Sa, 16. Dezember 2017

"Wie im Film"

13.02.2009 12:23

Liberianer während Fußball-Trainings verhaftet

Er war ihr Topscorer und ihr Freund. Am Montag der Vorwoche ist der 22-jährige Stürmer Larry McDon während eines Fußball-Trainings (!) des SK Spannberg von sechs aus einem Kleinbus springenden Polizisten in Schubhaft genommen worden. "Es war ein Wahnsinn - wie im Film", erklärt Mittelfeldmotor und Augenzeuge Mathias Wiesinger gegenüber krone.at. Der Schock bei den Spielern sitzt jedenfalls noch tief. "Es ist menschlich einfach so hart."

Larry McDon kommt aus Liberia und hält sich bereits seit rund fünf Jahren in Österreich auf. Seit eineinhalb Jahren kickt er in der untersten Fußball-Spielklasse für den SK Spannberg. Seine Mitspieler haben den 22-Jährigen jedenfalls fest ins Herz geschlossen: "Er war einfach voll leiwand. Ein toller Kerl", sagt Wiesinger. Umso schwerer fiel der Abschied…

Die Spieler wussten, dass gegen ihren Topscorer (17 Treffer im Herbst) das Asylverfahren noch läuft und "vermutlich negativ ausgehen wird", gesteht Wiesinger. Als sich trotz Verfahren Ende Herbst noch niemand gemeldet hatte, wähnten sie ihren Freund jedoch in – trügerischer – Sicherheit.

"Plötzlich sprangen sechs Polizisten aus dem Kleinbus"
Der Platz war an jenem Montagabend wegen der winterlichen Verhältnisse nicht bespielbar, also verordnete Coach Strobl seinen rund 20 Spielern – darunter McDon – ein Lauftraining durch den Ort. Keine 300 Meter vom Rasen entfernt baute sich ein Kleinbus vor den Spielern auf. "Plötzlich sprangen sechs Polizisten – davon einer in zivil – aus dem Bus und riefen ,McDon, McDon'", erinnert sich Wiesinger. Der Liberianer wurde verhaftet.

Nachdem sich McDon in der Kabine umgezogen hatte, nahmen die Teamkollegen von ihrem Stürmer Abschied. „Ich hab ihm dann noch einen Zettel mit meiner Handynummer in die Hand gedrückt“, sagt Wiesinger. Danach setzte sich der Kleinbus in Bewegung. Am Mittwoch besuchte Wiesinger seinen (Ex-)Teamkollegen im Anhaltezentrum in Wien. "Ich hab ihm Laufschuhe und einen Fußball mitgenommen. Das hat er sich gewünscht."

"Warum müssen Asylverfahren so lange dauern?"
Ob McDon tatsächlich abgeschoben wird, steht für Wiesinger noch nicht fest: "Er hat ja gar keinen Pass. Wer weiß, ob er nach Liberia zurück kann." Über die sportlichen Konsequenzen will er nicht sprechen: "Natürlich können wir ihn nicht ersetzen. Aber uns geht’s ums Menschliche. Er ist seit fünf Jahren in Österreich. Ich versteh nicht, warum Asylverfahren so lange dauern müssen."

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