Mi, 23. Mai 2018

Streit um 2 Stunden

27.02.2009 14:06

Mehrheit der Österreicher für Schmied-Vorstoß

Zwei Drittel der Österreicher halten es laut einer IFES-Umfrage im Auftrag des Unterrichtsministeriums für "gerechtfertigt", dass Lehrer künftig zwei Stunden pro Woche länger in der Klasse stehen sollen. Nur 26 Prozent der 500 Befragten sind gegen die Maßnahme. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt das Humaninstitut in einer Studie: 68 Prozent befürworten die Unterrichts-Ausweitung, 22 Prozent sind dagegen. Kritik an den Plänen kam einmal mehr aus der ÖVP: Bildungssprecher Werner Amon warf Schmied Zynismus vor: "Ich betrachte das mehr als zynisch, dass die Ministerin meint, die Lehrer sollen einen Beitrag in der Krise leisten", wenn gleichzeitig Leute zur Kurzarbeit gezwungen würden, sagte er. Kanzler Faymann unterstützte hingegen Schmied.

Die große Zustimmung zu den Plänen von Unterrichtsministerin Claudia Schmied führt das Meinungsforschungsinstitut IFES auf die "weit verbreitete Überzeugung" zurück, dass Lehrer in Bezug auf die Gesamtarbeitszeit privilegiert seien. In zwischen 1996 und 2005 durchgeführten Studien hätten jeweils zwischen 40 und 45 Prozent angegeben, dass die Pädagogen im Vergleich zu anderen Berufsgruppen "eher weniger" bzw. "etwa gleich viel" arbeiten. Nur sechs bis elf Prozent haben im gesamten Zeitraum gemeint, dass Lehrer "eher mehr arbeiten".

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Lehrer als "nicht vorbildhaft" bewertet
Gegenüber dem Klagenfurter Humaninstitut bewerteten (bei 750 Interviewten) 55 Prozent die Leistungsbereitschaft der Lehrer in "Krisenzeiten wie diesen" als "nicht vorbildhaft", 28 Prozent sind gegenteiliger Meinung. Für 81 Prozent ist zudem außerschulische Vorbereitungszeit nicht mit Unterricht im Klassenzimmer vergleichbar. 41 Prozent rechnen damit, dass die Aggression an den Schulen steigt, wenn "Unlust der Lehrer auf mehr Unterrichtszeit auf Schülerfrust stößt". 36 Prozent befürchten geringere Lehr- und Lernmotivation, 23 Prozent "No Future"-Stimmung.

Abstimmung in der Infobox: Sollen unsere Lehrer länger unterrichten müssen?

Heftige Kritik am Vorgehen Schmieds
Zu einem Rundumschlag gegen die Schmied-Initiative holte ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon am Freitag aus: Das Vorgehen Schmieds sei - in einem Land wie Österreich mit der Tradition der Sozialpartnerschaft - inakzeptabel. Er würde gerne sehen, was die Sozialdemokratischen Gewerkschafter sagen würden, wenn man in einer anderen Berufsgruppe die Arbeitszeit einseitig um zwei Stunden erhöhen würde, so Amon. Mit ihrer Ankündigung werde Schmied lediglich erreichen, dass sie eine neue Mittelschule bekomme, in der "lauter demotivierte Lehrer arbeiten".

Eine Zustimmung der ÖVP für Schmieds Pläne schloss Amon aus: Die Ministerin werde mit ihrem Vorschlag nicht durch den Ministerrat kommen. "Es wird von uns sicher keine Initiative geben, die das unterstützt". Auch würden sich keine Abgeordnete finden, die die Maßnahme per Initiativantrag ins Parlament bringen, wiederholte er seine bereits vor zwei Tagen getätigte Einschätzung.

