Mi, 23. Mai 2018

Lautstarke Proteste

26.02.2009 15:38

Tausende Opel-Mitarbeiter demonstrieren für Jobs

Tausende Opel-Mitarbeiter haben am Donnerstag im deutschen Rüsselsheim für die Rettung ihres Unternehmens und ihrer Arbeitsplätze demonstriert. Mit Trillerpfeifen und Trommeln forderten sie bei der zentralen Kundgebung eines europaweiten Aktionstages lautstark den Erhalt der ums Überleben kämpfenden Traditionsmarke. "Opel muss bleiben, auch ohne GM", hieß es auf Plakaten, die eine Loslösung von der kriselnden Muttergesellschaft General Motors forderten.

"Es ist eine Lumperei, wenn Beschäftigte für strategische Fehlentscheidungen und Missmanagement die Zeche zahlen", sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber. Die IG Metall hatte sich bereits zu Zugeständnissen bereit erklärt, wenn es um die Rettung der 25.000 Opel-Arbeitsplätze gehe. Huber forderte erneut ein eigenständiges Geschäftsmodell auf europäischer Ebene und öffentliche Finanzmittel. Es könne nicht sein, dass die deutsche Bundesregierung 500 Milliarden Euro an Bürgschaften und mehr als 100 Milliarden an Kapitalspritzen für Banken zur Verfügung stelle, aber für den industriellen Kern, für die Basis des Wohlstandes "keinen müden Cent aufbringen will", sagte Huber.

Proteste an allen Standorten
Im Rahmen des Aktionstags gab es an allen europäischen Standorten der GM-Töchter Opel/Vauxhall und Saab Proteste. In den Werken in Großbritannien, Österreich und Ungarn wurde die Produktion für eine Stunde gestoppt werden, um Betriebsversammlungen abzuhalten. Die Saab-Arbeitnehmer im schwedischen Trollhättan wollen am Abend in einer Lichter-Prozession durch die Stadt ziehen.

Im GM-Motoren-Werk in Wien-Aspern nahmen rund 300 Arbeitnehmer an der Informationsveranstaltung teil, sagte Europa-Betriebsrat Werner Engl. Das Werk am Wiener Stadtrand liefert rund 90 Prozent seiner Motoren- und Getriebeproduktion an Opel und Vauxhall. Um Werksschließungen und Kündigungen zu verhindern, soll ein europäisches Rettungskonzept kommen, forderte der Betriebsrat der Österreich-Tochter. Bürgschaften und staatliche Anteilsübernahmen durch die europäischen Regierungen, in denen sich Werke von GM, Opel oder Vauxhall befinden, sollen dazu beitragen, die Arbeitsplätze zu erhalten. "Auch die österreichische Regierung und die Stadt Wien fordern wir auf, die 1.850 Beschäftigten bei GM-Aspern und ihre Familien sowie die Arbeitnehmer bei den von GM-Aspern abhängigen Betrieben nicht im Regen stehen zu lassen", appellierten die Betriebsräte.

Zukunftskonzept wird vorgestellt
Für Freitag wird ein Zukunftskonzept für den Autobauer erwartet, auf Grundlage dessen die deutsche Bundesregierung über die beantragten Staatshilfen entscheiden will. Kreisen zufolge ist der Kapitalbedarf wegen der einbrechenden Autonachfrage in den vergangenen Monaten auf bis zu 3,3 Milliarden Euro gestiegen. In dieser Rechnung ist auch ein Arbeitnehmerbeitrag von 700 Millionen Euro enthalten. Neben einer Beteiligung der Beschäftigten wird auch über einen Beitrag der Opel-Händler zur Rettung des Unternehmens diskutiert.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hält eine Rettung des ums Überleben kämpfenden Autobauers nur im europäischen Maßstab für machbar. "Jeder Alleingang eines einzelnen Standorts wäre zum Scheitern verurteilt", sagte der SPD-Politiker bei der Kundgebung.

Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat GM heftig kritisiert. Er warf dem Autobauer vor, zu wenig Informationen über das Zukunftskonzept für Opel zu liefern. Bisher hätten potenzielle Investoren und auch die Bundesregierung nicht einmal ansatzweise eine Ahnung davon, wohin der Konzern überhaupt wolle, kritisierte Guttenberg. Er forderte rasch die Vorlage eines Sanierungsplans, der die nötige konzeptionelle Tiefe aufweise.

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