Sa, 26. Mai 2018

Vergeltungsschlag

02.02.2009 14:04

Israel bombardiert Gebäude der Hamas

Nach dem erneuten Raketen- und Granatenbeschuss aus dem palästinensischen Gazastreifen hat Israel Vergeltung geübt. Die Luftwaffe bombardierte in der Nacht auf Montag einen Gebäudekomplex der radikal-islamischen Hamas in Gaza und sechs Tunnel, durch die Waffen aus Ägypten in den abgeriegelten Gazastreifen geschmuggelt werden könnten. Verletzte wurden nicht gemeldet. Das Gebäude der Hamas-Sicherheitskräfte sei nach einer telefonischen Warnung Israels geräumt worden, berichteten Anrainer.

Ministerpräsident Ehud Olmert hatte zuvor gewarnt, ein Beschuss der Einwohner im Süden des Landes werde eine harte und überproportionale Reaktion Israels nach sich ziehen. Man werde "nicht zu den alten Spielregeln zurückkehren, die die Terrororganisationen uns aufzwingen wollen", so Olmert. Nur wenige Stunden nach der Drohung verletzten erstmals seit Beginn des brüchigen Waffenstillstands vor zwei Wochen aus dem Gazastreifen abgefeuerte Granaten im Süden des Landes mehrere Israelis.

Zuvor waren bereits mindestens zwei Raketen im Süden Israels eingeschlagen, hierbei gab es jedoch keine Verletzten. Zu dem Angriff bekannte sich eine Gruppierung der Al-Aksa-Brigaden. Die Brigaden gehören zu der mit der Hamas rivalisierenden Fatah des palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas. Ein Sprecher der Hamas-Regierung im Gazastreifen verurteilte die Erklärung Olmerts als aggressiv. Gleichzeitig jedoch forderte er alle Palästinenser auf, sich an den Waffenstillstand zu halten.

1.300 Tote bei Militäroffensive
Israel war gegen die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas drei Wochen lang mit einer Militäroffensive vorgegangen, um die seit Jahren andauernden Raketenangriffe zu stoppen. Kritiker hatten Israel dabei Unverhältnismäßigkeit vorgeworfen. Bei den Raketenangriffen auf Israel starben in den vergangenen acht Jahren 18 Menschen. Bei der jüngsten Offensive wurden nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums in Gaza mehr als 1.300 Palästinenser getötet, darunter mindestens 700 Zivilisten. Auf israelischer Seite starben zehn Soldaten und drei Zivilisten. Israel macht die Hamas für die zivilen Opfer unter den Palästinensern im Gazastreifen verantwortlich, weil die Organisation in Städten und Flüchtlingslagern Stellung beziehe.

Erst am Samstag war nahe der israelischen Stadt Ashkelon eine Rakete eingeschlagen. Seit einer am 18. Jänner verkündeten Waffenruhe kommt es immer wieder zu sporadischem Raketenbeschuss, auf den Israel meistens mit Luftangriffen auf Ziele der Hamas im dicht besiedelten Gazastreifen reagiert. Aus israelischen Verteidigungskreisen verlautete, dass führende Mitglieder der Hamas ins Visier genommen werden sollen. Eine Wiederaufnahme der Offensive im Gazastreifen sei unwahrscheinlich.

Abbas trifft Mubarak
Unterdessen stimmte die Hamas im Ringen um eine dauerhafte Waffenruhe mit Israel angeblich einem ägyptischen Vorschlag zu. Das berichtete der arabische Sender Al-Arabiya am Sonntag. Abbas, dessen Sprecher von einem "Durchbruch" sprach, will nach Angaben palästinensischer und ägyptischer Nachrichtenagenturen am Montag mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak in Kairo zusammentreffen. Eine geplante Reise nach Tschechien habe er deswegen bereits verschoben. Einzelheiten zum ägyptischen Friedensplan wurden zunächst nicht genannt.

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak und Außenministerin Tzipi Livni stritten unterdessen über die Strategie für einen Waffenstillstand im Gazastreifen. Barak bezeichnete es bei der wöchentlichen Kabinettssitzung in Jerusalem nach Angaben seines Ministeriums als realitätsfern, zu glauben, dass eine Waffenruhe und ein Ende des Waffenschmuggels ohne Vermittlung Ägyptens möglich wäre. Livni lehnte hingegen jegliche Verhandlungen mit der Hamas ab. "Ich unterstütze Abkommen gegen und nicht mit der Hamas", hob sie hervor. Livni ist bei der israelischen Parlamentswahl am 10. Februar Spitzenkandidatin der Kadima-Partei, Barak führt die Arbeiterpartei an. Die ägyptische Regierung versucht derzeit, in separaten Gesprächen mit Israel und der Hamas die Bedingungen für eine Waffenruhe auszuhandeln.

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