Sa, 21. Oktober 2017

"Spaß am Spott"

09.02.2009 14:02

Karikaturist Manfred Deix im großen Interview

Die "Deix-Figur" hat längst Kultstatus. Manfred Deix schafft es wie kein Zweiter, die Eigenheiten von Herrn und Frau Österreicher einzufangen und freilich auch zu überzeichnen. Am 22. Februar feiert der Karikaturist aus Klosterneuburg seinen 60. Geburtstag. Zeitgleich wird im Kremser Karikaturmuseum die Dauerausstellung "Das ist Deix" eröffnet. Im Geburtstags-Interview spricht der Cartoonist nun über das Ausstellungsprojekt, den Gesundheitszustand seiner 36 Katzen, Barack Obama und kritische Geister in der Kulturpolitik.

Frage: Der Titel "Das ist Deix" klingt ja eigentlich sehr ultimativ.

Deix: Die Idee zu diesem Titel stammt von Klaus Ebner (Marketingleiter des Karikaturmuseums, Anm.), er hat mir dadurch Selbstbewusstsein eingeflößt. Ich bin jetzt erbärmliche 60 Jahre alt, und er rüstet mich moralisch auf. Es ist ein irrsinnig guter Titel, darauf wäre ich nie gekommen. Als Zwanzigjähriger hab' ich mir gedacht, ein Vierzigjähriger ist das Allerletzte. Und jetzt gehöre ich selber in diese Abteilung, es kracht aus allen Poren.

Frage: Hat die Ausstellung also - neben den ganz neuen Arbeiten - auch etwas von einer Retrospektive?

Deix: Natürlich, es sind Zeichnungen drin, die hab' ich gemacht, als ich acht Jahre alt war. Es waren Anfangswerke, wo ich noch lang nicht gewusst hab', was aus mir einmal werden wird. Die Lehrer in der Schule haben immer gesagt: Aus dir muss etwas Besonderes werden, weil du kannst so viel besser zeichnen als alle Anderen. Meine Eltern haben vorgehabt, mich zum Fleischhauer ausbilden zu lassen oder zum Fliesenleger. Die Tipps waren für den Hugo. Ich hab' gehört, da gibt es eine Schule, da lernt man Zeichnen, und da gibt es auch ein Unterrichtsfach Aktzeichnen. Als Sechzehnjähriger war das so was von verlockend. So ist es zur Ergreifung dieses Berufs gekommen, und ich habe es nicht eine Sekunde bereut.

Frage: Wie "terrible" ist das "Enfant terrible" Manfred Deix eigentlich heute?

Deix: Ich bin nach wie vor für Schrecksekunden bereit. Aber ich habe nicht mehr diese Wildheit in mir, die Entschlossenheit, den Leuten mit dem Arsch ins Gesicht zu fahren. Ich habe Ende der 70er Jahre Zeichnungen fürs "Profil" gemacht, die waren dermaßen brutal, und der damalige Chefredakteur Lingens in seiner Liberalität hat mir Dinge erlaubt, die in keinem anderen deutschsprachigen Magazin in dieser Form gedruckt worden wären.

Frage: Ist es heute schwieriger, Sujets zu finden? Sind die Leute weniger ergiebig als früher?

Deix: Das kann ich nicht sagen. Ich bin sehr gut versorgt, und ich bin froh, dass ich in Österreich lebe, weil's da immer wieder gute Typen gibt. Von daher habe ich kein Manko.

Frage: Wie gefällt Ihnen eigentlich Barack Obama?

Deix: Bis jetzt ganz gut. Er wird nicht der große Weltveränderer sein, wie das alle erwarten, der Messias. Aber er kann sich nach der Decke strecken, und die ist relativ tief gezogen. Gut finde ich seine Haltung und Moral. Es ist auch höchste Zeit, Amerika hat ja ein Image gekriegt wie China. Es ist ein frischer Wind, wie der Kreisky in Österreich, wenn der Vergleich zulässig ist.

Frage: Zurück nach Österreich: Wie sind Sie mit dem Karikaturmuseum zufrieden, das ja auch 'Ihr Kind' ist?

Deix: Es ist nur mein Kind! Ich bin Papa und Mama in Personalunion. Ich werde immer glücklicher, weil das Kind immer schöner wird. Und Besucher kommen immer mehr. Es gibt kein Museum, vor dem sich in der Hauptsaison - jetzt ist ja tote Hose - die Leute in langen Reihen anstellen. Im Volksmund ist es zum Deix-Museum geworden. Ein dickes Butzerl ist es, ein übergewichtiges, mit roten Backen. Ich habe dem Landeshauptmann (Erwin Pröll, Anm.) damals gesagt, wenn pausbäckige Menschen in die blumige Wachau auf Urlaub kommen, hat er dann plötzlich einen Schiefer im Fleisch. Und er hat gesagt, das gefällt ihm.

Frage: Sehen Sie eigentlich die Gefahr, dass die Kulturpolitik kritische Geister neutralisiert, indem man sie musealisiert wie Nitsch, Rainer oder Sie?

Deix: Für die anderen kann ich nicht sprechen, aber ich bin dadurch nicht zahnloser geworden, im Gegenteil. Ich habe Spaß am Spott, die Grundhaltung ist nicht wegzuradieren. Auch der Nitsch macht nach wie vor Blutschüttungen, durch das Museum ist er nicht milder oder zartfühlender geworden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man dadurch korrumpiert werden könnte. Anpasslerisch war ich wirklich nicht. Ich bin kein Rabauke, aber wer die 336 Seiten (im neuen Band "Der goldene Deix", Anm.) durchblättert, merkt: Zahnlosigkeit kann man mir nicht attestieren. Ich habe nicht 36, sondern 40 Zähne.

Frage: Um auf die Ausstellung zurückzukommen: "Das ist Deix" ist also keinesfalls ein Abschluss, es wird weitergehen...

Deix: (lacht) Meine Pubertät ist beendet, und jetzt komm ich ins Erwachsenenalter! Ein Schuss vor den Bug der Braven und Angepassten! Jetzt wird Deix erwachsen und frech!

Frage: Unvermeidliche Frage zum Schluss: Wie geht es Ihren Katzen?

Deix: Momentan sind es 36, eine ist in sehr schlechtem Zustand. Da habe ich diese Seuche importiert bekommen von einem streunenden Kater, aber ich setze alle Mittel in Bewegung und habe die besten Ärzte einfliegen lassen aus Los Angeles und Hawaii. Die werden dafür sorgen, dass der Stand gleichbleibt.

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