Mi, 23. Mai 2018

Reine Notmaßnahme

29.10.2008 17:16

Ab 3. November wird im Container obduziert

Am 3. November, gleich nach dem Allerheiligen-Rummel, beziehen Wiener Pathologen ihre neuen Arbeitsplätze: Obduktionen werden dann in einem Container, gleichsam im "Hinterstüberl" des Zentralfriedhofs, durchgeführt. Eine Notmaßnahme der Stadt, weil der Bund die Gerichtsmedizin sträflich vernachlässigt.

Unvorstellbare Misswirtschaft und etliche personelle Fehlentscheidungen im zuständigen Bundesinstitut in der Sensengasse führten, wie die "Krone" mehrfach berichtete, zum völligen Zusammenbruch des Obduktionsbetriebs. Der Weltruf unserer Gerichtsmedizin ist damit nachhaltig verspielt. Ihr Begründer, der "Detektiv mit dem Skalpell" Wilhelm Holczabek, muss in seinem Grab rotieren. Denn sogar im benachbarten Ausland merkt man hämisch an, dass Wien zum "Paradies für Mörder" werde.

Obwohl die Kompetenz nicht bei ihr liegt, sah die Stadt sich gezwungen einzuspringen. Obduziert wird in mehreren Gemeindespitälern, und jetzt eben auch im Container im Zentralfriedhof, der unter der Leitung der Wiener Landessanitätsdirektorin Dr. Karin Spacek steht.

"Das kann aber klarerweise nur eine Übergangslösung sein", betont Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely, "bis der Bund sich mit einer neuen Gerichtsmedizin endlich wieder um die Sicherheit der Bürger kümmert."

Die Zuständigkeit und auch die Verantwortung liegt, laut Stadträtin Wehsely, "beim Innenministerium, dem Justizmininisterium und selbstverständlich auch beim Wissenschaftsminister".

Unter Ministerin Gehrer seien bereits 16 Millionen Euro für die Sanierung der Gerichtsmedizin in der Sensengasse budgetiert gewesen, dringend notwendiges Geld, das dann aber anderweitig verwendet wurde.

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