Mi, 23. Mai 2018

Guru verhaftet

28.10.2008 17:44

Russische Polizei stürmt Quartier einer Sex-Sekte

Die russische Polizei hat in Sibirien das Hauptquartier einer Sex-Sekte gestürmt und den 41 Jahre alten Anführer festgenommen. Die Sekte "Aschram Schambala" sei unter verschiedenen Namen aufgetreten und vermutlich für das Verschwinden vieler Menschen verantwortlich, berichteten Medien am Dienstag unter Berufung auf Polizeiangaben.

In den Räumen in Nowosibirsk seien Videos, Broschüren und Psychopharmaka beschlagnahmt worden, berichtete die Zeitung "Kommersant". Der Guru soll auch Minderjährige zu Orgien genötigt und Pornofilme mit "hypnotisierten Darstellern" weltweit verkauft haben.

Rund 10.000 Mitglieder
Laut russischen Medien brachte der Guru die Anhänger der Ende der 80er Jahre gegründeten Sekte systematisch um ihre Ersparnisse und isolierte sie sozial. Experten schätzten die Mitgliederzahl auf 10.000. Seine Jünger fand der 41-Jährige über das Internet, wo auch Videos kursieren mit Aufnahmen, in denen die Mitglieder Penissymbole küssen und rituelle Masken tragen, wie die Boulevardzeitung "Komsomolskaja Prawda" berichtete.

Lehre von sexueller Befreiung
Die Sekte, die mitunter als "Sibirische Vereinigung der Yogafreunde" oder "Akademie der okkulten Wissenschaften" auftrat, war landesweit bekannt. Psychiater und Religionswissenschaftler hatten das Phänomen des 41-Jährigen lange Zeit studiert. Der Guru hatte in eigenen Schriften eine Lehre von sexueller Befreiung entwickelt. Dabei nutzte er einen Mix aus Elementen des Christentums, russischer Orthodoxie, religiösen Traditionen aus Indien und Tibet sowie schamanischen Riten.

Die Polizei stufte die Sekte als sehr gefährlich ein. "Um ihrer habhaft zu werden, mussten wir jahrelang Beweise sammeln", sagte ein Polizeisprecher in Nowosibirsk. Behörden und die russisch-orthodoxe Kirche beklagen seit langem, dass sich Sekten ausbreiten. Besonders nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hatten viele orientierungslose Menschen in den Sekten neuen Halt gesucht.

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