Sa, 26. Mai 2018

Starker Zuwachs

02.02.2009 21:57

Arbeitslosigkeit um 12,2 Prozent gestiegen

Die Wirtschaftskrise hat am heimischen Arbeitsmarkt deutliche Spuren hinterlassen: Die Zahl der Jobsuchenden kletterte im Jänner im Jahresvergleich um 12,2 Prozent auf 301.529 Arbeitslose. Rechnet man die 53.517 in Schulung befindlichen Personen dazu, waren im Jänner 355.046 Personen ohne Arbeit. Dazu kommen derzeit 22.411 Kurzarbeiter. Die Kurzarbeit wird im Februar auf mindestens 30.000 Betroffene steigen, Sozialminister Rudolf Hundstorfer rechnet für heuer mit insgesamt 40.000 Kurzarbeitern. "Wenn es 50.000 werden, ist es mir auch recht", so Hundstorfer am Montag bei der Präsentation der aktuellen Arbeitsmarktdaten gemeinsam mit Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und AMS-Vorstand Johannes Kopf.

Vor dem Hintergrund der "enttäuschenden Zahlen" (Kopf) hat das Sozialministerium per 1. Februar den Bereich Arbeit wieder zurückbekommen. Unter Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein war der Bereich im Wirtschaftsministerium untergebracht. Die Probleme am Arbeitsmarkt seien aber nur gemeinsam zu lösen, so Mitterlehner. "Und das werden wir in Zukunft partnerschaftlich tun".

Jugendliche und Männer besonders betroffen
Besonders betroffen von Arbeitslosigkeit waren im Jänner Jugendliche und Männer. Die Jugendarbeitslosigkeit kletterte um 22,9 Prozent auf 48.307. Angesichts der bedrohlichen Zahlen soll das Auffangnetz für Jugendliche von derzeit 10.000 auf 12.000 Stellen aufgestockt werden. Auch Männer sind vom Anstieg der Arbeitslosenzahlen besonders stark betroffen: Während die Frauenarbeitslosigkeit lediglich um 6,2 Prozent auf 102.570 Betroffene anstieg, erhöhte sich die Zahl der männlichen Jobsuchenden um 15,6 Prozent auf 198.959 Arbeitslose. Bei Älteren (über 50 Jahre) fiel der Anstieg mit plus 8,8 Prozent relativ gering aus.

Ungleichmäßige Verteilung in den Bundesländern
Die Arbeitslosigkeit stieg in allen Bundesländern an, verteilte sich aber teilweise sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Regionen: Am stärksten betroffen war Salzburg mit einem Plus von 26,6 Prozent, am schwächsten Wien mit 1,9 Prozent mehr Arbeitslosen. Neben Salzburg wurden auch in Oberösterreich und Kärnten Zuwächse jenseits der 20-Prozent-Marke verzeichnet.

In Oberösterreich stieg die Zahl der Arbeitslosen um 21,7 Prozent (+6.430) an, in Kärnten um 21,1 Prozent (+4.723). In Vorarlberg lag das Plus bei 19,2 Prozent (+1.674), in der Steiermark bei 17,9 Prozent (+7.491). In Tirol stieg die Zahl der Arbeitslosen um 17,5 Prozent (+2.964). Das Burgenland verzeichnete nach Wien mit 7,8 Prozent (+870 Personen) den geringsten Zuwachs. Die bundesweite Arbeitslosenquote (nationale Berechnung) lag im Jänner bei 8,3 Prozent, teilte das Arbeits- und Sozialministerium mit.

Leiharbeiter mit stärkstem Zuwachs
Im Branchenvergleich gab es bei den Leiharbeitern mit 32 Prozent (+7.399) den größten Zuwachs, aber auch die Industrie war stark betroffen. Hier machte das Plus 28,8 Prozent (+7.841) aus. In der Baubranche lag der Zuwachs bei 10,7 Prozent (+6.301). Der Handel verzeichnete ein Plus von 8,3 Prozent (+3.132) und lag damit hinter dem Tourismus (6,6 Prozent beziehungsweise 1.623). Den geringsten Anstieg gab es im Gesundheits- und Sozialwesen mit 0,8 Prozent (+96).

Über 22.000 Menschen in Kurzarbeit
Von Kurzarbeit sind derzeit 22.411 Personen in 113 Betreiben betroffen. Im Februar kommen weitere 1.604 Arbeitnehmer in 11 Betrieben sicher dazu, nochmals 5.872 Menschen in 22 Betrieben werden "voraussichtlich" dazu kommen, so die Daten des Arbeitsministeriums. Kurzarbeit vor allem in Verbindung mit Qualifizierungsmaßnahmen wird von Hundstorfer und Mitterlehner als wirkungsvolles Mittel im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit gesehen.

Das neue Modell soll wie berichtet rückwirkend per 1. Februar in Kraft treten. Die bisher angefallenen Kosten bezifferte Hundstorfer auf 54,91 Millionen Euro. Auch wenn die Kurzarbeit auf 50.000 steigen würde, sei die Finanzierung gesichert. Es gebe entsprechende Zusagen vom Finanzministerium. Arbeitslosigkeit koste deutlich mehr als Kurzarbeit.

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