Mi, 18. Oktober 2017

Verbot gefordert

11.11.2008 15:20

Gentech-Mais senkt Fruchtbarkeit bei Mäusen

Gentechnisch veränderter Mais senkt die Fruchtbarkeit von Mäusen und das Geburtsgewicht der Nachkommen. Das geht aus einer an der Veterinärmedizinischen Universität Wien durchgeführten Langzeitstudie hervor. Umweltorganisationen und Politiker nahmen die Ergebnisse zum Anlass, um ein Verbot von Genmais zu fordern, der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit Inkompetenz vorzuwerfen und auf die Forcierung kritischer Forschung zu drängen.

Angaben von Greenpeace und Global 2000 zufolge wurden Mäuse mit einer Kreuzung aus zwei Arten gentechnisch veränderten Maises gefüttert, die gegen Unkrautvernichtungsmittel beständig sind und selbst Gift gegen Schädlinge produzieren. In einem 20-wöchigen Fütterungsversuch sei festgestellt worden, dass bereits ab dem dritten Wurf weniger Junge zu Welt kamen. Die Multi-Generationsstudie beweise Veränderungen der Organe.

"Gentech-Tschernobyl"
"Wir sehen physiologische Auswirkungen durch Gentech-Futtermittel, die die Biotech-Industrie immer geleugnet hat", erklärte Jens Karg von Global 2000 in einer Aussendung, "ein sofortiges Verbot der Verwendung des Gentech-Mais MON810 ist in Österreich das Gebot der Stunde." Darüber hinaus fordert die Organisation ein EU-weites Gentech-Moratorium und eine Reform der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). "Wer jetzt noch von Sicherheit redet, der nimmt leichtfertig ein Gentech-Tschernobyl in Kauf."

Greenpeace wies in einer Aussendung darauf hin, dass die EFSA Grünes Licht für die Zulassung der Maissorte gab, nachdem sie zu dem Schluss gekommen war, es sei "unwahrscheinlich, dass das Mais die Gesundheit von Menschen und Tieren negativ beeinflusst". Die Organisation wirft der Behörde grobe Fahrlässigkeit vor, da sie auf Daten des Antragstellers vertraut und keine eigenen Langzeitstudien durchgeführt habe. "Die EFSA muss wegen Inkompetenz vorerst geschlossen und alle bisher zugelassenen Gentech-Pflanzen müssen vom Markt genommen werden", so Gentech-Sprecher Philipp Strohm.

SPÖ-Umweltsprecherin Petra Bayr sieht die "massiven Bedenken" gegenüber Gentechnik in der Landwirtschaft und in Nahrungsmitteln durch die Studie nachdrücklich bestätigt. Ihrer Ansicht nach ist es notwendig, gentechnik-kritische Forschung zu forcieren. "Damit hätten wir dann auch schlagkräftige Argumente in der Hand, um etwa bei den Verhandlungen mit der WTO unsere Vorbehalte glaubhaft darzustellen zu können", so Bayr.

"Es ist Zeit aufzuwachen"
"Es ist Zeit aufzuwachen und die Regeln des Zulassungsverfahrens neu zu überdenken", forderte der oberösterreichische Umweltlandesrat Rudi Anschober. Denn hier liege "ein systematisches Versagen" vor, da die EFSA seit Jahren entsprechende Ergebnisse ignoriere oder einseitig auf die Studien der Antragsteller setze. Er verlangt unter anderem einen sofortigen EU-weiten Zulassungsstopp für gentechnisch veränderte Pflanzen.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).