Fr, 24. November 2017

Arge Mängel

09.03.2009 13:11

Sind Niederösterreichs Spitäler lebensgefährlich?

Der 240 Seiten dicke Band birgt einiges an Brisanz in sich. Journalist Kurt Langbein rechnet in seinem am Montag erscheinenden Buch "Verschlusssache Medizin" mit dem heimischen Gesundheitswesen knallhart ab – und präsentiert erschreckende Zahlen.

"In Österreichs Krankenhäusern sterben jährlich 2.500 Menschen an den Folgen von Behandlungsfehlern." Das ist nur eine der alamierenden Statistiken, die Langbein in seinem umstrittenen Buch offenlegt. Das Hauptproblem sieht er in den Strukturen: Es strotzt vor Kleinkrankenhäusern, vor allem in Niederösterreich.

Fühlst du dich in deinem Spital in Niederösterreich gut aufgehoben? Stimm ab in der Infobox!

Oft werden dort auch komplizierte chirurgische Eingriffe vorgenommen, die dann leichter schiefgehen. Langbein zitiert den Chirurgen Franz Stöger, der sich im Auftrag des Landes Niederösterreich auf Qualitätserhebung begab. Mit niederschmetterndem Ergebnis: Nach einer Schilddrüsenoperation mussten in Österreich im Bundesdurchschnitt sechs Prozent der Patienten auf die Intensivstation. In Niederösterreich waren es im Jahr 2005 17 Prozent!

"Es fehlt an Erfahrung"
Der Chirurg schrieb laut Langbein: "Somit liegen in Niederösterreich bei einer Schilddrüsenoperation die Patienten drei Mal so häufig im Intensivbereich als im Bundesdurchschnitt. (...) Da dies vor allem an Abteilungen mit geringer Fallzahl pro Jahr an Schilddrüsenoperationen festzustellen ist, ist zu vermuten, dass dem jeweiligen Betreuungsteam die Erfahrung hinsichtlich des Komplikationsmanagements fehlt."

Kliniken-Holding weist Anschuldigungen zurück
Die Landeskliniken-Holding, die 25 Spitäler im Bundesland verwaltet, hat die Anschuldigungen zurückgewiesen: Demnach landeten 2006 nur mehr 8,5 Prozent der Patienten nach einer Schilddrüsen-OP in Niederösterreich auf der Intensivstation. „Die Zahlen in dem Buch sind veraltet", so Geschäftsführer Robert Griessner.

Seit 2005 habe sich einiges getan, so habe Niederösterreich als erstes Bundesland Qualitätssicherungskriterien eingeführt, an denen auch international großes Interesse besteht. Griessner: "Unser Ziel ist es, dass nur noch 5,8 Prozent der Patienten nach einer Schilddrüsenoperation auf der Überwachungsstation bleiben müssen."

Weniger Komplikationen 2008
Um das Spitalswesen in Niederösterreich zu verteidigen, greift Griessner auch auf aktuelle Zahlen aus Hainburg und Hollabrunn zurück. Mussten im Hollabrunner Spital 2005 noch 16,3 Prozent nach einer offenen Gallenblasen-Operation auf der Überwachungsstation bleiben, so seien es 2008 nur mehr 10,7 Prozent gewesen. Im Spital in Hainburg lag dieser Wert 2005 bei 20 Prozent, im Vorjahr bei 9,4 Prozent, so Griessner.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden