So, 20. Mai 2018

"Fall Madoff II"

20.02.2009 11:07

US-Milliardär Stanford aufgespürt

Der mutmaßliche texanische Milliardenbetrüger Robert Allen Stanford ist von der Bundespolizei FBI aufgespürt worden. In Virgina stellten Bundesagenten den Milliardär und drückten ihm Gerichtspapiere in die Hand. Verhaftet wurde er nicht. Die US-Börsenaufsicht SEC wirft dem schillernden Geschäftsmann vor, mit seiner Finanzgruppe Anleger weltweit um bis zu acht Milliarden Dollar (6,3 Milliarden Euro) geprellt zu haben: Stanford versprach Anlegern jahrelang mit vermeintlich sicheren Festgeldanlagen hohe Gewinne. Stattdessen sei ein großer Teil des Geldes in riskante Immobilienpapiere und Finanzbeteiligungen gesteckt worden. Wie jetzt bekannt wurde, soll der 58-Jährige auch Geld für südamerikanische Drogenbarone gewaschen haben.

Der Banker sei nicht festgenommen worden, man habe ihm nur die Dokumente zur Zivilklage gegen ihn übergeben. Zuvor war befürchtet worden, Stanford könnte sich abgesetzt haben. Rund zwei Monate nach Auffliegen der spektakulären Madoff-Betrugsaffäre hatten US-Behörden am Dienstag die Zentrale von Stanfords Finanzgruppe im texanischen Houston durchsucht. In den US-Städten Miami und Baton Rouge wurden Geschäftsstellen des mutmaßlichen Betrügers - seine Firmengruppe verwaltet etwa 50 Milliarden Dollar - von den Ermittlern gesperrt.

Geldwäsche für Drogenbarone?
Der Fall schlägt weit über die USA hinaus hohe Wellen: Der Banker ist für sein extravagantes Gesellschaftsleben und enge Beziehungen in die Politik in Nord- und Südamerika bekannt. Seine Finanzgruppe spannt sich von den USA über die Karibikinsel und Steueroase Antigua als wichtigem Stützpunkt bis nach Lateinamerika. Dort stürmten bereits gestern verzweifelte Sparer Stanfords Banken um ihr Geld zu retten. Das FBI prüft auch mögliche Verbindungen zu Geldwäschegeschäften mexikanischer Drogenbarone.

Der Finanzskandal hat schwere Konsequenzen vor allem für Tausende Anleger und Sparer in Lateinamerika. In Panama wurden nach dem Bekanntwerden der Affäre die Filialen der Stanford Bank geschlossen. Auf Antigua, in Mexiko und in anderen Ländern des Subkontinents bildeten sich vor den Filialen der Bank lange Schlangen von Menschen, die vergeblich darauf warteten, ihr Geld abheben zu können.

Sorge auch in Großbritannien
Auch britische Ermittler sind bereits auf den Fall Stanford aufmerksam geworden. Zwar gebe es noch keine offiziellen Ermittlungen, teilte ein Sprecher der Strafverfolgungsbehörde für schwere Betrugsdelikte SFO mit, man gehe aber Presseberichten nach und nehme Kontakt zu amerikanischen Kollegen auf. Britische Zeitungen hatten zuvor berichtet, Stanfords Wirtschaftsprüfer habe seinen Sitz in einem Reihenhaus im nördlichen Londoner Vorort Enfield. Die Tochter des Firmengründers sagte der Zeitung "The Times", sie wisse nichts von der Angelegenheit.

Stanford auch von Madoff geprellt
Die Stanford Financial Group erlitt der SEC zufolge auch Verluste durch Madoffs Schneeball-System, dem wohl größten Betrugsfall der Finanzgeschichte mit einem möglichen Schaden von bis zu 50 Milliarden Dollar. Der 70-jährige Madoff war im Dezember festgenommen worden und steht derzeit in New York unter Luxus-Hausarrest in seinem riesigen Appartement in Manhattan.

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