Sa, 26. Mai 2018

Saliera-Dieb spricht

28.10.2008 18:00

"Muss mich an Freiheit erst wieder gewöhnen"

Als bekanntester Kunstdieb Österreichs schrieb er Kriminalgeschichte: Robert M. war es gelungen, ein 35-Millionen-Salzfass aus dem Kunsthistorischen Museum zu stehlen. Drei Jahre später wurde der "Saliera-Dieb" gefasst und verbüßte 1.024 Tage hinter Gittern. Im "Krone"-Gespräch bricht er erstmals sein Schweigen.

28. Oktober, kurz nach acht in einer kleinen Wiener Bäckerei. "Ein Mohnweckerl und ein Semmerl bitte!", höflich bestellt ein Kunde sein Frühstücksgebäck. Der Mann wirkt attraktiv und sportlich. Charmant lächelt der Wiener im blauen Blouson und in Jeans die Verkäuferin an.

Nicht aufdringlich oder gar wie ein Macho. Nein, diesen Mann mit ein wenig Pomade im Haar umgibt eher die Aura eines echten Gentleman. Niemand im Geschäft ahnt noch, dass es sich bei diesem netten Herrn um den Saliera-Dieb handelt, der in Anstaltskleidung 33 Monate Haft hinter Gittern verbrachte.

"Es geht mir gut, aber an das Leben in Freiheit muss ich mich erst wieder gewöhnen", antwortet Robert M. dann auch wie ein Gentleman auf die überraschende Frage eines weiteren Kunden. Der gelernte Alarmanlagen-Profi zeigt auch keine Spur von Arroganz gegenüber dem Neugierigen, als dieser sich als "Krone"-Reporter zu erkennen gibt, der damals über den Kunstdiebstahl und die Festnahme geschrieben hat.

Neues Leben mit Freundin und Sohn
"Nach der Entlassung habe ich mich natürlich versteckt", schmunzelt der rehabilitierte "Kunsträuber" nun selbstsicher. Schließlich war es ihm gelungen, die gesamte Journalistenschar auszutricksen und unterzutauchen! Im "Blitz-Gespräch" gibt sich der umschwärmte Millionendieb - er wurde nach seiner Verhaftung mit Film-, Buch- und selbst Heiratsangeboten überhäuft - keineswegs überheblich oder gar wie ein Held. Er ist nur glücklich, die Freiheit zu genießen, mit seiner Freundin und seinem Sohn.

Ab 1. November will Robert M. wieder arbeiten. "Ein großes Interview möchte ich aber nicht geben. Sie wissen schon", lächelt der Millionen-Dieb verschmitzt. Er nimmt seine Geldspange, zahlt einen Euro und bedankt sich per Handschlag für die Glückwünsche im neuen Lebensabschnitt.

Von Christoph Matzl, Kronen Zeitung

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