Fr, 25. Mai 2018

Spätzünder

16.02.2009 15:18

Pranger: "Ich brauche für alles so lange"

Lange hat Manfred Pranger auf seine erste WM-Medaille gewartet. Der zweifache Familienvater aus Tirol, der am Sonntag zum WM-Abschluss in Val d'Isere die Goldmedaille im Slalom gewonnen hat, war bereits bei den drei vorangegangenen Welttitelkämpfen nach dem ersten Durchgang jeweils auf einem Medaillenrang gelegen. Am Ende stand er dann neben dem Podest (jeweils Fünfter 2003 St. Moritz und 2007 Aare), oder war überhaupt ausgefallen (2005 Bormio). Dass er 2009 von ganz oben herabblickt, verdankt der 31-Jährige seinem Reifeprozess.

"Ich brauche für alles so lange, kommt mir langsam vor. Für den ersten Stockerlplatz, den ersten Sieg und jetzt die Medaille. Ich habe mich damit schon abgefunden, dass ich lange brauche. Aber diesmal ist mir das extrem wurscht", sagte also Pranger und lächelte und rechnete mal vor: "Ich habe vor meinem ersten Kitzbühelsieg vier Jahre lang rumgekratzt zwischen dem vierten, dritten, fünften und zweiten Platz, bis ich dann gewonnen habe. Mit diesem gleichen Gefühl bin ich nach Val d'Isere gefahren: Okay, ich habe jetzt für Kitzbühel vier Jahre gebraucht, bis ich gewinne. Ich habe von 2005 weg vier Jahre für Wengen gebraucht, bis ich es gewinne. Und ich brauche jetzt die vierte Weltmeisterschaft, dass ich eine Medaille mache."

Oft sei er "wirklich enttäuscht" von Weltmeisterschaften heimgefahren. Überhaupt in dem Jahr, als er Kitzbühel und Schladming gewonnen habe. "In Bormio war ich Zweiter nach dem ersten Lauf - nur zwölf Hundertstel hinter Benni Raich. Also das steckt immer noch so im Kopf, dass ich im zweiten Lauf ausgeschieden und ohne Medaille heimgefahren bin. Deshalb war das jetzt mein größter Wunsch und ich bin froh, dass er in Erfüllung gegangen ist. Ein Wahnsinn."

Adelboden als Knackpunkt
Der Knackpunkt in der diesjährigen Saison sei der erste Lauf in Adelboden gewesen. "Das war der beste Durchgang, den ich heuer gefahren bin. Da bin ich mit Startnummer zwanzig runter, hatte Bestzeit und war auf einmal wie ein ausgewechselter Mensch. Ich habe gesehen, ich bin jetzt wieder vorn dabei." Er sei nicht nervös gewesen, was im zweiten passiere, er habe es einfach genossen, in Führung zu liegen. Der "blöde Fehler" dann vor dem Ziel habe ihn nicht gestört, denn er sei Zweiter geworden, und Sieger Reinfried Herbst sei an diesem Tag besser gewesen.

"Ich habe mich über den zweiten so gefreut, als wenn ich gewonnen hätte. Und ich spiele das nicht, auch in Schladming habe ich mich über den zweiten extrem gefreut und in Garmisch über den vierten. Ich bin nicht auf das eingestellt, dass ich jedes Rennen nur gewinnen muss, sonst bin ich wieder wie ich früher war, als ich Vierter oder Fünfter geworden bin." Wenn man wisse, man kann vorne dabei sein kann, dann müsse man dies einfach schätzen. "Ich glaube, dass mir das auch etwas hilft. Ein zweiter Platz im Weltcup ist genau so viel wert."

Mentaltrainer überflüssig
Manfred Pranger arbeitet derzeit mit keinem Mentaltrainer, er beschäftigt sich viel mit sich selbst, habe seine Familie zu Hause, aus der er sehr viel Kraft schöpfe. In der Verletzungsphase habe er gesehen, dass es auch was anderes gebe. "Die Gesundheit ist das wichtigste. Wenn man gesund ist, kann man auch wieder gut Skifahren. Ich genieße, was ich zur Zeit habe, dass ich locker Skifahren kann und mit Druck umgehen." Auch wenn der WM-Titel jetzt vielleicht schönes Geld bringt - sein Luxus ist die Gesundheit: "Die kann man nicht kaufen, nur haben."

Als "Retter der Nation, weil er für die einzige ÖSV-Herren-Goldmedaille gesorgt hatte, will er nicht bezeichnet werden. "Das ist unfair gegenüber den anderen, sie haben auch Superleistungen gebracht. Man braucht bei so einem Rennen sehr viel Glück, dass das so aufgeht. Es ist für mich schön, dass ich Gold habe, aber auch für die Mannschaft, weil super gearbeitet wird. Ich bin nicht Weltmeister geworden, weil ich alles perfekt gemacht habe, sonder weil ich sehr viel Glück hatte", meinte der Mann aus Gschnitz, der seit zehn Jahren für Völkl fährt und Günther Mader als sein erstes Vorbild bezeichnete.

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