Mi, 22. November 2017

In Panik

19.12.2008 14:52

Frau springt aus Auto - Angst vor Mord

Zu einem spektakulären Zwischenfall kam es am Donnerstagnachmittag auf der Westautobahn (A1) bei der Abfahrt Wallersee in Salzburg. Eine 42-jährige Linzerin sprang bei langsamer Fahrt aus einem Auto, das ihr 40-jähriger Gatte lenkte. Vorbeikommende Fahrzeuglenker bargen die Frau und alarmierten die Polizei. In ersten Vernehmungen gab sie an, dass ihr Mann gedroht hätte, sie beide durch einen absichtlich herbeigeführten Verkehrsunfall zu töten.

"Die beiden Oberösterreicher leben seit ein paar Wochen getrennt. Der Mann hat seiner Frau vorgeworfen, dass sie schuld am Scheitern der Beziehung sei. Er wollte mit dem Auto gegen den Pfeiler einer 'schönen' Autobahnbrücke fahren und sie dabei beide töten", zitierte Oberst Josef Holzberger vom Landeskriminalamt Salzburg die Angaben der geschockten Linzerin. Sie konnte das Salzburger Landeskrankenhaus bereits verlassen.

Verfolgungswahn
Angehörige habe die Frau heute vom Spital abgeholt und zu ihrem Wohnort nach Linz gebracht. Dort wurde sie von der Polizei einvernommen."Sie erzählte, dass ihr Mann seit einem Jahr an Verfolgungswahn leidet, er fühlte sich von allen schlecht behandelt", schilderte Holzberger. Unter dem Vorwand, sie könnten ihren siebenjährigen Sohn gemeinsam abholen, lockte der Oberösterreicher seine Frau gestern, Donnerstag, gegen 15.00 Uhr ins Auto.

Irre Fahrt nach Salzburg
Im Wagen nahm er ihr das Handy weg, verriegelte die Türen und raste mit seinem Chrysler-Voyager mit 180 km/h auf der Westautobahn in Richtung Salzburg - dabei fuhr er immer wieder knapp an Lastwägen auf. Während der Fahrt warf er seiner Beifahrerin vor, was für ein schlechter Mensch sie sei: Sie allein wäre schuld an der gescheiterten Beziehung, und deshalb wolle er sie töten. "Die Frau war total geschockt und weinte", so der Kriminalbeamte. Alle Versuche, ihren Gatten zu besänftigen, scheiterten. In Telefonaten mit Verwandten kündigte der Lenker an, dass "alles vorbei ist".

Stau als Glück
Als Glücksfall für die 42-Jährige, die Todesängste ausgestanden hatte, erwies sich ein Stau auf der Autobahn in Salzburg. Ihr Mann disponierte um und fuhr gegen 16.50 Uhr bei der Ausfahrt Wallersee ab. Als er den Pkw in einem Kreisverkehr verlangsamen musste, griff die Frau ins Lenkrad und versuchte, den Autoschlüssel aus dem Zündschloss zu ziehen. Dabei starb der Motor ab. "Es gelang ihr, die Türe zu öffnen. Er wollte sie an den Haaren zurückhalten, doch sie konnte aus dem Wagen springen", erklärte Holzberger. Die Linzerin prallte mit dem Kopf am Boden auf.

Durch den Sturz erlitt sie Prellungen, Abschürfungen und eine Fingerverletzung. Der Oberösterreicher fuhr mit seinem Auto nach Seekirchen weiter. Dort wurde er in einem Cafe von der Polizei festgenommen und danach in die Justizanstalt Salzburg gebracht.

Ermittlungen laufen schon
Die Staatsanwaltschaft Salzburg ermittelt nicht wegen Mordes - wie von der Sicherheitsdirektion verlautbart - sondern wegen Freiheitsentziehung, gefährlicher Drohung und Nötigung, erklärte Mediensprecherin Barbara Feichtinger. Die U-Haft wurde beantragt. Ob der Verdächtige in eine psychiatrische Klinik kommt, müsse der Anstaltsarzt prüfen. Wegen seines psychischen Ausnahmezustandes war der Oberösterreicher vorerst noch nicht vernehmungsfähig.

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