Di, 21. November 2017

„Unter Uns“

17.02.2009 11:37

Fassadenabschlag soll Vergangenheit freilegen

Linz09 geht mit einem weiteren Projekt auf die nationalsozialistische Vergangenheit unserer schönen Stadt ein. Die Berliner Künstlerin Hito Steyerl lässt einen Teil der Fassade der Kopfgebäude der Nibelungenbrücke abschlagen. Dieser Akt soll im übertragenen Sinn die Geschichte der Gebäude freilegen.

Linz09 kratzt an den Fassaden von Bauten der Nationalsozialisten am Hauptplatz. Ein Fassadenabschlag, der am Dienstag begonnen hat, soll auf die Geschichte der Brückenkopfgebäude aufmerksam machen.

Ein wesentlicher Teil der Veranstaltungen im Rahmen von Linz09 setzt sich mit der Zeitgeschichte von Linz, insbesondere der Zeit des Nationalsozialismus auseinander. Die bisher erfolgreichste ist die Ausstellung "Kulturhauptstadt des Führers" im Schlossmuseum. Die Ausstellung setzt sich damit auseinander, dass Adolf Hitler Linz zu seiner Patenstadt erklärt hat und sie zur Kulturhauptstadt des Dritten Reiches machen wollte. Sie verzeichnete bisher rund 40.000 Besucher.

"Unter uns"
Bei dem jüngsten Projekt "Unter Uns" befasst sich Linz09 mit den beiden Brückenkopfgebäuden, die den Hauptplatz mit der Nibelungenbrücke verbinden. Es handelt sich um eines der wenigen realisierten Vorhaben zur Errichtung von öffentlichen Bauten der Nationalsozialisten in Linz. Hito Steyerl lässt nun Bauarbeiter einen Teil der Fassade des östlichen Gebäudes abschlagen und damit im übertragenen Sinn dessen Geschichte freilegen. Das Muster, nach dem der Putz entfernt wird, soll in vereinfachter Form den geografischen Verläufen von Flucht beziehungsweise Verschleppung einiger in den Bau involvierter Personen entsprechen. Der Fassadenabschlag soll bis zum Frühjahr 2010 zu sehen sein. Dann wird das Gebäude wieder neu verputzt und in den alten Zustand zurück versetzt.

Zeitzeugen kommen zu Wort
Darüber hinaus will die Künstlerin bis 27. Februar im Inneren des Gebäudes eine Videoinstallation aufbauen, die Archivmaterial und Dokumente, Befragungen von Zeugen sowie die heutige Gestalt des Hauses und des Geländes zeigt. Das gesamte Projekt erfolgt in Kooperation mit der Eigentümerin, der Bundesimmobiliengesellschaft, und in Abstimmung mit dem Denkmalamt.

Auseinandersetzung mit Bundesdenkmalamt
Die Brückenkopfgebäude sorgen auch ohne Linz09-Projekte für Aufregung. Das Denkmalamt hatte ihren historischen Wert erst kürzlich unter anderem damit begründet, dass Adolf Hitler selbst in die Planungen eingegriffen habe. Der Linzer Planungsstadtrat Klaus Luger (SPÖ) kritisierte, dass damit die Schutzwürdigkeit mit dem persönlichen Engagement des größten Massenmörders der Geschichte gerechtfertigt werde. Das Bundesdenkmalamt konterte, das Schreiben sei falsch interpretiert worden. Landeskonservator Wilfried Lipp argumentierte, wenn man das Gutachten bis zum Ende lese, werde deutlich, dass es nichts damit zu tun hat, dass Adolf Hitler direkt am Baugeschehen involviert gewesen sei.

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