Fr, 25. Mai 2018

Nicht vernichtet

05.02.2009 14:48

Verseuchtes Milchpulver noch immer am Markt

Nach dem Milchpulver-Skandal in China befindet sich nach wie vor mit Melamin verseuchtes Pulver am Markt: Bei einer Untersuchung in Ostafrika habe man positive Proben gefunden, berichtet die Präsidentin des Vereins "Tierärzte ohne Grenzen Österreich", Dagmar Schoder. Sechs Prozent der insgesamt 49 untersuchten Chargen von elf verschiedenen Handelsprodukten seien verseucht gewesen, so Schoder, die am Institut für Milchhygiene, Milchtechnologie und Lebensmittelwissenschaft der Veterinärmedizinischen Universität Wien tätig ist. Offenbar wurde ein Teil des giftigen Pulvers nicht vernichtet, sondern ins Ausland verkauft.

Die Proben wurden laut der Präsidentin zwischen Ende Oktober und Anfang Dezember des Vorjahres in der am Indischen Ozean im Osten Tansanias gelegene Hafenstadt Dar es Salaam gezogen. In Afrika gebe es keine Lebensmittelkontrollen, aber es bestehe hoher Bedarf an Milchpulver - so sei der Verdacht bereits nahe gelegen, dass verseuchtes Pulver nicht vernichtet, sondern dort einfach weiterverkauft werde, meinte Schoder.

Ob Kinder dadurch gesundheitliche Schäden erlitten haben, könne man nicht sagen: "Die dazu benötigten diagnostischen Mittel sind meist nicht vorhanden." Nun versuche man, afrikanische Wissenschaftler und Tierärzte in Nachweismethoden einzuschulen. Langfristiges Ziel von "Tierärzte ohne Grenzen Österreich" sei unter anderem, in Afrika beim Aufbau einer eigenständigen Lebensmittelkontrolle mitzuhelfen, sagte Schoder.

Hundertausende Babys in China erkrankt
Der Skandal um giftiges Milchpulver aus der Volksrepublik China flog im September auf. Sanlu war das erste Unternehmen, dem der Verkauf des verseuchten Produktes nachgewiesen wurde. Durch das mit der Industriechemikalie Melamin versetzte Milchpulver starben nach offiziellen chinesischen Angaben mindestens sechs Babys, Hunderttausende wurden zum Teil schwer krank.

Auch in Österreich wurde eine positive Melamin-Probe gezogen. Knapp zwei Wochen nach Start der Lebensmittelkontrollen von chinesischen Produkten in Österreich wurde Anfang Oktober in einem steirischen Chinalokal ein Milchshake gefunden, bei dem der Grenzwert überschritten war. Das Produkt, das am Wiener Naschmarkt gekauft worden war, wurde vom Markt genommen.

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