Di, 24. Oktober 2017

Ärzte skeptisch

02.01.2009 12:58

Ärzte bei Einheitshonoraren skeptisch

Die Ärztekammer reagiert skeptisch auf den Vorschlag von Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer, die Ärztehonorare und Leistungen zu vereinheitlichen. "Wien hat andere Bedürfnisse als das Mühlviertel, das ist ja bekannt", sagte Ärztekammerpräsident Walter Dorner (im Bild) am Freitag. Vorstellbar wäre für ihn aber eine regionale Abstimmung - etwa die Zusammenfassung des Großraums Wien mit Teilen Niederösterreichs und des Burgenlandes.

Der Rechnungshof hat bereits im vergangenen Februar auf große Unterschiede in den Tarifordnungen der Krankenkassen in Oberösterreich und Wien hingewiesen. So bekommt ein Wiener Arzt für eine doppelseitige Mammografie 76 Euro, sein oberösterreichischer Kollege erhält für zwei Mammografien 54 Euro. Dorner wirft dem Rechnungshof vor, in seinem Bericht Äpfel mit Birnen verglichen zu haben. "Das war ein Benchmarking-Bericht, der Leistungen verglichen hat, ohne die Strukturen dahinter zu vergleichen", kritisiert der Ärztekammer-Präsident.

Dorner hält wenig von Vereinheitlichung
"Wenn Sie die Stadt Linz isoliert mit der Stadt Wien vergleichen, dann werden Sie sehen, dass Linz eine höhere Ärztedichte hat als Wien", sagt Dorner. Von einer bundesweiten Vereinheitlichung der Tarife hält er entsprechend wenig. "Deswegen wird das System nicht billiger", betonte Dorner. Außerdem gebe es in anderen Ländern auch attraktivere Tarifkataloge. "Die Kärntner Tarife nehme ich in Wien sofort."

Bund soll Beiträge erhöhen
Dorner geht davon aus, dass das Gesundheitssystem auch ohne zusätzliche Geldmittel - etwa aus der Einbeziehung von Miet- und Pachteinnahmen in die Kassenbeiträge - auskommen könnte, wenn der Bund seinen Beitrag zu den Beitragszahlungen der Pensionisten anheben würde. Dieser sogenannte "Hebesatz" entspricht den Dienstgeberbeiträgen, die die Arbeitgeber zur Krankenversicherung ihrer Mitarbeiter leisten. Derzeit zahlt der Bund zu jedem Beitrags-Euro eines ASVG-Pensionisten 1,81 Euro als fiktiven Dienstgeberbeitrag dazu. Bei Bauern-Pensionisten sind es aber 3,96 Euro.

Österreich im internationalen Vergleich
"Es geht nicht, dass die Krankenkasse die Pensionen mitsubventionieren muss", kritisiert Dorner. Hier müsse man den Mut zu einer stärkeren Steuerfinanzierung haben. Außerdem verweist der Ärztekammer-Präsident darauf, dass das österreichische Gesundheitssystem im internationalen Vergleich nicht teuer sei, wenn man etwa bedenke, dass in Großbritannien ab einer bestimmten Altersgrenze keine Hüftoperationen durchgeführt werden: "Man muss Verständnis dafür aufbringen, dass das System unendlich viel leistet."

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