Mi, 23. Mai 2018

Drei Jahre Haft

05.02.2009 14:38

Hochstapler ergaunerte 360.000 Euro - verurteilt

Er machte sich an allein stehende, vermögende ältere Frauen heran und knöpfte ihnen insgesamt 370.000 Euro ab: Ein 58-jähriger Hochstapler ist am Donnerstag im Straflandesgericht wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs zu drei Jahren Haft verurteilt worden, davon ein Jahr unbedingt. Das Urteil ist rechtskräftig.

Der 58-Jährige hatte in noblen Kaffeehäusern und Hotel-Bars gezielt nach potenziellen Opfern Ausschau gehalten. Erblickte er eine einsame Dame im Pelz, trat er an sie heran, stellte sich als "Andreas Ferrara" vor und begann ein Gespräch. "Ich habe einen Hund. Das ist natürlich ein wunderbarer Anknüpfungspunkt", erinnerte sich eine der Geschädigten an das Kennenlernen im Hotel Marriott.

"Ein Mann von Welt"
Stets gab sich der  Mann als wohlhabender sizilianischer Schmuckhändler und Diamantenschleifer aus. Er berichtete von seinen Geschäften in London und Johannesburg, die ihm Millionen einbringen würden. Die gut situierten, teilweise erst seit kurzem verwitweten Frauen erfreuten sich der anregenden Gesellschaft und goutierten die edle Kleidung, teuren Uhren und feinen Manieren des Galans. Nur die auffallend schlechten Zähne schienen nicht zu seinem Äußeren zu passen. "Ich habe Angst vor dem Zahnarzt", pflegte "Andreas Ferrara" dahingehende Fragen zu beantworten.

Verurteilter ist in Wahrheit Slowake, nicht Italiener
Vier Wienerinnen im Alter zwischen 60 und 68 fielen auf den Schwindler herein. Nachdem er mit jeder von ihnen auch intim geworden war, begann er sie um Geld "anzupumpen": Für eine Schmucklieferung seien Zollgebühren bzw. eine Kaution fällig, er aber leider momentan nicht liquid. Eines der Opfer übergab ihm umgehend über 200.000 Euro. "Fragen Sie mich nicht warum", meinte sie nun im Zeugenstand. Der vermeintliche Italiener - in Wahrheit stammt der Mann aus der Slowakei und hat keinen Job - habe ihr leidgetan. Sie habe ihm "alles" geglaubt und gedacht, es handle sich nur um einen vorübergehenden finanziellen Engpass.   Sobald er seine Opfer "gerupft" hatte, war der 58-Jährige telefonisch nicht mehr erreichbar.

"Danke, gnädige Frau"
"Ja, ich bin schuldig! Ich kann mich nur entschuldigen bei den Damen. Aber sie waren alle sehr leichtgläubig", verantwortete sich der Angeklagte. Sein Verteidiger Peter Philipp überreichte den Zeuginnen jeweils mehrere 1.000 Euro an Schadensgutmachung - offenbar hatte die Familie des Betrügers zusammengelegt, um ein möglichst mildes Urteil zu erwirken. Die Rechnung ging auf. "Danke, gnädige Frau", bedankte sich der Mann bei der Vorsitzenden für die verhängte Strafe. Theoretisch hätten ihm bis zu zehn Jahre Haft blühen können.

Symbolfoto

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