So, 27. Mai 2018

Höllen-Trip

31.10.2008 13:58

Brothers in Arms: Hell's Highway

1944, auf der Straße zwischen Eindhoven und Grave. Im Rahmen der Operationen Market Garden landet die 101. US-Luftlandedivision, um einen Korridor durch Holland zu schlagen. Was als dreitägiger "Spaziergang" geplant ist, entpuppt sich als Trip in die Hölle über den "Hell's Highway". Binnen weniger Tage verlieren die Alliierten über 17.000 Soldaten. Einer, der an vorderster Front in Ubisofts neuestem Teil der Taktik-Shooter-Serie "Brothers in Arms" mitkämpft, ist Sergeant Matt Baker. Gemeinsam mit den Männern der Luftlandedivision soll er den Vormarsch unterstützen.

Der vierte Teil beginnt dabei ganz klassisch über den Wolken, von wo aus sich Baker stilecht per Fallschirm in das Kriegs- und Krisengebiet stürzt. Wackelkamera und zahlreiche Rückblenden unterstreichen die Dramatik des Augenblicks, doch zum Nachdenken bleibt jetzt ohnehin keine Zeit mehr. Neulinge können noch einen Abstecher ins Tutorial wagen, für alle anderen beginnt die Reise über die "Höllenstraße".

Großartige Neuerungen im Spielprinzip dürfen sich Kenner der Serie dabei nicht erwarten. Abgesehen von kürzeren Abschnitten, in denen Baker alleine um die Häuser zieht, gilt es wie gehabt Teams zu je drei Kameraden zu kommandieren. Die meiste Zeit wird Baker von einem leicht bewaffneten Angriffs- und einem Bazooka-Trupp begleitet, gelegentlich stehen jedoch auch Panzer und anderes schweres Gefährt unter seinem Befehl.

Per Knopfdruck wird die gewünschte Einheit ausgewählt und ihr anschließend eine Position zugewiesen, um die Krauts unter Beschuss zu nehmen. Hilfe bei der strategischen Planung bietet eine Karte, in der Deckungsmöglichkeiten aber auch Patrouillen oder MG-Nester verzeichnet sind. Wurden die Kameraden aufgrund der mitunter dürftigen KI nicht bereits vorher aufgerieben und auf dem Weg zu ihrer Stellung außer Gefecht gesetzt, kommt schließlich auch in "Hell's Highway" das von der Serie bekannte 4-F-Prinzip (finden, fixieren, flankieren, fertig machen) zum Tragen: Während ein Team den Gegner durch Sperrfeuer in Schach hält, sucht das andere einen Weg über die Flanke, um den Feind in die Zange zu nehmen.

Klingt einfach, ist es aber selbst im leichtesten der insgesamt drei Schwierigkeitsgrade nicht. Zum einen agieren die Gegner nämlich äußerst clever, indem sie sich etwa geschickt verschanzen oder ihrerseits plötzlich über die Flanke anrücken. Zum anderen ist der Realismusgehalt besonders hoch: Nur wenige Treffer genügen bereits und Bakers Vorhaben wird ein jähes Ende gesetzt. Das passiert leider öfter als es dem Spieler lieb ist, da "Hell's Highway", und das ist das große Manko, stets nur einen Lösungsweg zu akzeptieren scheint.

Denn wer den Schleichweg nicht entdeckt, um den Gegner einzukesseln, wird sich an den hartnäckigen Widersachern die Zähne ausbeißen. Hat man den Weg über die Flanke hingegen erst einmal gefunden, wird das Spiel schnell zur Routine. Zwar ist es zugegebenermaßen nicht immer leicht, den optimalen Pfad ausfindig zu machen, da "Hell's Highway" einem eine recht weiträumige und frei begehbare Spielwelt vorgaukelt, am Ende führt jedoch stets nur ein Weg zum Ziel. Besonders deutlich wird dies in Eindhoven, das nur aus einer einzigen langen Hauptstraße zu bestehen scheint. Lediglich vor dem schweren Geschütz, das den Vormarsch blockiert, biegt rein zufällig noch eine kleine Nebenstraße ab.

Was an spielerischem Tiefgang mitunter fehlt, gleicht "Hell's Highway" allerdings durch eine unglaublich dramatische und teils auch drastische Inszenierung wieder aus. In der ungeschnittenen (englischsprachigen) Ab-18-Version werden Kopfschüsse in Großaufnahme und Slowmotion gezeigt, der gezielte Bazooka-Schuss in ein MG-Nest wiederum fetzt Gliedmaßen ab und lässt sie anschließend meterweit durch die Luft wirbeln. Scheinbar nebenbei wird der Spieler Zeuge, wie eine Gruppe Nazis eine wehrlose Frau aufknüpft.

Angesichts solcher Szenen ist eine Diskussion darüber, wie viel Gewalt und Brutalität ein Spiel beinhalten darf, sicher gerechtfertigt. Aller gezeigten Grausamkeiten zum Trotz muss man dem Spiel jedoch zu Gute halten, dass hier nichts verherrlicht wird - aber eben auch nichts geschönt. Die kinoreifen Zwischensequenzen und die aus allen Richtungen lärmende Sounduntermalung tun schließlich das ihre, um dem Geschehen weiteren Ausdruck zu verleihen.

Auch online kann die Operation Market Garden in Angriff genommen wird. Maximal 20 Spieler tummeln sich via Xbox Live oder PSN auf einer Karte, wobei jeweils zehn gegen zehn antreten. Je ein Spieler pro Seite schlüpft dabei in die Rolle eines Befehlshabers, die anderen finden sich in bis zu drei Teams zu je drei Spielern ein, um die eigene Flagge entweder erfolgreich zu verteidigen oder die des Feindes zu erobern. Wer am Ende am meisten Runden gewonnen hat, ist Sieger.

Fazit: Wie versprochen haben die Entwickler von Gearbox Software diesmal besonders viel Wert auf eine packende Handlung und kinoreife Inszenierung gelegt. Für Kinder und Zartbesaitete ist "Hell's Highway" daher nichts. Nahezu unverändert geblieben ist leider das Spielprinzip, das Fans der Serie zwar nach wie vor fordern und zufrieden stellen dürfte, allmählich aber eine Frischzellenkur vertragen könnte.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, PC
Publisher: Ubisoft
Krone.at-Wertung: 7/10


von Sebastian Räuchle

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