Der VP-Bildungssprecher verwies auch auf die Koalitionsvereinbarung: "Ich würde die Bundesministerin bitten, sich an das Regierungsübereinkommen zu halten. Da ist von einem neuen Dienstrecht die Rede, nicht von einer Erhöhung der Lehrerarbeitszeit". Die Koalition sei von diesem Konflikt aber nicht betroffen: "Das ist ein Problem der Frau Schmied und kein Problem der Koalition", so Amon. Die Diskussion werde "schnell verebben".

Pröll-Kritik an Vorgangsweise, aber nicht an der Idee
Diplomatischer zeigte sich am Freitag ÖVP-Chef Finanzminister Josef Pröll, der die Vorgehensweise von Schmied zwar kritisierte, nicht aber die Idee an sich. Wenn man so große Pläne habe, die für die Betroffenen nicht einfach sind, dann müsse man sich zuerst einmal zusammensetzen. "Das ist offensichtlich nicht geschehen, und jetzt ist das Thema hochgekocht. Und das ist schade, weil das mehr für Emotionen als für Lösungen sorgt", sagte Pröll im "Ö1"-Radio.

Auf die Frage, ob er sich mit der Idee grundsätzlich anfreunden könne, meint Pröll, er habe es Schmied wie allen anderen Ministern freigestellt, "in ihren Ressort die notwendigen Maßnahmen anzudenken und zu versuchen, sie auch umzusetzen." Große Begeisterung lässt Pröll für den Vorstoß Schmieds zwar nicht erkennen, allerdings auch keine Ablehnung. "Wenn sie glaubt, dass diese Maßnahme für sie die einzig machbare ist, dann soll sie das auch entsprechend verhandeln. Ich glaube aber, dass es gerade im Bildungsbereich, wo die Budgets in den nächsten Jahren steigen werden, auch andere Möglichkeiten gibt. Und ich werde hier keine Wertung vornehmen", so der Minister.

Bundeskanzler Werner Faymann unterstützt Schmied
Bundeskanzler Werner Faymann stellte sich bei der Klubklausur der Wiener SPÖ in Rust voll hinter Bildungsministerin Claudia Schmied. Er verteidigte die angedachte Maßnahme in Sachen Lehrer-Arbeitszeit. Es sei notwendig, dass jeder einen Beitrag leiste - auch die Lehrer, befand der Kanzler. Die Regierung habe entschieden, dass das Bildungsbudget angehoben werde, "dass wir mehr Geld des Steuerzahlers einsetzen müssen", so Faymann in seiner Rede. Denn man wolle nicht, dass Klassen wieder größer werden oder Reformmaßnahmen wieder gestoppt werden müssten.

"Dafür ist es notwendig, dass alle einen Beitrag leisten", so Faymann. Und neben den Steuerzahlern seien dies die Lehrer. Claudia Schmied habe ein sehr offenes Wort ausgesprochen, so der Kanzler. Ihre Idee sei "unterstützungswürdig". Nun solle eine "Diskussion in freundschaftlicher Art" mit den Betroffenen geführt werden. Auch jenen auf der "anderen Seite" - Faymann erwähnte an dieser Stelle GÖD-Chef Fritz Neugebauer - könne er nur sagen: "Bildung braucht Mut und Zuversicht." Und er betonte: "Ich würde mir wünschen, dass wir das gemeinsam ausreden können."

An einen Koalitions-Krach glaubt Faymann nicht, wie er nach seiner Rede im Gespräch mit Journalisten betonte: "Ich bin davon überzeugt, dass, auch wenn jetzt die Koalition nicht die selbe Geschlossenheit in der Darstellung gezeigt hat wie bisher, wir uns wieder alle einfinden." Auch Kritik an der Vorgehensweise von Schmied ließ er nicht gelten. Es sei nicht möglich gewesen, alle sofort einzubinden: "In der Öffentlichkeitsarbeit gibt's folgendes Problem: Es sickert was durch, dann wird eine Ministerin gefragt und dann hat sie zwei Möglichkeiten, die Wahrheit zu sagen oder nicht die Wahrheit. Und sie hat sich für die Wahrheit entschieden."

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