Mi, 22. November 2017

Verlies-Drama

02.02.2009 13:42

Zwei Kundgebungen bei Prozess angemeldet

Wenn am 16. März am Landesgericht St. Pölten der Prozess im Inzest-Fall von Amstetten beginnt, sind mittlerweile auch zwei Kundgebungen angemeldet. Die Plattform "Opferoffensive" aus Wien will "Für eine Gesellschaft frei von sexueller Gewalt" demonstrieren, "Resistance for Peace" für "Kinderschutz im Zusammenhang mit Justizbehörden und der Politik", sagte Polizeidirektor Johann Schadwasser am Montag. Das internationale Medieninteresse ist ebenfalls groß. 40 Anstalten - darunter auch der arabische TV-Sender "Al Jazeera" - wollen berichten.

Bei den Kundgebungen werden jeweils etwa 50 Teilnehmer erwartet. Laut Schadwasser werde es keine Untersagung geben, "wenn wir uns auf einen Aufstellungsort (in der Nähe des Gerichtsgebäudes, Anm.) einigen können". Die "Opferoffensive" habe ihre Demonstration von 8 bis 20 Uhr für den Eröffnungstag des Prozesses gegen Josef F. angemeldet, "Resistance for Peace" für 16. bis 18. März ebenfalls jeweils von 8 bis 20 Uhr.

Hinsichtlich der Sicherheitsmaßnahmen rund um den Prozess, die von Gerichtspräsident Kurt Leitzenberger festgelegt würden, sei man "noch in der Planungsphase", so Schadwasser am Montag. Die Polizei werde "aufgrund des zu erwartenden Medienrummels" jedenfalls "entsprechende Präsenz" zeigen. Die Entscheidung über eine mögliche Assistenzleistung auch im Gericht liege ebenfalls bei Leitzenberger. Für die zahlreichen Übertragungswagen nationaler und internationaler Medien würden entsprechende Aufstellungsorte beim Gericht geschaffen, kündigte der Polizeidirektor diesbezügliche Vorkehrungen an.

Auch arabischer Sender will berichten
Sogar der arabische Fernsehsender Al Jazeera will vom spektakulären Prozess gegen den Horrorvater Josef F. berichten! Eine entsprechende Anfrage langte kürzlich beim Landesgericht in St. Pölten ein. Doch auch ohne den TV-Sender der Scheichs ist das Medieninteresse groß. Schon jetzt prasseln auf Pressesprecher Franz Cutka die Anfragen ein: aus Norwegen, Deutschland, Großbritannien (BBC, Sky News) und aus dem Golf. Insgesamt
40 Anstalten wollen aus Niederösterreich in alle Welt berichten.

Auf Hochtouren laufen die generalstabsmäßigen Planungen für den Prozess des Jahres. Ab 16. März sollen an fünf Tagen die Inzest-Gräueltaten des Angeklagten aufgearbeitet werden, zum Großteil unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Medienansturm ist dennoch gewaltig! Nicht einmal bei den Prozessen gegen Jack Unterweger oder Elfriede Blauensteiner war das Interesse der internationalen Medien so groß. Sogar der arabische Sender Al Jazeera will ein Team entsenden.

Die Chronologie des Grauens und weitere Hintergründe: siehe Infobox!

Die Medienvertreter lassen sich auch nicht durch den Umstand abschrecken, dass nur bei der Verlesung der Anklage und beim Urteil Zuschauer zugelassen werden. Die Einvernahme des Angeklagten, die Vorführung des Videos von der Befragung der Tochter von F., aber auch die Erörterung der Gutachten soll hinter verschlossenen Türen stattfinden. Begründet wird das mit dem Schutz der Opfer.

Josef F. droht lebenslange Haft
Am Freitag, 20. März, will Richterin Andrea Humer das Urteil verkünden. Sie muss sich mit folgender Anklage befassen: Staatsanwältin Christiane Burkheiser wirft Josef F. Mord, Sklavenhandel, Vergewaltigung, Freiheitsentziehung, schwere Nötigung und Blutschande vor. Damit droht ihm lebenslange Haft.

Juristisch spannend wird es beim Vorwurf des Sklavenhandels, ein Paragraph, der in Österreich noch nie verhandelt wurde. Doch F. hat seine Tochter 24 Jahre lang im Kellerverließ gefangen gehalten und damit in eine "sklavenähnliche Lage" gebracht, sagt die Anklage.

Bestreiten wird der Horror-Vater wohl nur den Vorwurf des Mordes. Dass er eines seiner Kinder, das kurz nach der Geburt im Keller starb, hätte retten können, leugnet er.

Von Kronen Zeitung und krone.at

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