Di, 22. Mai 2018

Gönner gesucht

03.03.2009 22:02

Venedig sucht neuen Sponsor

Der Getränkehersteller Coca-Cola wird vorerst doch nicht zum "Sponsor" Venedigs. Unter dem Druck heftiger Proteste beschloss der Bürgermeister der Lagunenstadt, Massimo Cacciari, auf das Angebot des US-Konzerns zu verzichten. Die Idee eines Mäzens lässt die venezianische Politik jedoch offensichtlich nicht los: Nun soll der Meistbietende den Job des Gönners übernehmen. Ursprünglich wollte Coca-Cola der Stadt in den kommenden fünf Jahren 2,1 Millionen Euro zahlen, um Getränke- und Snack-Automaten aufstellen zu dürfen.

Da das Angebot Coca-Colas als unzulänglich bewertet wurde, erklärte sich der Bürgermeister nun bereit, eine Ausschreibung in die Wege zu leiten, um ein besseres Sponsorenangebot zu erhalten. Es sei bisher zu keiner Ausschreibung gekommen, da er das Angebot Coca-Colas als interessant bewertet hatte. "Wir werden jetzt sehen, wer zu denselben Bedingungen mehr anbietet", so Cacciari.

Die Gemeinde versicherte zuvor, dass die Automaten an Orten aufgestellt würden, an denen sie nicht allzu stark auffallen, etwa an den Anlegestellen der Vaporetti, der Fähren Venedigs. Der geplante Vertrag mit Coca Cola hatte den heftigen Protest der Gastronomen ausgelöst, die ohnehin unter der Krise im Tourismus leiden. Sie fürchten starke Einbußen bei den Einnahmen.

Leere Gemeinde-Kassen
Die Kassen der Gemeinde seien leer, es gebe kein Geld für die Restaurierung der Palazzi mehr, warnte kürzlich Bürgermeister Cacciari. Das geplante Schleusensystem MOSE, das die Lagunenstadt vor Hochwasser schützen soll, koste Venedig mehr als 650 Millionen Euro. Damit bleibt offenbar kein Geld mehr übrig für die Erhaltung von Kirchen und Häusern. Der Bürgermeister hatte sich stets gegen den Bau des Schleusensystems gewehrt, das von der Regierung Berlusconi unterstützt wird und insgesamt 4,5 Milliarden Euro kostet.

Venedig rechnet außerdem mit einem deutlichen Rückgang im Fremdenverkehr wegen der Wirtschaftskrise. 2008 wurden bereits 2,5 Prozent weniger Touristen registriert, die Zahl der ausländischen Besucher sank gar um 3,6 Prozent.

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