Sa, 26. Mai 2018

"Eine Katastrophe"

05.02.2009 10:00

Achtlingsmutter wartet vergeblich auf Spenden

Jene Mutter in Südkalifornien, die in der vergangenen Woche Achtlinge zur Welt brachte, wartet bisher vergeblich auf Spenden von örtlichen Geschäften, Konzernen und anderen Wohltätern. Während das Haus der 33-jährigen Nadya Suleman von Fotografen belagert wird (Bild), hat die Tatsache, dass sie bereits sechs Kinder allein aufzieht und dass alle 14 durch künstliche Befruchtung entstanden, wohl viele Menschen abgeschreckt. Die Unternehmen reißen sich nicht gerade darum, mit Geschenken für die Kinder PR für sich zu erzeugen. Kein Wunder: Suleman wurde von TV-Moderatoren und Ärzten und sogar ihrer eigenen Mutter scharf kritisiert, die sich um die anderen Kinder im Alter zwischen zwei und sieben Jahren kümmern muss.

Der Presseagent David Brokaw, der schon einige Prominente durch PR-Krisen begleitete, spricht von einer Herausforderung. Für die Berater der Mutter werde es nicht einfach sein, öffentliche Sympathie zu gewinnen. "Es ist eine Katastrophe", erklärte er. "Ich sehe einfach nicht, wie angesichts der Umstände etwas Positives zu sagen ist." Hersteller von Windeln und Babynahrung wollen wahrscheinlich nicht mit der Familie in Verbindung gebracht werden. Brokaw schlug vor, Suleman müsse sich jetzt zurückhalten und sich bemühen, als verantwortungsvolle Mutter wahrgenommen zu werden.

Noble Zurückhaltung
Der Babynahrungshersteller Gerber erklärte, falls der Konzern für die Familie hätte spenden wollen, wäre das schon geschehen. Mit der Geburt der Achtlinge habe er sich nicht befasst, sagte ein Sprecher. Der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble teilte mit, man suche nicht aktiv nach Eltern, die Hilfe benötigten. Die Achtlingsmutter könne sich jedoch um ein Startpaket bemühen, das in solchen Fällen üblicherweise ausgegeben werde. Der Inhalt: ein Jumbo-Paket Windeln für jedes Kind, Feuchttücher und Rabattgutscheine. Suleman wird damit wohl nur etwa eine Woche auskommen.

Der konservative Radiomoderator Bill Handel, der über die Achtlingsgeburt hergezogen war, sagte am Dienstag, die Menschen seien bereit, jedes Unternehmen zu boykottieren, das die Mutter oder die acht Kinder unterstütze. Sulemans Sprecher Mike Furtney erklärte, er habe einige negative Kommentare aus der Öffentlichkeit erhalten. Allerdings hätten auch Krankenschwestern und einige Läden für Babyausstattung ihre Hilfe angeboten. "Ich kann mich an den Markennamen nicht erinnern, aber ein großes Unternehmen hat Windeln geschickt", sagte er. Er sei zuversichtlich, dass wenn Suleman ihre Geschichte erst erzählt habe, viele Menschen ihre Meinung über sie ändern würden. Angebote mehrerer Medien lägen bereits vor.

Über eine Million Dollar Schulden
Das Geld kann die Familie auf jeden Fall gut brauchen. Die Kosten für die medizinische Versorgung der Frühgeborenen wurden zwar nicht veröffentlicht. Durchschnittlich kostete aber allein ein Kaiserschnitt in Kalifornien 2006 rund 23.000 Dollar. Die Babys kamen außerdem neun Wochen zu früh zur Welt. In Kalifornien musste ein Frühchen 2006 im Schnitt 25 Tage im Krankenhaus versorgt werden, was Kosten in Höhe von 164.000 Dollar verursachte. Für die Achtlinge wären das insgesamt 1,3 Millionen Dollar (eine Million Euro), mit denen die Mutter jetzt in der Kreide stehen dürfte. Die Einkommensverhältnisse der Mutter sind unklar. Bekannt ist lediglich, dass sie von 1997 bis 2008 in einem Krankenhaus arbeitete.

Geschenke für Mehrlingsmütter
Im Jahr 1998 war Nkem Chukwu aus Houston die erste Mutter in den USA, die Achtlinge zur Welt brachte. Sieben Kinder überlebten. Die Familie lebt in einem Haus mit sechs Zimmern, das sie geschenkt bekam. Eine ganze Armee von Freiwilligen stand bereit, um den Eltern durch die schwierige erste Zeit zu helfen. Die Eltern von Siebenlingen, die 1997 in Iowa zur Welt kamen, erhielten sogar ein Haus mit 16 Zimmern geschenkt, dazu einen Kleinbus, Babynahrung von Gerber und einen lebenslangen Vorrat Windeln von Procter & Gamble.

Der Fernsehsender The Learning Channel (TLC) will noch keine Entscheidung über eine mögliche Unterstützung der Achtlinge fällen. "Wir sind wie der Rest in Amerika: Wir warten ab, wie es sich entwickelt", sagte TLC-Präsidentin Eileen O'Neill. "Die Zahl der Kinder ist verblüffend, aber es kommt auch darauf an, wie die Familie lebt."

Diskussion über Bioethik
Kritik gibt es auch über die Achtlingsschwangerschaft selbst. Und viele kritische Fragen: Wie zum Beispiel eine bereits sechsfache alleinstehende Mutter einen Arzt dazu bewegen konnte, eine Fruchtbarkeitsbehandlung an ihr vorzunehmen? Mehrfachgeburten sind meist Folge einer Einnahme von Medikamenten zur Steigerung der Eiproduktion; Ärzte sollen diese überwachen und anhalten, wenn zu viele Eier produziert werden. Da die genaue Behandlung nicht bekannt wurde, wundern sich einige Ärzte darüber, dass der Frau eine Fruchtbarkeitsbehandlung angeboten wurde - und die Möglichkeit, dass ihr so viele Embryonen eingesetzt wurden.

Die Gesellschaft für Reproduktive Medizin erklärte, bei der Behandlung sei möglicherweise gegen ihre Richtlinien verstoßen worden. Demnach sollten einer Frau unter 35 Jahren nur ein bis zwei Embryonen eingesetzt werden, Frauen über 40 Jahren nicht mehr als drei bis fünf. Falls acht Embryonen auf einmal eingesetzt worden seien, "ist das weit über unseren Richtlinien", sagte der Präsident der Gesellschaft, Dale McClure. Der andere Verband, die Amerikanische Gesellschaft für Reproduktiv-Medizin, droht Kliniken mit dem Ausschluss, die gegen diese Richtlinien verstoßen. Die Kraft eines Gesetzes haben diese Richtlinien aber nicht.

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