat, kann dies vom 20. bis 22. August in St. Pölten nachholen. Dann spielen die Briten am "Frequency Festival".

Text: APA/krone.at; Fotos: Andreas Graf

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