Mi, 23. Mai 2018

Schaurig schön

12.02.2009 15:04

Silent Hill Homecoming

Wenn das Blut gefriert, der Puls rast, sich die Haare zu Berge stellen und es einem eiskalt den Rücken herunterläuft, dann könnte Konamis neuester Ableger der populären Survival-Horror-Serie "Silent Hill" dafür verantwortlich sein. "Homecoming", der inzwischen fünfte Teil des seit 1999 millionenfach verkauften Franchise, dürfte selbst hartgesottene Gamer das Fürchten lehren.

Alles beginnt in einem Militärkrankenhaus, in dem sich der 22-jährige Kriegsveteran Alex Shepherd von seinen Verletzungen erholt. Auch die Psyche des Guten scheint Schaden genommen zu haben, denn in der Wahrnehmung von Alex verschmelzen Wirklichkeit und Wahn zunehmend miteinander. Oder ist doch alles nur ein Traum? Alex selbst scheint sich nicht ganz sicher zu sein und kehrt daher, beseelt von einer dunklen Vorahnung, in seine Heimatstadt Shepherd's Glen zurück.

Dort angekommen, bewahrheiten sich die schlimmsten Befürchtungen: Zahlreiche Bewohner des in einem ungewöhnlich dichten Nebel versinkenden Städtchens sind wie vom Erdboden verschluckt, darunter auch Alex' Bruder Joshua. Hinzugekommen sind dafür einige neue, ziemlich blutrünstige Bewohner, was den Bürgermeister des Ortes allerdings nicht zu kümmern scheint: Er hebt lieber Gräber auf dem Friedhof aus. Und ehe Alex überhaupt begreift, wie ihm geschieht, findet er sich in der für Gamer seit 1999 nur allzu bekannten Kleinstadt Silent Hill wieder.

Von diesem Moment an kämpft er um das nackte Überleben und muss sich in typischer Survival-Horror-Manier mit dem Nötigsten durchschlagen. Ein Messer, ein Rohr, eine Feueraxt und vereinzelt auch Schusswaffen, deren Munition es allerdings sorgsam zu rationieren gilt, helfen ihm, die Gegner auf Abstand zu halten. Das Kampfsystem gibt sich dabei im Vergleich zu seinen Vorgängern wesentlich dynamischer: Über die Buttons können ein leichter und ein schwerer Angriff zu Kombos zusammengefasst werden; ein weiterer Button bietet erstmals die Möglichkeit, gegnerischen Attacken auszuweichen und diese auch zu parieren.

Vor Blessuren gefeit ist der Held allerdings nicht: Gerade in engen Gängen und bei mehreren Gegnern kommt es trotz frei drehbarer Kamera immer wieder zu bösen Verletzungen. Über ein Schnellmenü, welches auf der PS3 über die Schultertasten aufgerufen wird, kann sich Alex jedoch auch während des Kampfes rasch verarzten. Neben seiner Taschenlampe findet Alex im Menü auch die vielen im Verlauf des Spieles eingesammelten Gegenstände, die er zur Bewältigung der diversen Rätseleinlagen benötigt.

Besonders viel Hirnschmalz ist für diese aber nicht vonnöten, meist genügt es, ein oder mehrere Gegenstände zu sammeln und anschließend miteinander zu kombinieren, um der großen Lösung wieder ein Stückchen näher zu kommen. Beispielsweise muss Alex zu Beginn des Spiels erst einen leeren Benzinkanister füllen, um im Anschluss daran einen unter Wasser stehenden Keller mit Hilfe einer Pumpe trockenlegen zu können. Auch kleinere Schalterrätsel und Puzzles sind vorhanden und lockern das schaurig-schöne Geschehen auf, schwer zu knacken sind allerdings auch sie in aller Regel nicht.

Wesentlich komplizierter ist es da schon, sich in der Hölle von Silent Hill zurechtzufinden. Ohne die Karte, die Alex nach und nach mit nützlichen Hinweisen ergänzt, wäre der Spieler wohl schnell aufgeschmissen. Zahlreiche links und rechts der Hauptroute abzweigende Gänge, Pfade und Türen können aber nicht verschleiern, dass die Level an sich streng linear aufgebaut sind und stets nur ein Weg zum Ausgang führt. Finden muss man ihn halt nur.

Der dichte Nebel und die Dunkelheit tun schließlich das Ihre, um den Spieler seiner Orientierung zu berauben. Atemberaubend ist die Qualität der Darstellung allerdings nicht: Zwar wartet "Silent Hill Homecoming" neben den abstoßend hässlichen Kreaturen mit netten Licht- und Schatten-Spielereien auf, insgesamt hat man auf der PS3 aber schon Schöneres gesehen. In Kombination mit dem bewusst auf Schockmomente setzenden Sounddesign, dem atmosphärischen Soundtrack von Meister Akira Yamaoka und der guten englischen Synchronisation (mit deutschen Untertiteln), ergibt sich in Summe jedoch ein sehr stimmiges Gesamtbild.

Fazit: Abgesehen von einem verbesserten Kampfsystem, ist "Silent Hill Homecoming" ein recht klassischer Vertreter der Serie geworden. Schlecht ist das keineswegs: Die seltsamen Vorfälle von Shepherd's Glen und später auch Silent Hill ziehen den Spieler auf Anhieb in den Bann und zehren zunehmend an dessen Nervenkostüm. Zartbesaitete sollten daher besser den Ton abdrehen, unter 18-Jährige aufgrund der blutigen Gewaltdarstellung erst gar nicht hinschauen. Hartgesottene Genre-Fans kommen jedoch voll auf ihre Kosten und erfreuen sich bei mittelmäßiger Optik, aber grandioser Soundkulisse am Nervenkitzel.

Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360, PC
Publisher: Konami
krone.at-Wertung: 8/10


von Sebastian Räuchle

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