Di, 21. November 2017

„Rote Ampeln“

20.11.2008 11:17

SPÖ-Politiker wirft Post-Management Mobbing vor

Die SPÖ in Oberösterreich erhebt schwere Vorwürfe gegen das Management der Post AG. Es sei "organisiertes Mobbing" in den Filialen zugange, protestiert Landtagsabgeordneter Helmut Kapeller. "Das Personal wird mit Wochenzielen und Eskalationsmails unter Druck gesetzt." Demnach hätten sich die einzelnen Postfilialen nicht mehr an Jahreszielen, sondern an kurzfristigen Wochenzielen zu orientieren. Für schlechte Ergebnisse würden von oben "rote Ampeln" ausgeteilt, so die Vorwürfe. Die Post AG bestätigt das "Ampel-System" gegenüber krone.at, weist jedoch den Vorwurf des Mobbings entschieden zurück. Wochenziele seien "ein alter Hut", die Ampel-E-Mails verschicke man seit dem dritten Quartal als "Hilfeleistung für die Mitarbeiter".

Post-Pressesprecher Michael Homola zeigte sich gegenüber krone.at "sehr verwundert" darüber, dass die Politik plötzlich daran etwas auszusetzen habe, dass ein Unternehmen Ziele zum Erhalt von Postämtern setze. "Wir müssen schauen, dass unsere Leut' auch was tun." Das System mit den Ampeln helfe dabei.

"Bei zwei Ampeln geht ein E-Mail..."
Laut dem oberösterreichischen SPÖ-Politiker setze das Management die Post-Mitarbeiter damit aber unter Druck und "demotiviere" sie. Die Rechnung beginne für die Postfilialen jede Woche bei Null, kritisiert Kapeller, ein gutes Ergebnis in der Vorwoche sei am Montag schon wieder "Schnee von gestern". Das "Verkaufsförderungs-Reporting" der Post umfasse die drei Bereiche Post, Bankdienstleistungen-Verkauf und "Bankdienstleistungen gesamt inklusive Spareinlagen". Wenn das Ergebnis in einem der drei Teilbereiche in einer Woche nicht passe, dann bekomme eine Filiale eine "rote Ampel". Bei zwei aufeinanderfolgenden roten Ampeln würden automatisiert E-Mails an den Verkaufsleiter geschickt. "Bei vier aufeinanderfolgenden roten Ampeln gehen die E-Mails bei Standardfilialen an den Verkaufsleiter und in Kopie an den Vertriebsdirektor. Bei sechs roten Ampeln in Folge gehen die E-Mails direkt an den Vertriebsdirektor und in Kopie an den Verkaufsleiter. Sollte nach acht Wochen die Ampel noch rot sein, dann wird die Divisionsleitung durch das Programmbüro informiert."

"Wer geht schon gern in die Arbeit, wenn er trotz hohen persönlichen Arbeitseinsatzes schon in der Früh im E-Mail-Postfach eine rote Ampel vorfindet?", fragt Kapeller. Schließlich sei das angesichts der drohenden Zusperrpläne der Post "nichts anderes als die Ankündigung, dass auch der eigene Arbeitsplatz bald eingespart wird". Hinzu komme, dass die Wochenvorgaben für die Filialen ein Volumen umfassen sollen, das nur schwer erreichbar sei. Schon eine schlechtere Kundenfrequenz während der starken Sommerurlaubszeit könne die Ursache darstellen.

"He, da stimmt was nicht"
Post-Sprecher Homola hält dem entgegen: "Wir haben weiterhin Jahresziele, das hat sich nicht geändert." Monats- und Wochenziele seien überdies meist Schwerpunktziele. Homola: "In KW47 Bausparverträge, in KW49 Briefmarkenverkauf - das sind jetzt Beispiele..." Wenn eine Filiale dauerhaft "rote Ampeln" kassiere, dann werde den Mitarbeitern durch die E-Mails mitgeteilt "He, da stimmt was nicht." Ein derartiges System sei als Hilfestellung zu verstehen und werde ja nicht nur bei der Post angewandt. Die Mobbing-Vorwürfe gegenüber dem Management seien aus der Luft gegriffen.

Post-Gipfel zur drohenden Schließungswelle
Indes bahnt sich für Mittwoch im Finanzministerium ein hochrangig besetzter "Runder Tisch" zur Lage der Post nach dem Bekanntwerden der jüngsten Schließungspläne an. Als Teilnehmer an dem von ÖVP-Finanzminister Wilhelm Molterer  initiierten "Postgipfel" sollen SPÖ-Chef Verkehrsminister Werner Faymann, ÖIAG-Alleinvorstand Peter Michaelis, die fünf Post-Vorstände, der Vorsitzende der Landeshauptleutekonferenz Herbert Sausgruber (ÖVP), Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer (ÖVP), Städtebund-Vizepräsident Heinz Schaden (SPÖ), sowie die beiden Postgewerkschafter Gerhard Fritz (FSG) und Manfred Wiedner (FCG) erwartet. Auslöser für den Gipfel ist freilach das Strategiepapier, wonach bei der Post bis zum Jahr 2015 bis zu 9.000 Beschäftigte abgebaut und 1.000 Filialen abgegeben werden sollen.

Weitere Themen: Streik und Faymann-Verordnung
Molterer hatte nach einem Kompetenz-Wirrwarr den Gipfel vorgeschlagen, weil es nicht akzeptabel sei, "die Post wie eine heiße Kartoffel hin- und herzuschieben". Die Post-Gewerkschaften haben ja bereits die Vorbereitung von Kampfmaßnahmen beschlossen, die theoretisch ab Ende dieser Woche beginnen könnten. Nach wie vor offen ist, wie das von Faymann verordnete "Postämter-Schließungsverbot" aussieht. Faymann hat weiters angekündigt, in einer neuen Universaldienstverordnung auch von den Mitbewerbern der Post zu verlangen, dass sie die Lasten mittragen. Sie sollen sich nach dem Beginn der Voll-Liberalisierung ab 2011 nicht nur in den Ballungsgebieten "die Rosinen herauspicken" können.

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