Mi, 23. Mai 2018

Rassismus pur

20.02.2009 07:41

Eklat: Obama als erschossener Schimpanse

Eine Karikatur, die eine Verbindung zwischen einem erschossenen Schimpansen und US-Präsident Barack Obama herstellt, ist in den USA auf scharfe Kritik gestoßen. Politiker und Bürgerrechtler sprachen von einem Akt des Rassismus. Der New Yorker Senator Eric Adams (Bild) nannte die Karikatur einen Rückfall in die Zeit, in der schwarze Politiker gelyncht wurden. Der Cartoon in der Boulevardzeitung "New York Post" vom Mittwoch zeigt einen Affen, der von zwei Polizisten mit mehreren Schüssen getötet wurde.

Weiters ist zu lesen, wie ein Sicherheitsbeamter mit Blick auf den in einer Blutlache liegenden Affen sagt: "Jetzt müssen sie jemand anderen finden, der das nächste Konjunkturprogramm schreibt." Der Karikaturist Sean Delonas bezog sich dabei offenbar auf Obamas Konjunkturprogramm und die Erschießung eines Schimpansen in Stamford im US-Staat Connecticut, der eine Frau angefallen hatte (siehe Story in der Infobox). Der Bürgerrechtler Al Sharpton sah darin einen rassistischen Angriff auf Obama. Er werde mit einem Schimpansen gleichgesetzt, wie dies in der Vergangenheit häufig mit Afroamerikanern geschehen sei.

Der Chefredakteur der Zeitung, Col Allan, verteidigte die Karikatur im Hinblick auf den Zwischenfall mit dem Schimpansen als "Parodie eines aktuellen Ereignisses". Zudem mache die Karikatur sich über "Washingtons Bemühungen lustig, die Wirtschaft wieder anzukurbeln". Der Sprecher des US-Präsidenten, Robert Gibbs, wollte zu dem Vorgang zunächst nicht Stellung nehmen. Er habe die Karikatur nicht gesehen, halte die "New York Post" aber allgemein nicht für ein lesenswertes Blatt, sagte Gibbs.

Allgemeine Fassungslosigkeit
Die Präsidentin der Vereinigung schwarzer Journalisten, Barbara Ciara, zeigte sich fassungslos: "Wie konnte die 'Post' diese Karikatur als Satire durchgehen lassen?" Den ersten schwarzen Präsidenten mit einem toten Schimpansen zu vergleichen, sei nichts anderes als eine rassistische Entgleisung, sagte Ciara. Die Redaktion der Zeitung wurde am Mittwoch mit Protestanrufen bombardiert. Vor dem Sitz der Zeitung im Manhattan demonstrierten Menschen, die zum Boykott des Blattes und ihrer Anzeigenkunden aufriefen und eine Entschuldigung forderten.

Auch die liberale Zeitung "Huffington Post" kritisierte die Karikatur als rassistisch und geschmacklos. "Sie deutet im besten Falle an, das Konjunkturpaket sei so schlecht, dass ein Affe es geschrieben haben könnte", kommentierte der Kolumnist Sam Stein. "Schlimmstenfalls vergleicht sie den Präsidenten mit einem wild gewordenen Schimpansen." Beides sei nicht akzeptabel.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden