So, 27. Mai 2018

Verlies-Drama

25.02.2009 07:58

Josef F. in U-Haft "unauffällig und höflich"

Josef F. wirke "ruhig". Er sei "unauffällig, höflich und korrekt" und "sehr angepasst". So beschrieben die Leiter der Justizanstalt St. Pölten (im Bild eine Standardzelle), Oberst Günther Mörwald und sein Stellvertreter Oberstleutnant Erich Huber-Günsthofer, den Untersuchungshäftling. Der 73-Jährige muss sich ab 16. März vor Gericht verantworten.

Wecken um 6.00 Uhr, Frühstück, Morgentoilette: So beginnt der Alltag in der Justizanstalt - auch für Josef F., der sich mit einem zweiten Insassen einen etwa zwölf Quadratmeter großen Haftraum teilt. Es besteht generell die Möglichkeit, Radio zu hören oder fernzusehen. Außerdem gibt es Zeitungen und Zeitschriften sowie die Möglichkeit, sich Bücher aus der Anstaltsbibliothek zu leihen. Der Amstettner habe bisher keine Sonderwünsche geäußert, Kontakt pflege er hauptsächlich mit seinem Anwalt, so Mörwald und Huber-Günsthofer.

„Keinerlei Vorfälle oder Angriffe von anderen Insassen“
Nur fallweise nehme Josef F. die Gelegenheit zu einem Spaziergang im Hof wahr. Zu anderen Insassen suche er keinen Kontakt. Er beteilige sich auch nicht an Freizeitgestaltung, was der Anstaltsleitung entgegenkommt. Kontakte würden aus Sicht der Justizwache grundsätzlich möglichst hintangehalten, verwies Mörwald auf die gesetzliche Verpflichtung, für die Sicherheit eines Häftlings zu sorgen. Es gehe um den sachlichen und professionellen Umgang mit Josef F., der die gleichen Rechte und Pflichten wie jeder andere U-Häftling habe. Entgegen mancher Berichte in der Vergangenheit "gab es keinerlei Vorfälle oder Angriffe von anderen Insassen", erklärten beide Herren dezidiert: "Das war erfunden."

Enormes Medieninteresse am Prozess
"Es gibt keine Frage, die uns im Zusammenhang mit dem Fall noch nicht gestellt wurde", erinnerte Mörwald an das enorme Medieninteresse aus der ganzen Welt bei der Einlieferung des U-Häftlings im Frühjahr 2008. Jetzt - im Vorfeld des Prozesses - würden die Anfragen wieder "massiv", aber es gebe keine Interviews oder Drehgenehmigungen: "Das würde jeglichen Rahmen sprengen", so Mörwald. Er ersuche die Medien um Verständnis dafür, "dass wir gefordert sind und zurückhaltend sein müssen". Die Leitung der Justizanstalt werde - durch Huber-Günsthofer - bei den seitens des Landesgerichts angekündigten täglichen Presse-Briefings in der Verhandlungswoche vertreten sein. Es sei zu wünschen, dass Josef F. einen fairen Prozess "ohne Beeinträchtigung durch den Medienrummel" bekomme.

Anstaltsarzt beim Prozess dabei
Beim Prozess werde auch der behandelnde Arzt der Justizanstalt, der auf die Gesundheit des 73-Jährigen zu achten habe, zur Verfügung stehen. Wie viele Justizwachebeamte im Gerichtsgebäude, unterstützt von Polizeikräften, bzw. im Schwurgerichtssaal eingeteilt werden, wurde nicht preisgegeben.

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