Di, 21. November 2017

Stromversorger

09.01.2009 12:18

Energie AG investiert in Infrastruktur

Die Energie AG Oberösterreich (EAG) steckt in den kommenden drei bis vier Jahren eine halbe Mrd. Euro - zusätzlich zum jährlichen Investitionskapital von mehr als 200 Mio. - in die Infrastruktur. Die größten Brocken dabei sind Wasserkraftwerke, eine Verkabelungsoffensive und die flächendeckende Einführung von "intelligenten Stromzählern". Generaldirektor Leo Windtner präsentierte am Freitag - exakt ein Jahr nach der Absage des geplanten Börsegangs - in Linz das "Konjunkturpaket".

Bei der Wasserkraft müsse es einen Paradigmenwechsel geben, verlangte Windtner. Er will diesen Bereich, der derzeit 35 Prozent der Stromproduktion liefert, ausbauen. 210 Mio. Euro als Teil des Gesamtpakets sollen in neue Kraftwerke fließen. Neben den oberösterreichischen Projekten in Stadl-Paura und in Bad Goisern sollen auch in Salzburg zwei Anlagen entstehen, nämlich in Kleinarl und beim Oflegg.

Kabel unter die Erde
Ein weiterer Schwerpunkt der kommenden Jahre ist die Verkabelung von exponierten Freileitungen, an denen Schneedruck und Stürme zuletzt immer wieder schwere Schäden angerichtet haben. Diese störungsanfälligen Strecken sollen nun unter die Erde verlegt werden. Dafür macht die EAG rund 100 Mio. Euro locker. Die flächendeckende Einführung des "intelligenten Stromzählers" - er ermöglicht u.a. eine automatische Ablesung und gibt detailliertere Informationen über den Stromverbrauch - schlägt sich mit 60 Mio. zu Buche. Hinzu kommen noch kleinere Investitionen in den Bereichen Wärme, Wasser und Entsorgung, rechnete Windtner vor.

Erfolgsrezept Energieträger-Mix
Das Erfolgsrezept ist für den EAG-Chef der breite Mix der eingesetzten Energieträger: "Wir leben von der Vielseitigkeit der Aufbringung." Er will künftig weiter auf den Einsatz von Wasserkraft, Biomasse und Photovoltaik setzen: "Es ist zu befürchten, dass die Energiepreise ein wenig anziehen werden. Das begünstigt die Alternativenergien." Die aktuelle Gaskrise sieht der Generaldirektor eher gelassen. "Ich gehe davon aus, dass Russland die Devisen braucht", rechnet er mit einem baldigen Ende der Blockade. Aber die aktuelle Situation provoziere in Europa sicher eine Neuorientierung - einerseits zum Umstieg auf Flüssiggas, andererseits hin zu alternativen Energiequellen.

Von 2.400 auf 7.000 Mitarbeiter
Die EAG, die vor zehn Jahren aus dem Traditionsunternehmen OKA entstanden ist, habe sich in dieser Zeit vom Übernahmekandidaten zu einem wettbewerbsfähigen Infrastrukturkonzern entwickelt, ist Windner, der seit 1994 im Chefsessel sitzt, zufrieden. Der Umsatz stieg von 7,7 Mrd. Schilling (560 Mio. Euro) im Jahr 1998 auf 1,5 Mrd. im Geschäftsjahr 2008. Das EBIT wuchs von 134 Mio. Schilling (9,74 Mio. Euro) auf über 164 Mio. Euro um das 17-fache. Der Mitarbeiterstand stieg seither von 2.400 auf rund 7.000 Beschäftigte.

51% gehören dem Land
Im Jahr 2008 wurde die Eigentümerstruktur des Unternehmens auf neue Füße gestellt. Nach dem Platzen des ursprünglich geplanten Börsegangs, ist das Unternehmen heute nur mehr zu 51 Prozent im Besitz des Landes Oberösterreich, den Rest halten private Investoren, allen voran österreichische Energiekonzerne und Banken. Die Kapitalaufstockung von 216 Mio. Euro sei zum richtigen Zeitpunkt gekommen, so Windtner im Hinblick auf das geplante Investitionsprogramm.

"EAG in die öffentliche Hand zurückholen"
Für SPÖ-Chef Landeshauptmann-Stellvertreter Erich Haider ist der Jahrestag der Absage "ein Mahnmal für die gescheiterte Ausverkaufspolitik der VP". Er war einer der schärfsten Gegner des Börsegangs und hatte eine Unterschriftenaktion dagegen initiiert, die von mehr als 90.000 Bürgern unterstützt wurde. Für ihn steht fest, "dass die Menschen in unserem Land großen Weitblick bewiesen haben und dieses wertvolle Landesunternehmen nicht zum Spielball ausländischer Spekulanten werden lassen wollten". Er werde weiter dafür eintreten, "die EAG wieder völlig in die öffentliche Hand zurückzuholen", kündigte Haider in einer Aussendung an.

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