Mi, 23. Mai 2018

Experten unter sich

27.02.2009 20:45

Irving bietet Williamson Unterkunft an

Der britische Holocaust-Leugner David Irving (linkes Bild) hat dem traditionalistischen Bischof Richard Williamson nach dessen Rückkehr nach Großbritannien eine Unterkunft angeboten. "Ich bin gerne bereit, ihn bei mir aufzunehmen", so Irving. Der Bischof habe sich aber bisher noch nicht bei ihm gemeldet. "Er wird bei der Pius-Bruderschaft in Wimbledon sein." Irving glaubt nach der jüngsten Erklärung des Bischofs, der am Donnerstag um Vergebung für seine empörenden Aussagen zum Holocaust gebeten hat (siehe Story in der Infobox), nicht an ein Ende der Kontroverse: "Das wird ihm auch nicht helfen." Und da behält er recht: Denn der Vatikan hat die Entschuldigungserklärung Williamsons mittlerweile für nicht ausreichend erklärt.

Der Heilige Stuhl forderte am Freitag von Williamson einen vollständigen Widerruf seiner Aussagen zum Holocaust, wie Vatikansprecher Federico Lombardi erklärte. Williamson hatte erklärt, in nazideutschen Vernichtungslagern wären nicht sechs Millionen Juden umgebracht worden, sondern maximal 300.000 und kein einziger von ihnen in Gaskammern. In der am Donnerstag an die päpstliche Kommission "Ecclesia Dei" gerichteten Erklärung hatte Williamson zwar um Vergebung für den durch seine Aussagen angerichteten Schaden gebeten, doch widerrief er nicht ausdrücklich seine Holocaust-Leugnung.

Bedingungen des Heiligen Stuhls nicht erfüllt
"Der Brief ist weder an den Heiligen Vater, noch an die Kommission Ecclesia Dei gerichtet", sagte Vatikansprecher Federico Lombardi. Die Entschuldigung von Williamson entspreche daher keineswegs den vom vatikanischen Staatssekretariat gestellten Bedingungen. Der Bischof der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. sei am 4. Februar aufgerufen worden, sich auf absolut unbestreitbare Weise von seinen Holocaust-Aussagen zu distanzieren, so Lombardi. Der Brief Williamsons sei "allgemein und mehrdeutig".

Holocaust-Leugner Irving in Österreich verurteilt
David Irving, der sich als Historiker ausgibt, bestätigte, mit Williamson vor dessen Ausreise aus Argentinien in Kontakt gewesen zu sein, um ihn zu beraten. Aus einem E-Mail-Wechsel mit Irving geht hervor, dass Williamson Beratung bei einer deutschen Anwaltskanzlei gesucht hatte. Das Büro Fetsch Rechtsanwälte in Dresden wollte dies jedoch nicht kommentieren. Irving war in Österreich wegen Leugnens nationalsozialistischer Verbrechen zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt, aber vorzeitig aus der Haft freigelassen worden. Er lebt in Windsor westlich von London. Williamson habe er auf einer Gartenparty bei sich zu Hause im vergangenen Oktober kennengelernt.

Europäischer Haftbefehl gegen Williamson?
Indes muss Williamson nach seiner von den argentinischen Behörden erzwungenen Rückkehr nach Europa mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Die Ermittlungen der deutschen Staatsanwaltschaft in Regensburg gegen den Briten könnten zum Erlass eines europäischen Haftbefehls führen, sagte die deutsche Justizministerin Brigitte Zypries in Brüssel: "Grundsätzlich fällt das Delikt unter die Regelungen des Europäischen Haftbefehls, das heißt also, Deutschland könnte einen solchen Haftbefehl ausstellen." Sie räumte allerdings ein, der Erfolg eines EU-Haftbefehls sei in diesem Fall ungewiss: "Ob es dann von britischer Seite Einwendungen gäbe, die eine Auslieferung verhindern würden, kann ich im Moment nicht beurteilen." Zwingend ist die Auslieferung nur, wenn das dem Angeklagten vorgeworfene Delikt auch in dessen Aufenthaltsland als Straftat beurteilt wird oder wenn in dem Staat, der den Haftbefehl erlässt, eine Mindeststrafe von drei Jahren vorgesehen ist.

Auch EU-Justizkommissar Jacques Barrot hat die Äußerungen Williamsons scharf verurteilt. "Das können wir nicht hinnehmen", fügte der französische Vizepräsident der Europäischen Kommission in Brüssel hinzu. Möglichkeiten zur Verfolgung Williamsons auf europäischer Ebene sieht Barrot indes nicht. Die EU habe zwar einen Rahmenbeschluss gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit verabschiedet. Der im November beschlossene Rechtstext sei aber noch nicht in allen Mitgliedstaaten in nationale Gesetze übertragen. "Leider ist es zu früh, um ihn anzuwenden, weil der Rahmenbeschluss noch nicht umgesetzt wurde", sagte der Justizkommissar.

Deutsche Juden fordern "klare Konsequenzen"
Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat sich entsetzt über die Erklärung Williamsons geäußert und vom Vatikan "klare Konsequenzen" verlangt. "Durch den ausbleibenden eindeutigen Widerruf seiner böswilligen Lügen hat Williamson erneut zum Ausdruck gebracht, dass er ein überzeugter Antisemit und unverbesserlicher Holocaust-Leugner ist", erklärte Knobloch am Freitag. Vom Vatikan erwarte sie jetzt klare Konsequenzen und eine deutliche Abgrenzung zur antisemitischen Pius-Bruderschaft, die Juden als "Gottesmörder" bezeichne.

Pius-Bruderschaft eine "Gruppe von Extremisten"
Wenn das katholische Kirchenoberhaupt eine solche Gruppe aufnehme, dann sei das eine "Kursbestimmung" seiner Kirche, "die wir respektieren, aber noch lange nicht gutheißen, denn damit wird einem Gespräch zwischen Amtskirche und jüdischer Gemeinschaft die Existenzgrundlage entzogen", sagte Zentralrats-Generalsekretär Stephan Kramer. Es gehe längst nicht mehr "um Herrn Williamson und seine sogenannte Entschuldigung", meinte Kramer. "Es geht um die Grundsätze der katholischen Pius-Bruderschaft, die antidemokratisch, verfassungsfeindlich, frauenfeindlich, judenfeindlich und vieles mehr sind. Ich halte diese Bruderschaft für eine gemeingefährliche Gruppe von Extremisten."

Papst hob Exkommunikation von Williamson auf
Papst Benedikt XVI. hatte im Jänner die Aufhebung der Exkommunikation Williamsons und der drei anderen traditionalistischen Bischöfe Bernard Fellay, Bernard Tissier de Mallerais und Alfonso de Galaretta verfügt, die 1988 von dem Konzilsgegner Erzbischof Marcel Lefebvre unerlaubt, aber nach kanonischem Recht gültig geweiht worden waren. Von der Ausübung der bischöflichen Weihegewalt bleiben sie aber suspendiert. Gleichzeitig wurde die Pius-Bruderschaft vom Vatikan aufgefordert, die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils anzuerkennen.

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