Mo, 28. Mai 2018

Sahara-Geiseln

16.02.2009 09:24

Salzburger Touristenpaar vor einem Jahr entführt

Am 22. Februar 2008, also vor knapp einem Jahr, wurden die Salzburger Abenteuerurlauber Andrea Kloiber (44) und Wolfgang Ebner (51) während ihrer Fahrt durch die Sahara von Terroristen der Al-Kaida gefangen genommen. Nach mehr als acht Monate dauernder Geiselhaft und langwierigen Verhandlungen kam das Paar am 31. Oktober frei. Trotz ihrer körperlichen und psychischen Strapazen fanden sie rasch in den Alltag zurück. Die letzte große Frage in dem Geiseldrama, nämlich ob die Republik Regressansprüche für den Kostenaufwand der "Rückholung" der beiden stellt, ist immer noch nicht geklärt.

Eine Regelung für einen möglichen Regressanspruch wurde vor drei Jahren nach der Freilassung von zwei im Jemen entführten Österreichern im Gesetz festgeschrieben: Sollte sich ein österreichischer Tourist im Ausland grob schuldhaft in eine Gefahrenlage begeben, die ein Einschreiten des Staates erfordert, können seither laut "Konsulargebührengesetz" bis zu 20.000 Euro pro Person eingefordert werden. Bisher war dies aber noch nie der Fall, sagt Außenministeriums-Sprecher Peter Launsky-Tieffenthal.

"Es gibt noch keine Gesamtsumme"
Im Fall Kloiber und Ebner wird der Regressanspruch der Republik noch geprüft. Das Verfahren dauere deshalb etwas länger, weil nicht nur die beiden Salzburger, sondern auch die Behörden in Tunesien und Algerien um Informationen über den Entführungsort ersucht worden seien, sagt Launsky-Tieffenthal. Der Steuerberater Wolfgang Ebner hatte nach seiner Rückkehr betont, der Überfall durch 21 Mujaheddin sei 30 Kilometer nördlich des Sperrgebietes in Tunesien erfolgt: "Wir haben nichts Verbotenes getan. Es gab auch keine Reisewarnung."

Das Außenministerium macht weiterhin keine detaillierten Angaben über die für die Republik entstandenen Kosten. "Es gibt noch keine Gesamtsumme", so Launsky-Tieffenthal. Die damalige Außenministerin Ursula Plassnik (ÖVP) hatte dazu in einer parlamentarischen Anfragebeantwortung versichert, es sei kein Lösegeld geflossen. Sämtliche Reisen seien "unter dem Gesichtspunkt der höchstmöglichen Effizienz" erfolgt. Auch der Krisenstab, der immerhin 140 Mal getagt hat, habe wegen der Beamten-Überstundenpauschale keine Zusatzkosten verursacht.

Ebner: "Die Sahara hat viele Wehwehchen geheilt"
Die zwei Salzburger wurden im Februar 2008 von der Terrorgruppe "Al-Kaida im Islamischen Maghreb" in Tunesien überfallen und nach Mali verschleppt. Die Geiseln bekamen in den 252 Tagen ihrer Gefangenschaft zeitweise nur Wasser und Brot zu essen, sonst Nudeln, Reis und Antilopenfleisch. Krankheiten und die Entbehrungen in der Wüste kosteten ihnen etwa zehn Kilogramm an Körpergewicht. "Wir wurden von unseren Entführern aber respektvoll behandelt", erzählt Ebner. Seine Begleiterin Kloiber litt allerdings unter ihrer Isolation als einzige Frau in der Gruppe.

Das Alltagsleben hat die Ex-Geiseln nun wieder eingeholt. Sie leben jetzt bewusster und ernähren sich gesünder als zuvor, sagt Ebner: "Die Sahara hat viele Wehwehchen geheilt." Der 51-Jährige kehrte wenige Tage nach seiner Rückkehr an den Schreibtisch seiner Steuerberaterkanzlei in Hallein zurück und spielt in der Freizeit begeistert Eishockey. Seine Lebensgefährtin Andrea arbeitet wieder als Pflegehelferin beim Halleiner Hilfswerk. Eine Psychotherapie hilft ihr, die dramatischen Erlebnisse mental zu bewältigen. Einen Ersatz für ihre von den Terroristen erdrosselten Schäferhunde haben die beiden bereits gefunden. Aktuelle Interviews will Ebner nicht mehr geben: "Ich bin lange genug in der Öffentlichkeit gestanden."

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