Mo, 21. Mai 2018

Kombi-Teambewerb

27.02.2009 16:32

Japan holt sensationell Gold - ÖSV auf Platz fünf

Die Enttäuschung war groß. Österreichs Nordische Kombinierer haben am Donnerstag bei der Nordischen Ski-WM in Liberec auch im Teambewerb eine Medaille deutlich verpasst. Trotz des "Ausfalls" der Mitfavoriten Finnland und USA blieb für das ÖSV-Quartett Bernhard Gruber, Willi Denifl, Christoph Bieler und Mario Stecher nach je einem Sprung und der 4x5-km-Staffel nur der fünfte Rang. Den Titel sicherte sich sensationell Japan, nachdem Schlussläufer Norihito Kobayashi den zeitgleichen Deutschen Tino Edelmann und den Norweger Magnus Moan (+3,6 Sekunden) im Schlusssprint besiegt hatte.

Japan, das an fünfter Stelle mit 24 Sekunden Rückstand auf Spitzenreiter Frankreich in den Lauf gestartet war, übernahm erst auf dem letzten Kilometer erstmals die Spitze und dann ließ Kobayashi, der im Einzelbewerb Fünfter gewesen war, keinen mehr vorbei. Moan, der sechsfache Saisonsieger im Weltcup, vermochte seine Laufstärke diesmal nicht entscheidend auszuspielen, die Japaner hatten nicht zuletzt dank ihres Salzburger Skitechnikers Werner Scherübl die Nase vorn. Yusuke Minato, Taihei Kato, Akito Watabe und Kobayashi jubelten über das erste Teamgold der japanischen Kombinierer seit 14 Jahren und den ersten WM-Titel eines ihrer nordischen Sportler seit Ramsau 1999.

Die besten drei Teams nach dem Springen gingen leer aus. Frankreich landete an vierter Stelle (+17,1), Österreich musste nach Rang zwei von der Schanze das schwächste Abschneiden des Teams seit dem siebenten Platz von Ramsau 1999 zur Kenntnis nehmen, und Titelverteidiger Finnland belegte geschwächt nur Rang acht. "Natürlich sind wir deprimiert, wir haben an die Medaille geglaubt", erklärte der Cheftrainer Alexander Diess, dessen Aufgebot  2007 in Sapporo leer ausgegangen war. In Liberec bleibt zur Rehabilitation nur noch der Einzelbewerb von der Großschanze am Samstag.

Denifl hielt Tempo nicht durch
Die Vorentscheidung im negativen Sinn war auf dem zweiten Laufabschnitt gefallen. Ex-Team-Weltmeister Willi Denifl, der nach dem krankheitsbedingten Ausfall von Lukas Klapfer nominiert worden war, bekam nach 2,5 Kilometern Probleme und verlor auf dem letzten Anstieg den Anschluss. Der letzte Kilometer war ein Leidensweg für den Stubaitaler, er verlor 33 Sekunden auf das Spitzentrio. Denifl lag minutenlang völlig ausgepumpt im Ziel und verschwand enttäuscht in den Team-Container.

Die Anfeuerung durch die Coaches um Diess vom Streckenrand hatte nichts geholfen. "Urplötzlich kam der Mann mit dem Hammer, es ist nichts mehr gegangen. Das Loch ist zu groß geworden", sagte Diess. Denifl habe jedoch auf der Schanze einen "Superjob" gemacht, "und er hat auch schon gute Fünf-Kilometer-Rennen abgeliefert."

Österreicher läuferisch zu schwach
Felix Gottwald lieferte als ORF-Fachkommentator die hart klingende Begründung. "Man hat derzeit einfach zu wenig drauf", sagte der Salzburger. Und hatte damit wohl recht. Die Österreicher freuten sich zwar über "gute Leistungen" auf der Schanze, doch vor nicht allzu langer Zeit hatten sie die Sprungbewerbe dominiert. Diesmal gelang es nicht, einen Vorsprung für den Lauf, wo die Leistungen schon früher nicht Spitze waren, herauszuholen.

Stecher und Bieler, die im Springen ihr großes Potenzial nicht ausgeschöpft hatten, bekamen in der Loipe keine Gelegenheit mehr, Verpasstes nachzuholen. "Wenn es von vornherein aussichtslos ist, ist es nicht schön zu kämpfen", sagte der Steirer Stecher. "Wir haben eine Schneidige auf den Deckel bekommen und das ist vielleicht ganz gut so." Bieler nahm seinen Tiroler Landsmann Denifl in Schutz. "Willi hat alles gegeben, es hat nicht sollen sein. Mir war klar, wenn der Zug abgefahren ist, wird's schwierig." Er habe alles auf eine Karte gesetzt, sagte Bieler. "Von meinem Gefühl her bin ich sehr gut gelaufen, das nehme ich mit für das letzte Rennen am Samstag."

Pech für Finnland und die USA
Zwei Medaillenaspiranten hatten enormes Pech. Titelverteidiger Finnland verkraftete den Ausfall des Weltcup-Spitzenreiters Anssi Koivuranta, der 38,5 Grad Fieber hatte, nicht, und im US-Team um den zweifachen Weltmister Todd Lodwick wurde der Einzelbewerbs-Dritte Bill Demong im Springen disqualifiziert, weil er seine Startnummer nicht fand. Er hatte sie nach dem Probesprung in seinen Sprunganzug gesteckt, wo sie in der Folge bis zum Schuh hinunterrutschte, ohne dass der Athlet es merkte. Ohne Nummer wurde Demong gemäß den Regeln nicht zum Sprung zugelassen, die USA traten angesichts eine Rückstand von mehr als drei Minuten nicht mehr zum Langlauf an.

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